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Ickinger Politik:Auch Bücher brauchen einen Raum

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Die Ickinger Kinder- und Jugendbücherei ist seit 2014 im Haus der Kinder untergebracht, wo Nachwuchsleser Spaß bei der Lektüre haben.

(Foto: WOR)

Die Ickinger Kinderbücherei ist als Ort des Lernens und der Lesefreude einzigartig. Gründerin Vigdis Nipperdey hat jedoch Sorge um deren Zukunft.

Von Claudia Koestler

Der Gemeinderat von Icking wird an diesem Montag mehr als nur Sitzfleisch beweisen müssen - denn alleine der öffentliche Teil umfasst 21 Tagesordnungspunkte, darunter zahlreiche Themen, die nicht nur die Isartalkommune bewegen, sondern die gesamte Region. Diskutiert wird unter anderem über eine Resolution für den Erhalt der Kreisklinik, über Verkehr und Straßenbau, die Aufstellung eines 45 Meter hohen Mobilfunk-Stahlgittermasts nahe der Autobahn, den Anschluss der neuen Photovoltaik-Anlage ans Stromnetz und die Zusammenarbeit mit Schäftlarn bei der Wasserversorgung. Zwei weitere Punkte haben zudem weitreichende Auswirkungen: die "Vergabe der Leistungen zur Erstellung einer Machbarkeitsstudie" zur Sanierung der Grundschule samt Turnhalle sowie die "Klärung von Raumfragen und Personalbedarf" in Bezug auf die künftige offene Ganztagsschule an der Grundschule Icking. Was hier diskutiert und vielleicht auch schon beschlossen wird, hat nicht nur unmittelbaren Einfluss auf das Schulleben und die Finanzen, sondern auch auf ein bayernweit einzigartiges Projekt: die Kinderbücherei von Icking.

Die rein ehrenamtlich betriebene Kinder- und Jugendbücherei wurde 1982 auf Betreiben der Gemeinderätin Vigdis Nipperdey (Ickinger Initiative) gegründet. Die Juristin hatte zuvor längere Zeit mit ihrer Familie in den USA gelebt, genauer gesagt in der Universitätsstadt Princeton. Dort gab es in der städtischen Bücherei eine große, eigene Abteilung für Kinder. Nipperdey war begeistert und fragte sich, warum Kinder im Isartal nicht genauso selbstverständlich in eine Bibliothek gehen könnten.

Ihre Idee stieß jedoch nicht von Beginn an nur auf Gegenliebe. Manche forderten, stattdessen doch lieber eine richtige Bibliothek für Erwachsene zu gründen - doch dafür war die Kommune zu klein und die Interessensgebiete in der heterogenen Ickinger Bevölkerung zu breit, als dass das machbare Angebot viele hätte locken können. Und dann waren da stets die Fragen nach der Finanzierung, Organisation und dem Raum. Die Lösung für die ersten beiden Hürden kam schließlich durch die bayerische Staatsbibliothek, deren Mitarbeiter anboten, Büchereien auf dem Land mitzubetreuen. Und der Freistaat gewährte eine Anschubfinanzierung unter der Maßgabe, dass sich die Gemeinde mit einem Zuschuss in derselben Höhe beteiligte - was Icking letztlich auch tat. Getragen wird die Einrichtung von Anfang an ausschließlich von ehrenamtlichen Kräften - ebenfalls ein Alleinstellungsmerkmal.

Nur die Suche nach dem Raum hat die Ickinger Kinderbücherei indes nie ganz losgelassen - und wird nun erneut zur Zukunftsfrage. Zu Beginn kam die Bibliothek unter der Schulturnhalle in einem Kellerraum unter, der auch als Jugendraum fungierte. Allerdings musste sich die Bücherei den Raum mit allen möglichen Gruppen teilen - unter anderem tagten dort auch Pfadfinder und es übte eine Tanzgruppe. Als Folge mussten die Medien stets mit schweren Lochplatten, welche die ehrenamtlichen Helfer jedes Mal auf- und abschrauben mussten, abgetrennt werden. Die Grundschule half damals auch dem benachbarten Gymnasium aus und beherbergte eine Klasse interimsmäßig im Gebäude. Als diese wieder ins Gymnasium wechseln konnte, zog die Bücherei in das frei gewordene Zimmer - und nicht nur das mühselige Auf- und Abschrauben der Lochplatten entfiel, auch die Helligkeit des Raumes ließ die Bibliothek in neuem Glanz erstrahlen. Nach der Renovierung der Grundschule erhielt diese sogar einen eigenen Raum mit separatem Ein- und Ausgang. So war es auch leichter möglich, Veranstaltungen durchzuführen, darunter Lesungen mit bekannten Autorinnen und Autoren. Doch auch dieser Platz sollte nicht für immer sein - die Schule beanspruchte den Raum nach einiger Zeit wieder für sich. Die Bücherei konnte allerdings 2014 in das Haus der Kinder einziehen - wo sie bis heute etwa 5000 Medien zu jedem Thema anbietet: Bilderbücher für die Kleinen, Geschichten für Erstklässler in großer Schrift, Lexika, Tierbücher. Auch Mütter leihen dort Lektüre aus: Krimis, Romane, Reiseführer. Der Bestand wächst stetig, der Zuspruch ist ungebrochen.

Nun aber stehen eben erneut Veränderungen und Umbauten an. Nipperdey hofft, dass die Bücherei kein Opfer des aktuellen Raumbedarfs wird, sondern ihr Wert erkannt und in den Planungen berücksichtigt wird.

© SZ vom 17.05.2021
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