Icking:"Besondere Umweltsünde"

Lesezeit: 2 min

Ickinger schreiben offene Briefe gegen geplanten Funkmast

Von Claudia Koestler, Icking

Der geplante neue Mobilfunkmast in Icking sorgt weiterhin für Unruhe. Auch, weil sich noch nicht alle der direkt vom Standort Betroffenen geäußert haben. Ende September hatte sich der Gemeinderat dafür ausgesprochen, dem Telekommunikationsunternehmen Vodafone für den Bau eines Masts ein Areal am Sportplatz zur Verfügung zu stellen. Während der Tennisclub bereits zugesichert haben soll, dem Votum des Gemeinderats folgen zu wollen, steht die Abstimmung der Mitglieder des Wintersportverein Icking (WSVI) noch aus.

Nun haben zwei Einwohner der Isartalgemeinde voneinander unabhängig offene Briefe verfasst, in denen sie jeweils für ein Überdenken des Standortes werben: Gerhard Jakobi verweist in seinem Schreiben an den WSVI auf "diese einmalig schöne Sportanlage an so einem außergewöhnlichen Platz". Einen über 35 bis 40 Meter hohen Mast "mit dem Fundament von der Größe eines Einfamilienhauses und mit einem unansehnlichen Betriebsgebäude innerhalb unserer Anlage zu platzieren, kann ich nur noch als - amtlich mitgetragenen - Vandalismus bezeichnen." Für ihn sei unerträglich, dass ein weniger auffälliger Standort hinter der Sportanlage von Vodafone abgelehnt worden ist. Er ruft die Vereinsmitglieder deshalb dazu auf, den Mast abzulehnen und sich auf die Verantwortung für das Sportgelände und die umgebende Natur zu besinnen: "Nur wir können diese 'besondere Umweltsünde' noch verhindern." Wann allerdings abgestimmt wird, ist ungewiss: Ein Termin musste bereits verschoben werden, weil die Corona-Zahlen eine Präsenzveranstaltung des über 900 Mitglieder starken Vereins nicht zuließen. Laut Vorsitzendem Thomas Scheifl ist ein Nachholtermin grob für Ende November anvisiert, jedoch coronabedingt noch nicht fix terminiert. Eine Briefwahl sei zwar satzungstechnisch möglich, aber nicht sinnvoll: "Für ein gültiges Ergebnis brauchen wir die Stimmen von mindestens 50 Prozent der Mitglieder, und die sind weit verstreut, die weitesten leben in Südafrika. Dass wir da auf über 50 Prozent Beteiligung kommen, ist unwahrscheinlich." Auch wenn Scheifl einem möglichen Ergebnis nicht vorgreifen will und die Neutralität des Vorstandes betont: Eine frühere schriftliche Befragung der Mitglieder habe eine Tendenz eher pro Mast ergeben.

Michael Welle vom Arbeitskreis "Schutz vor Elektrosmog" hingegen kritisiert in seinem Schreiben an Bürgermeisterin Verena Reithmann (UBI), den Gemeinderat und die Sportvereine, dass Icking bis heute kein in sich schlüssiges und zukunftsweisendes Mobilfunkkonzept habe, ein Antrag des Arbeitskreises auf ein solches sei ohne Diskussion abgelehnt worden. Mit dem Vodafone-Mast nehme "die Zerstörung des wunderbaren Isartals und eine dramatische Veränderung des Orts- und Landschaftsbildes" ihren Anfang, befürchtet Welle. Er fordert deshalb eine "verträgliche und zukunftsorientierte Lösung", gemeinsam gestaltet mit allen Bürgern in der Gemeinde.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB