Gastronomie in Bad Tölz:Ein bisschen Großstadtflair im Kurort

Gastronomie in Bad Tölz: Das "Höfler's 5" ist nicht nur Bio-Restaurant, sondern auch Familienunternehmen (von links): Schwiegermutter Sylvia Abdo, Betreiber Khaled Abdo, die Töchter Medina und Lamya und Betreiberin Bianca Abdo.

Das "Höfler's 5" ist nicht nur Bio-Restaurant, sondern auch Familienunternehmen (von links): Schwiegermutter Sylvia Abdo, Betreiber Khaled Abdo, die Töchter Medina und Lamya und Betreiberin Bianca Abdo.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Vor fünf Jahren sind Khaled und Bianca Abdo aus Berlin nach Bad Tölz gezogen. Im Badeteil haben sie vor Kurzem das Bistro "Höfler's 5" eröffnet. Dort gibt es Pizza aus Dinkelmehl und regional gerösteten Kaffee. Wer gesiezt werden will, ist fehl am Platz.

Von Veronica Bezold

"Ich glaube, wir werden die Tölzer verändern", sagt Khaled Abdo, während er an einem schwarzen Kaffee nippt. Zubereitet hat ihn seine Frau Bianca. Zusammen mit ihr ist Abdo vor fünf Jahren aus Berlin nach Tölz gezogen. In der Hauptstadt hat sich die 29-Jährige, die dort in einer Anwaltskanzlei gearbeitet hatte, nämlich nie wohl gefühlt - zu schmutzig, zu voll, zu anonym. "Hier wohnt man stattdessen wie im Urlaub", sagt ihr Ehemann über Bad Tölz. Jetzt seien sie endlich angekommen. In Tölz hat das Paar die Kinder Medina, vier Jahre alt, und Lamiya, ein Jahr alt, bekommen und im Badeteil ein eigenes Restaurant eröffnet: das "Höfler's 5".

Das Konzept des mediterranen Bistros am Max-Höfler-Platz 5 dürfte für einige Menschen in dem oberbayerischen Kurort noch etwas ungewohnt sein: Die Speisen sollen möglichst aus Dinkelmehl sein, bio, gesund und regional. Die Karte reicht von Pizza bis Käsekuchen. "Man weiß, was drin steckt", sagt Bianca Abdo. Das Paar will ein Bewusstsein für gesunde Ernährung schaffen - eigentlich eher typisch für hippe Großstadtläden. "Wir verkaufen nur Produkte, die wir selber wirklich gut finden", sind die Betreiber sich einig. Was ihnen nicht schmecke, komme nicht auf den Tisch, genau wie Fertigprodukte oder Tiefgefrorenes - alles im Höfler's 5 soll hausgemacht sein. Allerdings hat jeder der beiden sein ganz eigenes Lieblingsprodukt: "Bei mir ist es der Kaffee, bei Khaled der Wein", sagt Bianca Abdo. Die angebotenen Kaffeesorten, aus denen die Kunden selbst an der Theke wählen können, werden in Murnau, Irschenberg oder Sauerlach geröstet, regional eben. Dass es im Höfler's 5 außerdem eine hervorragende Auswahl an Weinen gebe, habe sich bereits herumgesprochen, meint Khaled Abdo.

Doch bis zur Eröffnung im vergangenen Mai war es ein langer Weg. Schon 2019, erzählen die Abdos, hätten sie das Gebäude nach langem Überlegen zum ersten Mal besichtigt. "Uns war es wichtig, einen Standort zu finden, wo die Leute für unser Angebot offen sind", so der Betreiber. Aufgrund der umliegenden Biomärkte vermutete er zumindest ein gewisses Interesse der Tölzer an einem Bio-Restaurant - ein harter Kontrast zur ehemaligen Eisdiele in dem Gebäude am Max-Höfler-Platz. Doch erst nach dem Corona-Lockdown Anfang 2020 unterschrieb das Paar im Juni desselben Jahres den Mietvertrag, nicht ahnend, dass bald schon die nächste Corona-Welle folgen würde. "Wir haben also beschlossen, doch alles selbst umzubauen und das ganze Geld in die Miete zu investieren", erinnert sich Khaled Abdo an den zweiten Lockdown. Die gesamte Einrichtung hätten er und seine Frau deshalb selbst ausgewählt und gestaltet, vom Streichen über den Einbau der Küchengeräte bis hin zum Fliesen der Wände. Das sei nicht immer einfach gewesen, aber mit der Hilfe von Freunden und viel Schweiß habe letztendlich alles geklappt. "Ich bin jetzt eben auch Fliesenleger", scherzt Abdo über die Anstrengungen. Sogar ein echter Olivenbaum steht im Innenbereich des Restaurants. Dieses mediterrane Flair ist den Betreibern wichtig: "Man soll sich hier wie im Urlaub fühlen."

