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"Holzhauser stellen aus":Künstler in lustiger Stimmung

Peter Schoierer stellt auch dieses Werk aus, für das er eine echte Louis-Vuitton-Tasche zerschnitt und sie zu den Buchstaben verarbeitete.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Peter Schoierer ist zum ersten Mal bei der Schau in Münsing dabei. Am Wochenende geben auch kreative Handwerker, Therapeuten und Designer Einblick in ihre Arbeit

Zu seinem Schaffen hat Peter Schoierer eine pragmatische Einstellung. "Ein Werk gefällt oder nicht - so einfach ist das mit der Kunst", sagt der Endvierziger und Neu-Holzhauser. Der künstlerische Autodidakt ist seinen eigenen Worten nach noch mitten in der Experimentierphase. Der verbindende rote Faden fehlt.

So finden sich auf seinen Bildern - meist in Acrylfarben auf Leinwand - die unterschiedlichsten Motive. Sie zeigen Bergansichten aus dem Flugzeug oder vom Fenster aus - mit den Bergen verbindet Schoierer Natur- und Freiheitserfahrungen. Eine südfranzösische Küstenlandschaft im Comic-Stil ist genauso zu sehen wie Objektkunst. Und dazwischen lugt immer wieder die Gams in jener vom Maler Alfons Walde für Kitzbühel ikonografisch geschaffenen Form hervor. Einmal zeigt sich das Tier als Sternenbild oder im auf Österreich uminterpretierten American-Flag-Bild frei nach Jasper Johns.

Unter dem Künstlernamen Peter Scho hat der gebürtige Münchner bereits in der Landeshauptstadt und in Kitzbühel ausgestellt, wo er selbst einige Jahre lebte. Und am kommenden Wochenende, Samstag und Sonntag, 22. und 23. Juli, wird er seine Werkstatträume in der St.-Heinricher-Straße 3b mitten in seinem neuen Wohnort am Ostufer des Starnberger Sees für Besucher öffnen. An den beiden Tagen heißt es in dem kleinen Dorf wieder "Holzhauser stellen aus". Unter diesem Motto geben kreative Handwerker, Therapeuten und Designer jeweils zwischen 11 und 18 Uhr Einblick in ihre Arbeit. Fahnen im leuchtendem Orange weisen den Weg - zum bereits siebten Mal bei der im Zwei-Jahres-Rhythmus von den Dorfbewohnern selbst organisierten Ausstellung.

Nur vom Durchfahren hatte Peter Scho Holzhausen vor dem Umzug aus München mit Frau und kleinem Kind im September vor einem Jahr gekannt. Von der versteckten Kreativität im Dorf hatte er noch nie etwas mitbekommen. Zu Jahresbeginn lag plötzlich ein Rundschreiben zu "Holzhauser stellen aus" in seinem Briefkasten, Treffpunkt abends in der Feuerwehrstube. "Im Januar wird es schnell dunkel. Auf der Straße habe ich keinen Menschen gesehen. Im Feuerwehrhaus brannte aber Licht. Da waren 30 bis 40 Leute zusammen in lustiger Stimmung." So beschreibt Scho seine erste Begegnung mit den kreativen Ausstellungsmachern.

Eine politische Aussage verbindet er mit seiner Kunst nicht. Und doch kann sein Werk auch äußerst konsumkritisch sein: 1,40 Meter mal 1,14 Meter misst die vergoldete Holzoberfläche, von der die in Großbuchstaben aus Kunstleder aufgebrachte Botschaft förmlich ins Auge des Betrachters einbrennt. "Why to buy things you don't need to impress people you don't like with money you don't have" steht dort. Das ist für sich allein schon starker, plakativer Tobak. Doch der Clou an der Sache ist: Peter Scho hat die Holzbuchstaben mit dem Leder einer originalen Louis-Vuitton-Handtasche überzogen. Das Logo ist bei genauerem Hinsehen deutlich zu erkennen. Vor rund 20 Jahren hatte Scho schon angefangen, erste Bilder für Freunde als Geschenk zu besonderen Anlässen zu malen. Doch nach einem Marketing-Studium in München landete er zunächst in der Werbebranche. Als Creative Director entwickelte er Ideen zu Kampagnen für Unternehmen in der Automobil-, der Mode- und Pharmabranche. "Das war mir zu wenig", begründet er den Schritt zu mehr künstlerischer Eigenständigkeit. Doch weil er von der Kunst allein nicht leben kann, betreibt Scho gemeinsam mit seiner Frau ein Büro für Personaldienstleistungen. Jetzt freut sich der Künstler erst einmal auf die Holzhauser Dorfausstellung. "Das wird bestimmt spannend", sagt er.

Samstag und Sonntag, 22. und 23. Juli, jeweils 11 bis 18 Uhr; Ausstellung im ganzen Dorf Holzhausen vom Lichtdesigner, Polsterer bis zur Modemacherin, Kasperltheater und Weinverkostung, Informationen unter www.holzhauser-stellen-aus.de

© SZ vom 21.07.2017
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