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Historie im Stadtbild:Straßennamen werden erklärt

Der im Vorjahr eingeweihte Michael-Deschermeier-Weg bekam ein erklärendes Zusatzschild.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Bad Tölz gibt 26 000 Euro für 192 neue Zusatzschilder aus

Einige Straßen, Promenaden und Wege in Bad Tölz haben nicht nur das obligatorische Schild, sondern darunter auch noch eine kleine Erklärtafel für den Namen, den sie tragen. Erst im Vorjahr wurden solche Zusatzschilder angebracht, als ein Teil der Isarpromenade nach dem ehemaligen Bürgermeister und Anti-Nazi Anton Holzner umbenannt wurde, oder der Fußweg gegenüber vom Kapellengasteig nach dem Sozialdemokraten und Nazi-Gegner Michael Deschermeier. Diese Form der Information soll nun auf das gesamte Stadtgebiet ausgedehnt werden. Die Stadträte stellten in der jüngsten Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses dafür 26 000 Euro zur Verfügung. Gegenstimmen gab es nicht.

Für 192 Straßennamen soll es neue Texte geben. Sie wurden von einer Arbeitsgruppe verfasst, zu der Mitglieder des Historischen Vereins für das bayerische Oberland in Bad Tölz, die beiden Stadtarchivare Sebastian Lindmeyr und Manuela Strunz, sowie Stadtbaumeister Florian Ernst gehören. Die Koordination für das Projekt oblag dem Dritten Bürgermeister Christof Botzenhart (CSU), der auch zweiter Vorsitzender des Historischen Vereins ist. In Tölz gebe es in einer Reihe von Straßen schon Zusatzschilder, sagte Botzenhart. Aber die Texte seien "nicht so optimal formuliert", die Tafeln auch "nicht einheitlich gestaltet". Hinzu kämen all jene Straßen, die bloß das Schild mit dem Namen hätten, auf denen "aber nichts erklärt ist". Mittlerweile seien die neuen Texte für 192 Tafeln geschrieben, ausgenommen habe man Straßen, die nach Blumen, Bergen oder Bäumen benannt sind, teilte Botzenhart mit. Die Frage von Willi Streicher (SPD), ob bestehende Zusatzschilder ein neues Design erhielten, bejahte der Projektleiter. Das wurde eigens von einer Firma entworfen.

Nach Ansicht von Peter Wiedemann (FWG) dürften 26 000 Euro nicht ausreichen. Die Kosten für die Installation kämen noch oben drauf, meinte er. Das Projekt sei interessant, aber "ob man da aus dem Vollen schöpfen muss, stelle ich zur Diskussion". Das sei eine politische Entscheidung, erwiderte Botzenhart. Die Stadträte im Haupt- und Finanzausschuss müssten für sich klären, welche Wertigkeit sie diesem Thema gäben: "Bildet man damit einen großen Teil der Stadtgeschichte hab, oder ist es nur 'nice to have'?" Die Arbeitsgruppe hat sich ihrem Koordinator zufolge jedenfalls viel Mühe gegeben. "Wir haben wirklich jeden Straßennamen im Archiv nachrecherchiert."

Andere hatten mit den Kosten für das Projekt keinerlei Problem. Sie finde es "sehr charmant gemacht", sagte Margot Kirste (FWG). Dies könne dazu beitragen, dass einzelne Stadtviertel attraktiver werden. Bürgermeister Josef Janker (CSU) bezeichnete Design und Texte als "sehr gut gelungen". Und Stadtrat Streicher verwies darauf, dass die Zusatzschilder ein Teil der Identität von Bad Tölz seien. "Sie werden selbst für eingefleischte Tölzer interessant sein."

© SZ vom 14.02.2020
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