Gastronomie in Bad Tölz: Den urban wirkenden Gastraum hat das Wirtspaar selbst umgebaut und gestaltet.

Den urban wirkenden Gastraum hat das Wirtspaar selbst umgebaut und gestaltet.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Der Fokus auf gesunde und nachhaltige Ernährung ist laut Khaled Abdo definitiv seinem beruflichen Werdegang geschuldet. Der gelernte Fitness- und Ernährungstrainer hat in Berlin im Profi-Fußball-Bereich sowie in verschiedenen Gastronomiebetrieben gearbeitet, er hat ein eigenes Restaurant und zwei Lieferservices geführt. "Ich will auch weiterhin im Sport arbeiten." Sich zwischen der Gastronomie und dem Fußball entscheiden könne und wolle er nicht, sagt der 41-Jährige.

Die Tölzer hätten die junge Familie und ihr Bistro sehr gut aufgenommen. "Wir sind hier einfach wir", sagt Bianca Abdo hinter der Theke ihres Restaurants und lächelt. Das Feedback der Kunden sei bisher "sehr, sehr positiv" gewesen. "Wir haben jetzt schon Stammkunden, mit denen wir jeden Tag Witze machen", erzählt ihr Ehemann. Im Höfler's 5 sei jeder willkommen - egal ob Jung oder Alt, mit Familie oder allein. Wichtig ist den Betreibern auch, dass sich jeder den Besuch bei ihnen leisten kann. Die Preise in ihrem Bistro unterscheiden sich deshalb kaum von denen der weniger nachhaltigen und gesunden Konkurrenz. Auch Weinliebhaber und Touristen fänden inzwischen ihren Weg in den Laden, erzählt Khaled Abdo. Sogar andere Gastronomen aus der Region hätten schon vorbeigeschaut und seien "begeistert" von Ambiente und Speisen gewesen.

Trotzdem steckt das Paar noch voll neuer Ideen. "Wir wollen eine Frühstückskarte erstellen", erzählt Bianca Abdo. Gäste sollen dann zwischen mehreren Menüs, inspiriert von den verschiedensten Regionen der Welt, wählen können: zum Beispiel Orientalisch, Französisch und Italienisch. Deshalb probiert sich die Betreiberin aktuell an verschiedenen Rezepten für Croissants aus Dinkelmehl aus. Auch ein typisch bayerisches "Bio-Weißwurscht-Frühstück" schließen die Betreiber nicht aus. "Wir sind da einfach nicht so festgefahren", sagt Khaled Abdo. Eines seiner Ziele sei es auch, den Tölzern mit seinem Restaurant ein bisschen mehr "Lockerheit" zu bringen - an der mangele es hier nämlich noch einigen. "Wenn du mit 'Sie' angesprochen werden und von weißen Tischdecken essen willst, dann bist du bei uns falsch." Familiär solle es schließlich im Höfler's 5 sein.

Gastronomie in Bad Tölz: Der Name des Bistros bezieht sich auf den Standort am Tölzer Max-Höfler-Platz 5.

Der Name des Bistros bezieht sich auf den Standort am Tölzer Max-Höfler-Platz 5.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Angst vor einer nächsten Corona-Welle haben die Abdos nicht. "Irgendwie würden wir das schon hinkriegen, so wie alles", sagt Khaled Abdo zuversichtlich. Neuen Kunden empfiehlt er: "Probieren Sie auf jeden Fall die Pizza!" Der Liebling der Gäste unter den vielen angebotenen Teigsorten sei die aus hellem Dinkelmehl. Das mache die großen Pizzen besonders knusprig.

© SZ vom 15.09.2021/aip
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