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Icking:Eine Grüne ist die erste Bürgermeister-Kandidatin

Die 42-jährige Unternehmerin Laura von Beckerath-Leismüller ist über die Bürgerinitiative Verkehrssicherheit in die Politik gekommen.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Der neue Ortsverband hat Laura von Beckerath-Leismüller für die Kommunalwahl nominiert. Auch Schauspieler Daniel Friedrich auf der Liste.

Die Hochstimmung bei den Ickinger Grünen hält unvermindert an. Gerade einmal fünf Monate ist es her, dass sie eine eigene Ortsgruppe mit mittlerweile 17 Mitgliedern gegründet und die Losung "Icking 2030" ausgegeben haben. Nun streben die Grünen nach dem nächsten Ziel: Mit Laura von Beckerath-Leismüller stellen sie erstmals eine Bürgermeisterkandidatin für die Kommunalwahl. Damit läuten sie den Wahlkampf in der Isartalgemeinde ein, denn aus den Reihen der übrigen Fraktionen hat sich noch kein weiterer Bewerber an die Öffentlichkeit gewagt.

Beckerath-Leismüller, die Schriftführerin der jungen Ortsgruppe, stand ohne Herausforderer bei der Nominierungsversammlung am Montag zur Wahl, die bis auf eine Enthaltung einstimmig ausfiel. Die 42-jährige Unternehmerin, die nach eigenen Worten seit jeher grün wählt, ist ein kommunalpolitischer Neuling, warf ihren Hut aber engagiert in den Ring. Ihr Erweckungserlebnis hatte sie als Gründungsmitglied der örtlichen Bürgerinitiative Verkehrssicherheit. Dort sei einiges erreicht worden, "aber mit zähem Kampf". Beckerath-Leismüller sieht große Defizite in der Bürgerbeteiligung. "Es gibt einige Themen, die brachliegen", erklärte sie zur Zukunft der Isartalgemeinde. Die Bürger mehr als bisher mit einzubeziehen sei deshalb ihr "Top-Thema". Trotz der "vielen Ideen", die sie für Icking habe, skizzierte sie für ihren Wahlkampf noch wenige konkrete Inhalte. Dabei ging es recht vage um die Reduzierung des Individualverkehrs, die mögliche CO₂-Freiheit bis 2030 und moderne Arbeitsplatzmodelle wie die Einrichtung von "Co-Working-Spaces" für Handwerker und Kleingewerbe. Ihr Programm will sie in den kommenden Monaten ausarbeiten. Um die künftige Ortspolitik zu gestalten, setzt sie vor allem auf Netzwerken. "Das Know-How hier in Icking ist riesig", sagte sie und kündigte an, Top-Manager, Landwirte und Schüler an einen Tisch bringen zu wollen.

Davor hatte sich die Spitzenkandidatin den Anwesenden erst einmal vorgestellt. Beckerath-Leismüller ist in Icking aufgewachsen und weist einen umtriebigen beruflichen Lebenslauf auf. Nach dem Abitur und einem Aufenthalt in England absolvierte sie eine kaufmännische Ausbildung in Köln und arbeitete im Veranstaltungsmanagement. Mit 26 Jahren fing sie an, Betriebswirtschaft zu studieren, anschließend gründete sie mit einer Catering-Firma ihr erstes kleines Unternehmen, machte aber auch Erfahrung als Hoteldirektorin. Vor sechs Jahren kehrte sie mit ihrem Mann und den beiden jetzt achtjährigen Zwillingssöhnen in ihren Heimatort zurück, um von Icking aus ihre Firma für Gebäudemanagement mit 20 Mitarbeitern zu leiten.

Auf die Spitzenkandidatin folgen fünf weitere aussichtsreiche Listenplätze. Philipp Geiger, 50, Unternehmenberater, Sabrina Stör, 35, Lehrerin, Jörg Überla, 51, Unternehmer und Jovanna von Beckerath, 40, Referentin, wollen mit Themen wie Familienpolitik, Ortsmitte, Energie- und Verkehrswende Sitze im Gemeinderat erobern. Schauspieler Daniel Friedrich, 70, auf Platz sechs, malte mit einem "Klaus-Doldinger-Haus" als eine Art Multikulti-Begegnungsstätte große Visionen für die Zukunft. Mit Gabriel von Baumüller stellen die Grünen bislang einen Gemeinderat in Icking. Wenn es nach ihm geht, wird er jedoch in der kommenden Wahlperiode nicht mehr dabei sein. Baumüller, der das Feld den Jüngeren überlassen will, ließ sich auf den letzten Listenplatz setzen.

Der Wunsch nach einer politischen Verjüngung im Gemeinderat war bei der Versammlung unüberhörbar. Dafür forderte der Ortsvorsitzende Michael Prosinger die aktive Beteiligung aller Mitglieder am Wahlkampf ein. Prosinger räumt Beckerath-Leismüller gute Chancen auf den Sessel der Bürgermeisterin ein, die für die kommende Amtszeit nicht mehr kandidiert. Die Situation sei ganz anders als bei der letzten Wahl, als es neben Margit Menrad "nur ein paar Ersatzkandidaten" gegeben habe. "Laura ist unsere Spitzenfrau, das kann ohne Weiteres etwas werden", erklärte er.