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Heizen mit Biomasse:Holz nur für kleine Anlagen

Biomasse-Kraftwerke gelten als wichtiger Baustein für die Umsetzung der Energiewende. Doch wenn sie in industriellem Maßstab eingesetzt werden sollen, können die heimischen Wälder nicht genug Brennstoff liefern.

Petra Schneider

Stadtwerke Hackschnitzel Biomasse

Was in den heimischen Wäldern an Bäumen nachwächst, reicht für kleine und mittlere Kraftwerke wie das am Tölzer Lettenholz.

(Foto: Manfred Neubauer)

Die Sorge, im Zuge der Energiewende könnten die Wälder verheizt werden, treibt viele Bürger um. Kürzlich wurde in Penzberg ein Biomasse-Kraftwerk mit deutlicher Mehrheit abgelehnt - auch, weil befürchtet wurde, es würde mehr Holz benötigt, als in heimischen Wäldern wächst. Biomasse-Kraftwerke werden gleichwohl als wichtige Bausteine der Umsetzung der Energiewende gesehen: Holz ist ein nachwachsender Rohstoff, der regional erzeugt wird und beim Verheizen nur soviel Kohlendioxid abgibt, wie er beim Wachsen aufgenommen hat.

Die Stadtwerke Bad Tölz betreiben seit fünf Jahren ein Hackschnitzel-Heizkraftwerk am Lettenholz, das Wärme für die umliegenden Gebäude erzeugt und Überschüsse ins Stromnetz einspeist. Der Landkreis will seine Tölzer Schulen mit einem Biomasse-Kraftwerk beheizen, das kleiner als das bestehende am Lettenholz sein und ausschließlich zur Wärmeerzeugung genutzt werde, wie Ingenieur Christian Schuhmacher vom zuständigen Planungsbüro sagt.

Die Feuerungswärmeleistung der bestehenden Anlage am Lettenholz liegt bei knapp 2,5 Megawatt, die der Penzberger Anlage hätte 34 Megawatt betragen sollen. Entsprechend größer wäre auch der Holzbedarf gewesen: Während am Lettenholz drei bis vier Lastwagenfuhren pro Woche nötig sind, wären es in Penzberg 14 bis 15 pro Tag gewesen. "Das ist eine Größenordnung, bei der man ordentlich Material braucht", sagt Schuhmacher.

Biomasse-Kraftwerke für die Industrie seien generell problematisch, weil Engpässe durch Holz aus Tschechien, Polen oder der Ukraine ausgeglichen werden müssten. Für kleinere bis mittlere Anlagen, wie die in Bad Tölz, gebe es genügend Holz in der Region, sagt der Ingenieur. Wie der Verein "Bioenergieregion Oberland" errechnet hat, reicht allein das Potenzial der Privatwäldern aus, um 10 000 Haushalte mit weiteren 17 Heizkraftwerken zu versorgen. Bei verbesserter Dämmung könnte langfristig sogar die Hälfte des Heizwärmebedarfs mit heimischem Holz erzeugt werden, heißt es in der Studie.

Diese Zahlen hält Forstamtsleiter Wolfgang Neuerburg, Leiter für realistisch. Momentan seien die Ressourcen ausreichend, weil bei vielen Jungbeständen Pflegebedarf vorhanden sei. Mit dem anfallenden Waldrestholz könnten zusätzliche kleinere bis mittlere Anlagen versorgt werden. "Für Mega-Anlagen reicht das Potenzial aber nicht aus", schränkt Neuerburg ein.

50 Prozent der Gesamtfläche der Landkreise Bad Tölz-Wolfratshausen und Miesbach sind mit Wald bedeckt, 70 Prozent davon sind nutzbar, der Rest ist Schutzwald. Dass in einer aktuellen Studie des Deutschen Biomasse-Forschungszentrums von 2020 an ein Defizit von 20 bis 40 Millionen Kubikmetern Holz in Deutschland prognostiziert wird, sieht weder Neuerburg noch Johann Killer, der Vorsitzende der Waldbesitzervereinigung Wolfratshausen, als Problem für die Region. Nur rund drei Viertel des Zuwachses in den Wäldern würden genutzt, der Rest bleibe stehen, sagt Killer. Die Bestände müssten gepflegt werden, damit sich die Baumkronen nicht gegenseitig bedrängen. Nur Holz von minderer Qualität, das bei der Durchforstung anfalle, werde als Energieholz verkauft.

Seit kurzem laufen Versuche, auf Kurzumtriebsplantagen (KUP) schnell wachsende Bäume wie Pappeln oder Weiden für die thermische Verwertung anzubauen. In Beuerberg und Egling gibt es Versuchsanlagen mit Bäumen, die nach drei bis fünf Jahren geerntet werden können. Mit zufrieden stellenden Ergebnissen, wie Killer sagt. Die Effizienz sei deutlich höher als bei Mais, der mit großem Aufwand produziert werden müsse und in Biogasanlagen einen schlechteren Wirkungsgrad erreiche als Holz. Natürlich dürften für die Plantagen nur Flächen verwendet werden, die für die Nahrungs- oder Futtermittelproduktion nicht geeignet seien. Dass so Monokulturen entstehen könnten, lässt Killer nicht gelten. Eine Baumplantage zeichne sich durch vielfältige Bodenvegetation aus.

Auch Neuerburg sieht in Plantagen ein Potenzial um Energieholz zu erzeugen, allerdings in begrenztem Umfang. "Bei uns stehen nicht so viele Flächen zur Verfügung." Für die Waldbauern sei der steigende Bedarf an Biomasse von Vorteil, sagt Killer: "Den Holzpreisen tut das gut." Und sie könnten Laubholz als Brennmaterial verkaufen, das weder in der Papierindustrie noch in Sägewerken Verwendung finde.

© SZ vom 27.10.2012

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