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Icking:Entsetzen über den Gemeinderat

Ickingerin will notfalls eine Bürgerinitiative gegen die Bebauung der letzten großen Freifläche gründen

Von Claudia Koestler, Icking

Das Vorhaben der Gemeinde Icking, dem Eigentümer zu gestatten, die letzte große Freifläche innerhalb der Ortsgrenze zu bebauen, stößt in der Bevölkerung auf großen Widerstand. Jetzt wollen einige Ickinger eine Bürgerinitiative gründen, um das Ende der Grünfläche zwischen Talberg und Egartsteig mit ihrer Aussicht ins Isartal zu verhindern.

"Mit Entsetzen und mit großen Zweifeln an unserem Gemeinderat und Traurigkeit über die Rücksichtslosigkeit der Bestimmer unserer Gemeinde" hat etwa Katharina von Zitzewitz in der SZ von dem Mehrheitsbeschluss der Ickinger Räte in deren jüngsten Sitzung gelesen. Seither werde das Thema in der Nachbarschaft und in ganzen Ort heiß diskutiert. Der Tenor dabei: "Wie kann es sein, das die Gemeindeverwaltung überhaupt einen Gedanken daran verschwendet, die von allen Bürgern geschätzte und geliebte Aussicht vom Kreisverkehr vor der Grundschule und von unserem Marktplatz aus zu verbauen", fasst von Zitzewitz die Entrüstung zusammen. Sollte im Rat kein Umdenken stattfinden, würde sie mit zahlreichen Gleichdenkenden, mit denen sie in Kontakt stehe, eine Bürgerinitiative für den Erhalt der Wiese gründen, kündigt sie an.

Der Blick in die Berge "bedeutet doch für uns alle Aufatmen, Durchatmen, Innehalten und Genießen", sagt die Ickingerin. Mit "alle" meint von Zitzewitz die rund 840 Gymnasiasten und 150 Grundschüler auf ihrem Schulweg, genauso aber auch die Eltern, die ihre Kinder in die örtlichen Schulen bringen und Spaziergänger, Kirchgänger oder Marktbesucher.

Für sie als Einwohnerin sei es "unverständlich", dass die Gemeinde Icking das letzte Fleckchen ländlichen Charakters, den der Ortskern noch habe, opfern wolle. Nicht nur nähme er damit sich selbst und den Bürgern die Sicht, Icking würde sich dann auch "in die Gesichtslosigkeit anderer Münchner Vororte" einreihen: "Wollen wir, dass unsere Schulkinder sich wie in einer städtischen Schule in Solln oder Harlaching von Häusern und noch mehr Verkehr umzingelt fühlen?", fragt von Zitzewitz.

Die letzte große Freifläche in Icking soll bebaut werden.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Dabei sei doch das genaue Gegenteil der Grund für viele, nach Icking zu ziehen: Sie suchten eine ländliche Gemeinde mit Schulen im Grünen. In den Köpfen der Bürger sei gerade und besonders dieses Areal zwischen Schulen und Freifläche als Kern der Gemeinde verankert, das untermauere auch die Tatsache, dass der wöchentliche Markt hier stattfindet.

Für sie ist es folglich nicht nachvollziehbar, dass die Mehrheit der Räte die Erhaltung dieses wertvollen ländlichen Charakters aufs Spiel setzen, "nur weil plötzlich die Möglichkeit besteht, im Gegenzug günstig an Land zu kommen", sagt Zitzewitz. Damit spielt sie auf die Möglichkeit an, dass von dem insgesamt 9488 Quadratmeter großen Grundstück nur 6333 Quadratmeter als Bauland ausgewiesen werden. Den Rest würde der Eigentümer der Gemeinde zu günstigen Konditionen übereignen, Details sollen aber noch verhandelt werden. Doch wenn in der Gemeinde immer mehr verdichtet würde, "dann wird es an dieser Stelle auch mit dem Verkehr richtig problematisch", glaubt von Zitzewitz.

Natürlich habe der Besitzer der Wiese, ein Landwirt, ein berechtigtes Interesse daran, das für ihn nur schwer nutzbare Stück Land zu veräußern, sagt von Zitzewitz. Für sie wäre der Königsweg aber, dass die Gemeinde die gesamte Fläche erwerbe und unbebaut lasse.

Untätig zuschauen will Zitzewitz jedenfalls nicht: "Es hängt von der Gemeinde ab, wie es weitergeht, ob eine Bürgerinitiative nötig wird". Zunächst wollen sie und ihre Mitstreiter aber noch das Gespräch mit den Räten suchen.

© SZ vom 10.02.2015
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