bedeckt München 14°

Lokalpolitik:Icking lässt Aussicht verbauen

Der Gemeinderat billigt es mit Mehrheit, dass auf dem privaten Areal zwischen Talberg und Egartsteig Häuser errichtet werden. Details sind auszuhandeln

Von Claudia Koestler, Icking

"Wir können doch nicht ein Verein zur Wahrung von Privatinteressen werden", sagte Vigdis Nipperdey (Ickinger Initiative) jüngst im Ickinger Gemeinderat über einen Antrag, das letzte größere Grundstück innerhalb des Orts zur Bebauung freizugeben. Denn das prominente Areal zwischen Talberg und Egartsteig sei die letzte Freifläche, die, obwohl in privater Hand, als öffentliche Grünfläche wahrgenommen werde und obendrein den Bürgern noch unverbaute Aussicht biete, argumentierte Nipperdey.

Der Diskussion zu Grunde lag ein Antrag des Grundstückseigentümers: Er wollte, dass der Bebauungsplan für das Gebiet "Egartsteig Nord" so erweitert wird, dass vom insgesamt 9488 Quadratmeter großen Grundstück 6333 Quadratmeter als Bauland ausgewiesen werden. Den Rest würde er der Gemeinde zu günstigen Konditionen übereignen. In einer Skizze eines möglichen Bebauungsplans waren auf dem westlichen Grundstücksteil vier Einfamilienhäuser und ein Doppelhaus vorgeschlagen. Allerdings sollte diese Planskizze nur die Möglichkeiten verdeutlichen. Zunächst war nämlich grundsätzlich zu klären, ob die Gemeinde überhaupt einer Bebauung zustimmen würde.

Weil es sich bei der betreffenden Wiese nicht um einen sogenannten Grüngürtel zwischen den Ortsteilen der Gemeinde handelt, erschien der Verwaltung eine Änderung des Flächennutzungsplans möglich. Allerdings sei eine Bebauung nur zulässig, wenn nach Probebohrungen ein schlüssiges Konzept zur Niederschlagswasserbeseitigung für das Areal vorgelegt wird. Ganz grundsätzlich sei der Erwerb der verbleibenden Fläche für die Gemeinde sinnvoll, vor allem wegen der weiteren Planungen für die generelle Niederschlagswasserbeseitigung der Gemeinde.

Seit Jahrzehnten wird dieses Grundstück freigehalten. Dass sich dies nun ändern soll, hat zumindest Vigdis Nipperdey entsetzt.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

"Wenn es eine öffentliche Fläche wäre, die diesem Anspruch auch gerecht wird, und nicht nur, weil da Schüler durchgehen, würde ich Nipperdey Recht geben", sagte Claudia Roederstein (UBI). "Aber das ist nicht der Fall und wird es auch nicht werden", fügte sie an. Sie sah im Erwerb des oberen Drittels des Grundstücks "große Chancen für die Entwicklung und Zukunft von Icking, ob jetzt bezüglich des Regenwassers oder anderer Probleme". Auch sie schätze den Blick ins Isartal, "aber den haben wir auch noch an anderen Stellen, ich sehe hier ein ganz harmonisches Zusammenwachsen", schloss Roderstein. Martin Schlickenrieder (PWG) befand, die Gemeinde könne "nichts Besseres machen, als sich das obere Grundstück zu sichern". Davon ließ sich Nipperdey jedoch nicht überzeugen: "Ich bin wirklich entgeistert, dass hier aufgegeben wird, was jahrelang Maxime war, nämlich langsam und landschaftsschonend zu entwickeln." Der Antrag des Eigentümers sei dessen gutes Recht, "aber müssen wir als Zuständige für die Erhaltung des Ortsbildes Privatinteressen in dieser Weise nachgeben?", fragte Nipperdey. Über Jahrzehnte sei es gelungen, die Wiese zu erhalten, "jetzt wird sie ohne Not geopfert, nur weil die Gemeinde ein Stückchen davon bekommen kann." Das sei aus ihrer Sicht "eine betrübliche Entwicklung".

Bürgermeisterin Margit Menrad (UBI) zeigte Verständnis für Nipperdeys Plädoyer. "Aber wir haben Sachzwänge und brauchen das Grundstück", erklärte sie. Letztlich sprachen sich elf Räte dafür und fünf dagegen aus, dem Vorhaben positiv gegenüberzustehen. Zur Klärung der Frage, ob bei Bebauung die Versickerung des Regenwassers sichergestellt werden kann, sind vom Antragsteller Probebohrungen zu veranlassen und ein Konzept zur Regenwasserbeseitigung vorzulegen. Gegebenenfalls ist auch ein Bebauungsplan für das gesamte Grundstück zu erarbeiten.

Zunächst muss aber auch die Gemeinde ihr Konzept für die Niederschlagswasserbeseitigung erarbeiten. 12 von 16 Räten sprachen sich zudem dafür aus, mit dem Eigentümer Verhandlungen zu führen hinsichtlich des Preises. Auch die Größe der Fläche, die die Gemeinde erwerben könnte, soll nochmals besprochen werden.

© SZ vom 03.02.2015
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema