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Icking:Die Wiese soll nicht Wiese bleiben

Viele Ickinger sehen in der Freifläche einen Dorfanger, doch die Wiese ist Privatbesitz von Stephan und Lisa Huber.

(Foto: Pöstges)

Nach dem Bürgerentscheid hält sich Grundstückseigentümer Stephan Huber alle Optionen offen - auch eine Klage gegen die Gemeinde Icking.

Nicht er habe verloren, "sondern die Gemeinde Icking", erklärt Stephan Huber, Eigentümer des Grundstücks zwischen Talberg und Egartsteig ("Huberwiese") zum Ergebnis des Bürgerentscheids am Sonntag. Keine Änderung des Flächennutzungsplanes, keine weitere Bebauung auf der Wiese: Das ist erklärter Wille der Isartalgemeinde. Mit 774 zu 655 Stimmen hatten die Befürworter der Freihaltung am Sonntag die Mehrheit errungen.

Doch derjenige, den die Entscheidung am meisten betrifft, nämlich der Eigentümer der umstrittenen Fläche in der Ortsmitte, sieht im Ergebnis des Bürgerentscheids vor allem eine Niederlage für die Gemeinde. "Denn die Zeiten werden nicht stillstehen", sagt der Landwirt. "Die Gemeinde wird in Zukunft Pflichtaufgaben zu erfüllen haben, und da bin ich gespannt, wo die dann erfüllt und gestemmt werden sollen."

Dass Einwohner einer Kommune über eine Privatangelegenheit, sprich ein privates Grundstück entscheiden können, das empfindet Huber nach wie vor als "grotesk". Das eigentliche Ergebnis des Ickinger Bürgerentscheids habe ihn hingegen weniger überrascht: Huber und seine Familie hätten bereits damit gerechnet, dass die Gegner der Bebauung eine Mehrheit erringen könnten, seit bekannt wurde, dass es dazu einen Bürgerentscheid geben werde. Denn aus seiner Sicht gingen die meisten Bürgerentscheide eher zugunsten der Antragsteller aus. Huber war bei der Verkündung des Ergebnisses nicht persönlich im Rathaus, sondern erhielt die Nachricht von seiner Schwester, als er gerade der Feldarbeit nachging. Überrascht habe ihn allerdings, dass die Entscheidung mit gerade einmal 119 Stimmen Unterschied so eng ausfiel und die Wahlbeteiligung knapp unter 50 Prozent lag.

Wie er und seine Familie nun in der Causa Huberwiese weiter verfahren werden, ob er zum Beispiel gegen die Gemeinde klagen wird, wenn diese nun seinen Antrag auf Änderung des Bebauungsplans ablehnt, diese Möglichkeiten werde er in den kommenden Wochen sondieren, sagt er. Sicher sei allerdings, "dass die Wiese nicht Wiese bleiben wird", erklärt der Eigentümer. Definitiv nicht infrage komme für ihn auch, das gesamte Areal nun an die Gemeinde oder an die Bürgerinitiative zu verkaufen. Denn, so hatte er bereits vor dem Entscheid betont, die Fläche diene der Absicherung der Familie und der kommenden Generationen.

Die Gemeinde Icking hingegen wird auch in Zukunft auf Zusammenarbeit mit Familie Huber angewiesen sein. Allein bei der Frage, wie Icking künftig die Problematik der Regenwasserentwässerung in den Griff kriegen will, dürften nämlich wiederum Flächen der Familie Huber ins Gespräch kommen. Sich in irgendeiner Weise festlegen, was mögliche künftige Grundstücksverhandlungen angeht, das will Huber nach der Erfahrung mit der Wiese am Talberg nicht. Er will lieber sehen, was die Zukunft bringt. "Ich kann abwarten", schließt er.

Die Mitglieder der Bürgerinitiative "Unser Icking" dankten ihrerseits auch den Gegnern des Bürgerbegehrens "für die am Ende faire und sachliche Auseinandersetzung". Denn vorab hatte das Thema tiefe Risse in der Gemeinde hinterlassen. Viele sahen in der Zukunft der Wiese Beispielhaftes: für dem Umgang mit Flächennutzungsplänen im Allgemeinen und mit Freiflächen im Besonderen in einer Gemeinde mit großem Zuzugsdruck.