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Dietramszell und die umstrittene Hindenburgbüste:Marsch, Marsch ins Museum

Das Konterfei des ehemaligen Reichspräsidenten könnte nach Regensburg kommen. Entscheiden mag das aber keiner.

Soll die Dietramszeller Hindenburgbüste ins Museum der Bayerischen Geschichte, das 2018 in Regensburg eröffnet wird? Der Vorschlag des Münchner Aktionskünstlers Wolfram Kastner könnte Bewegung in die seit mehr als einem Jahr stagnierende Situation bringen. Entscheiden müssten das, so heißt es, die Salesianerinnen, denen das Kloster gehört. Die verweisen auf Bürgermeisterin Leni Gröbmaier. Die wiederum hielt sich in der Causa Hindenburg in den vergangenen Monaten bedeckt und betonte, sie wolle sich nicht drängen lassen.

Florian von Schilcher sieht eine Überstellung der Büste nach Regensburg als Möglichkeit, das umstrittene Thema vom Tisch zu bekommen. Kastner, der die Hindenburgbüste im Juli 2014 von der Klostermauer abmontiert und auf das Grundstück der Familie von Schilcher gelegt hatte, hatte sich in einem Schreiben an Kardinal Reinhard Marx gewandt und von der Erzdiözese München Freising eine positive Stellungnahme erhalten. "Wir finden den Vorschlag sinnvoll", sagt Bettina Göbner, Pressesprecherin des Ordinariats. Es sei wichtig, die Hindenburgbüste in den historischen Kontext zu stellen und eine Aufarbeitung zu ermöglichen. "Dafür wäre das Haus der Bayerischen Geschichte ein geeigneter Ort."

Ordinariat erwägt Info-Tafeln vor Ort

Denkbar ist nach Ansicht des Ordinariats auch eine Information mit Schautafeln an Ort und Stelle. Entscheiden müssten das die Salesianerinnen. "Wir stehen aber gerne für eine Beratung zur Verfügung", sagt Göbner. Die Schwestern möchten sich am liebsten heraushalten.

Dietramszell Ordinariat gegen Hindenburg-Büste
Dietramszell

Ordinariat gegen Hindenburg-Büste

Diözese spricht sich nach Angaben des Künstlers Kastner gegen die erneute Aufstellung am Kloster Dietramszell aus.   Von Stephanie Schwaderer

Nach Ansicht von Oberin Kiliana ist der Hindenburgkopf Sache der Gemeinde. "Oder der Familie Schilcher, weil der Hindenburg ja bei denen Urlaubsgast war." Man habe vereinbart, sich über das weitere Vorgehen abzusprechen und dies in der Vergangenheit auch getan. Wenn das Ordinariat Empfehlungen aussprechen wolle, solle es sich an Bürgermeisterin Gröbmaier wenden, sagt Schwester Kiliana. "Wir vom Kloster halten uns zurück."

"Keine andere Möglichkeit"

Florian von Schilcher, der seit über einem Jahr die Büste in seinem Keller verwahrt, befürwortet eine Überstellung nach Regensburg: "Ich glaube, dass es keine andere Möglichkeit gibt." Brächte man die Büste wieder an der Klostermauer an, wäre sie schnell wieder abmontiert, glaubt Schilcher. "Kastner will doch mit seinen Aktionen Aufmerksamkeit". Und dann ginge alles wieder von vorne los. Den Hindenburgkopf im Keller zu lagern sei aber auch keine Dauerlösung.

Schilcher war bisher der Meinung, dass die Plastik, versehen mit einer Informationstafel, wieder an der Klostermauer angebracht werden sollte. Auch bei der Bürgerversammlung im vorigen Jahr überwog diese Ansicht. Man wolle sich von Künstlern aus München nicht vorschreiben lassen, wie man mit der eigenen Geschichte umgehen solle, hieß es damals. Andere, wie die Autoren Peter Probst und Amelie Fried, waren von Anfang an der Meinung, die Büste gehöre ins Museum. Bürgermeisterin Leni Gröbmaier war am Montag nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.