Hilfsprojekte:Präzise und zukunftsgerichtet

Hilfsprojekte: 1998 gründete die Königsdorferin Eva Linz den Verein "Premadhara - Strom der Liebe". Durch Spendengelder fördert der Verein mehrere Hilfsprojekte in Indien, unter anderem für die Berufsausbildung von Slum-Kindern.

1998 gründete die Königsdorferin Eva Linz den Verein "Premadhara - Strom der Liebe". Durch Spendengelder fördert der Verein mehrere Hilfsprojekte in Indien, unter anderem für die Berufsausbildung von Slum-Kindern.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Königsdorfer Verein hilft seit 19 Jahren Bedürftigen in Indien

Von Wolfgang Schäl, Königsdorf

Unter dem Leitmotiv "Hilfe zur Selbsthilfe" hat der Königsdorfer Verein "Premadhara - Strom der Liebe" mit seiner Vorsitzenden Eva Linz im abgelaufenen Jahr neue Projekte in Indien angestoßen und bestehende fortgeführt. So konnte dank Spendengeldern eine Werkstatt zur beruflichen Schulung von Jungen und Mädchen im Heim für Straßen- und Slumkinder in der südindischen Stadt Madurai eingerichtet werden. Wie Linz bei der jüngsten Jahreshauptversammlung in Geretsried erläuterte, sind seit Gründung des Heims 22 der dort untergebrachten Kinder zu Jugendlichen herangewachsen, sodass es nunmehr an der Zeit sei, sich um eine berufliche Ausbildung der Heranwachsenden zu kümmern. Sie sollen im Schutz des Heims so lange geschult werden, bis sie selbständig genug sind, um auf eigenen Füßen zu stehen. Geplant ist eine Ausbildung der Jungen zum Elektriker, kombiniert mit Kenntnissen im Computerwesen. Die Mädchen erlernen das Schneidern und Sticken an Näh- und Stickmaschinen, ebenfalls in Kombination mit Computerkenntnissen. Die Ausbildung ist Linz zufolge praxisorientiert und bietet auf dem indischen Arbeitsmarkt optimale Chancen. Nach bestandener Prüfung erhalten die Jungen einen Werkzeugkasten, die Mädchen eine Nähmaschine.

Ein weiteres Hilfsprojekt unterstützt der Verein für die Kinder von heimatlosen Bauarbeitern in Mumbai. In zwei Tageskrippen werden dort Kinder im Alter von bis zu zwölf Jahren betreut, unterrichtet und auf die Aufnahmeprüfung in reguläre Schulen vorbereitet. Kinder ab zwölf Jahren und Mütter, die zu der schweren Arbeit auf Baustellen nicht in der Lage sind, werden im Rahmen des Projekts beruflich geschult, was nach Linz´ Worten auch Schutz vor Kinderarbeit bedeutet. Ein weiterer Schwerpunkt ist ein Findelkinderheim für Mädchen im Norden von Mumbai. Dort werden Kinder betreut, die irgendwo von der Polizei aufgegriffen wurden und teilweise infolge von Misshandlungen und Missbrauch so schwer traumatisiert sind, dass sie sich nicht mehr erinnern können, woher sie kommen.

Im Süden des Subkontinents fördert der Verein das Projekt Tsunami-Opfer, von dem rund 700 Kinder aus neun Dörfern profitieren. Deren Familien wurden durch die Naturkatastrophe zerstört. Wegen des abnehmenden Fischbestandes wurden dort die Fangzeiten für Fischer eingeschränkt, Kinder werden in die Kinderarbeit gedrängt. Durch zwei Ausbildungsprojekte erhalten dort 500 Mütter, oft Witwen, eine selbständige Einkommensquelle, einen Gewerbeausweis und eine Krankenversicherung. Im Nähzentrum für ausgebeutete und missbrauchte Mädchen wurden an 16 Näh- und Strickmaschinen mehrere hundert Mädchen ausgebildet. Der indische Projektpartner organisiert für sie mittlerweile Messe- und Ausstellungsbesuche, wo sie Aufträge entgegennehmen können. Unter anderem fördert der Verein noch ein Projekt für 85 Aids-Kinder, die entweder selbst infiziert oder Waisen sind. Hier wird der Umgang mit Hygiene vermittelt und über die Ursachen der Krankheit aufgeklärt. Ziel ist es auch zu verhindern, dass die Betroffenen geächtet und aus der Gemeinschaft ausgestoßen werden.

Um die genannten Projekte finanzieren zu können, hat der seit 1998 existierende Verein im abgelaufenen Rechnungsjahr laut Abschlussbericht 29 254 Euro investiert, davon allein knapp 23 000 Euro für fünf Vorhaben in Madurai. Linz betont, dass die Vielfalt an Hilfeleistungen nur durch absolut seriöse Partner in Indien, durch den konsequenten Verzicht auf jegliche Werbung und sparsamsten Umgang mit den Hilfsgeldern sowie durch das Vertrauen der Spender möglich sei, die der Verein über die Verwendung der Gelder genauestens informiere. Besonders wichtig sei der langfristige Einsatz der Spenden. Nur weil der Verein präzise und zukunftsgerichtet helfe, werde es möglich, "dass die einmal geleisteten Spenden weiterleben".

Das Spendenkonto: Sparkasse Bad Tölz-Wolfratshausen, IBAN: DE98 7005 4306 0000 811000; BIC: BYLADEM1WOR

© SZ vom 22.05.2017
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