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Hilfe im Corona-Winter:Heizstrahler und Gastro-Guide

Bad Tölz will Einzelhändlern und Gastwirten mit verschiedenen Maßnahmen Corona-Winter helfen

Von Klaus Schieder, Bad Tölz

Der Winter kommt, und die Corona-Zahlen schnellen unaufhaltsam in die Höhe: Dies sind unersprießliche Aussichten für die Geschäfte und Gasthäuser in Bad Tölz, zumal auch der umsatzträchtige Christkindlmarkt vor gut drei Wochen schon abgesagt wurde. Die Stadt will den Einzelhändlern und Gastronomen nun soweit wie möglich unter die Armen greifen. So sollen sie ihre Tische und Stühle auch in der dunklen Jahreszeit draußen auf einer erweiterten Flächen aufstellen dürfen. Auch elektrisch betriebene Heizquellen sollen erlaubt werden, damit die Gäste nicht frieren. "Wir sind der Überzeugung, dass in diesem besonderen Jahr eine Ausnahme zugunsten der Unternehmer und zum Vorteil der Gäste durchaus gerechtfertigt ist", erklärte Sandra Kern, Wirtschaftsförderin der Stadt.

Die vergrößerten Ausschankflächen seien ein wertvoller Beitrag für die Cafés und Restaurants, meinte Kern im Kur-, Tourismus- und Wirtschaftsausschuss des Stadtrats. "Noch immer möchten viele Gäste nicht in geschlossenen Räumen sitzen und nutzen gerne die Gelegenheit, im Außenbereich Speisen und Getränke zu konsumieren." Weil die Temperaturen runtergehen, habe sich die Stadt dazu entschieden, Heizquellen zu erlauben. Erlaubt sind allerdings nur elektrisch betriebene Geräte. Zudem müssen Feuerlöscher an Ort und Stelle verfügbar sein. Der Einsatz von Heizstrahlern sei unter Umweltschutzaspekten durchaus kritisch zu sehen, räumte die Wirtschaftsförderin ein. Aber wegen Corona herrsche nun mal eine Ausnahmesituation. In der Marktstraße werde es jedoch "keine Gastro-Zelte" geben, teilte Bürgermeister Ingo Mehner (CSU) mit.

Die Tölzer Einzelhändler und Gastwirte sind Kern zufolge bislang "halbwegs gut" durch die Corona-Krise gekommen, was vor allem am starken Tagestourismus nach dem Lockdown im Frühjahr liegt. Gleichwohl waren sie froh, dass die Stadt den Herbstmarkt heuer nicht abgesagt, sondern in verkleinerter Form veranstaltet hat - und damit auch den verkaufsoffenen Sonntag am 11. Oktober, der an den Markt gekoppelt ist. "Ich möchte nur mal kurz sagen, wie dankbar ich war, am Sonntag offen haben zu dürfen, und wie gut das angekommen ist", teilte Renee Obermeir vom Laden "Blue Flamingo Fashion", der Wirtschaftsförderin mit. Anfang Dezember soll der neue "Shopping- und Gastro-Guide" herauskommen. Der Faltplan in Postkartengröße, der in einer Auflage von 10 000 Stück erscheint, soll den Kunden mit Hinweisen zu allen Geschäften, Gasthäusern, Banken, Post, Parkplätzen, öffentlichen WC-Anlagen und sonstigen Informationen versorgen. Ausgelegt wird er in den Läden, den Tourist-Informationen und in Selbstbedienungsfächern auf innenstadtnahen Parkplätzen. "Die Idee ist, die Stadt wie eine Einkaufs-Mall zu präsentieren", sagte Kern. Damit wolle man nicht bloß die Betriebe in der Fußgängerzone, sondern auch in den Nebenstraßen stärken.

Dies ist auch das Ziel der Gutscheinkarte "Tölzer", die seit 2014 auf dem Markt ist. Sie wird mittlerweile in 108 Betrieben im Stadtgebiet angeboten und zunehmend beliebter, wie Kern erläuterte. In den vergangenen vier Jahre seien insgesamt 25 552 Exemplare ausgegeben worden, 2020 seien es alleine 3067 gewesen. Die Summe, die der "Tölzer" für den Einzelhandel generiert habe, belaufe sich auf insgesamt 255 520 Euro, davon heuer 30 670 Euro. Die Wertkarte für 10 und 20 Euro, die inzwischen in einem jüngeren Look erscheint, trage dazu bei, dass das Geld von Kunden nicht ins Internet fließe, sondern die heimischen Einzelhändler und damit die Innenstadt stärke, betonte Kern. Für die anderen Unternehmen in Bad Tölz will die Wirtschaftsförderin bis Jahresende "Online-Schaufenster" auf der Homepage der Stadt öffnen. Dort sollen vor allem kleinere Betriebe ohne eigene Webseite vorkommen. Datengrundlage sei voraussichtlich "Google MyBusiness".

© SZ vom 27.10.2020

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