Start-UpBio-Hummus, aber bayerisch

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Gründerin Natallia Spengler (links) begutachtet mit einer ihrer Mitarbeiterinnen die Produkte von Legomo in Geretsried.
Gründerin Natallia Spengler (links) begutachtet mit einer ihrer Mitarbeiterinnen die Produkte von Legomo in Geretsried. Harry Wolfsbauer

Das Geretsrieder Unternehmen „Legomo“ möchte das Kichererbsen-Mus in der heimischen Küche etablieren und setzt dabei auf regionalen Anbau.

Von Tim Jost, Geretsried

Hummus ist hauptsächlich als Spezialität aus der arabischen Welt bekannt. Mittlerweile ist es aber auch in Deutschland beliebt. Nun hat es sich das Geretsrieder Unternehmen „Legomo“ zur Aufgabe gemacht, die Paste aus Kichererbsen in Bayern populärer zu machen. Dabei wolle man nach eigenen Angaben nicht einfach den orientalischen Geschmack des Produktes kopieren, sondern einen eigenen, bayerischen Weg gehen. Natallia Spengler hat die Firma 2021 gegründet und möchte vor allem den nachhaltigen Bio-Anbau fördern. „Wir wollen die einheimische Küche bereichern mit Produkten, die bei uns in der Region angebaut werden“, sagt sie.

Angefangen hat alles in kleinem Umfang und reiner Handarbeit. Mittlerweile hat man sich einige Maschinen zur Unterstützung beschafft. Gemeinsam mit ihrem Mann und zwei weiteren Mitarbeitenden stellt die Unternehmerin in überschaubaren Räumlichkeiten die Speisen her. Neben Hummus in den Geschmacksrichtungen Natur, Paprika und Grillgemüse werden auch Falafelteig, „Pulled Chick Peas“ und verschiedene Soßen angeboten. Die Preise für den Hummus liegen zwischen 2,99 Euro und 3,49 Euro für jeweils 170 Gramm.

"Liebe Dein Gemüse" steht auf der Packung Hummus, die auch das Bio-Siegel ziert.
"Liebe Dein Gemüse" steht auf der Packung Hummus, die auch das Bio-Siegel ziert. Harry Wolfsbauer

Am Anfang sei es schwierig gewesen, in der Lebensmittelindustrie Fuß zu fassen, sagt Spengler. Besonders hohe Hygieneauflagen und strenge Regelungen hätten den Prozess der Produktentwicklung deutlich verlangsamt. Zu Beginn sei es auch eine Herausforderung gewesen, Abnehmer für ihre Produkte zu finden, berichtet Spengler. Mittlerweile habe man sich aber in der Szene etabliert und beliefere etwa 25 Lebensmittelläden direkt, darunter Bio-Märkte, sowie Filialen von Edeka und Rewe. Außerdem beliefere das Unternehmen auch Catering-Firmen und einige Gastronomiebetriebe. Auch einen Online-Shop hat Legomo inzwischen eingerichtet. So habe man bis zu 5000 Packungen Hummus pro Monat verkaufen können, sagt Spengler. Derlei Statistik sei aber zweitrangig, betont sie: „Wir messen uns nicht an der Anzahl der verkauften Becher, sondern an einem guten Konzept für unsere Produkte.“

Stolz auf das Bio-Siegel

Die Kichererbsen bezieht Legomo von einem Landwirt aus Landsberg am Lech. Normalerweise werden die Hülsenfrüchte im mediterranen und arabischen Raum angebaut, in Deutschland sind sie noch eher unüblich. Für die 37-Jährige ist der Bezug von bayerischen Zutaten aber aus Gründen der Nachhaltigkeit besonders wichtig. „Wir wollen auch andere Unternehmen dazu motivieren, mehr auf regionale Produkte zu setzen“, sagt Spengler. Sie verwende für die Produktion auch Kichererbsen, die aufgrund ihrer Optik normalerweise aussortiert werden, qualitativ aber einwandfrei seien. Damit wolle man der heutigen Wegwerfgesellschaft entgegenwirken.

Eine Auszeichnung für seine Qualität hat in diesem Jahr der Falafelteig von Legomo erhalten: Die Landesvereinigung für den ökologischen Landbau (LVÖ) prämierte ihn als eines von „Bayerns besten Bio-Produkten“. Das gesamte Sortiment wurde mit einem Bio-Zertifikat versehen: „Wir sind sehr stolz darauf, dass wir das bayerische Bio-Siegel erhalten haben“, sagt Spengler. Weil dafür nachgewiesen werden müsse, dass alle Zutaten aus biologischen Anbau in Bayern stammen, sei das nicht einfach. Ihr sei auch wichtig, dass dem Hummus so wenige Zusatz- und Konservierungsstoffen wie möglich zugesetzt werden. Um trotzdem eine lange Haltbarkeit zu garantieren, setzt Legomo im „HPP-Verfahren“ den Hummus einem Druck von 6000 Bar aus. Dadurch bleibe das Kichererbsen-Mus auch ohne Chemiekalien lange frisch, so Spengler.

Natallia Spengler ist Quereinsteigerin und startete erst 2021 in der Lebensmittelbranche.
Natallia Spengler ist Quereinsteigerin und startete erst 2021 in der Lebensmittelbranche. Harry Wolfsbauer

Die Gründerin ist erst seit dem Beginn ihres Jurastudiums in Deutschland, ursprünglich stammt die 37-Jährige aus Belarus. 2021 entschloss sie sich dazu, als Quereinsteigerin in der Lebensmittelbranche durchzustarten. Sie sei froh darüber, dass sie den Hummus in ihrem Heimatort Geretsried produzieren könne, von der Zubereitung bis zur Verpackung. Hier fühle ihre Familie sich heimisch, ihre Kinder seien in nur fünf Minuten Fahrtweg zu erreichen, sagt die vierfache Mutter.

Der Wunsch, den Menschen mehr Freude am Essen und an der Zubereitung zu geben, habe sie dazu gebracht, die Firma zu gründen. Ihre Produkte seien perfekt zum Teilen geeignet und schmeckten am besten in Kombination mit Gemüse. So leitet sich auch der Name des Unternehmens ab: Legomo heißt in der Plansprache Esperanto Gemüse. Doch aus Kichererbsen können nicht nur Hummus und Falafel hergestellt werden, sondern auch süße Desserts. So bietet die Firma auch ein Schokoladen-Mousse an. Durch Agavendicksaft, Kakao und Mandeln wird der etwas erdige Geschmack der Kichererbsen kompensiert.

Spengler will mit ihrem Unternehmen in den kommenden Jahren expandieren. Das könnte einen Standortwechsel mit sich führen. Ihr ist es aber wichtig, in der Region zu bleiben, da man weiterhin mit den Landwirten vor Ort zusammen arbeiten möchte. Vielleicht wächst die Kichererbse ja schon bald im ganzen Freistaat.

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