Das Museum in Penzberg verfügt über die weltweit größte Sammlung an Werken des Expressionisten Heinrich Campendonk. Ein Alleinstellungsmerkmal für die oberbayerische Kleinstadt und ein Pfund, mit dem sich touristisch wuchern lässt. Wäre da nicht das Geld. Penzberg kämpft wie andere Kommunen mit finanziellen Schwierigkeiten. Und das Campendonk-Museum, wie so viele andere Sammlungen auch, fährt jährlich hohe Defizite ein. Die Stadt sucht nun Wege aus dieser Misere. Eine Möglichkeit könnte die Gründung einer Stiftung sein.
Das Campendonk-Museum hat vor zehn Jahren seine Türen geöffnet. In diesem Zeitraum hat es mit überregional bedeutsamen Ausstellungen geschafft, in einem Atemzug mit dem Lenbachhaus in München, dem Buchheim-Museum in Bernried, dem Franz-Marc-Museum in Kochel am See und dem Schlossmuseum in Murnau genannt zu werden. Gemeinsam werden sie unter der Marke „MuSeenLandschaft Expressionismus“ beworben. Im ersten Halbjahr 2026 kamen 6300 Besucher ins Museum nach Penzberg. Man kann also frohes Mutes sein für das zweite Halbjahr. Alles, was die 10 000-Besucher-Marke überschreite, sei sehr gut, kommentiert Anne Götzelmann, die kommissarische Leiterin des Museums. 2023 waren es sogar 17 000, die die Werke von Alberto Giacometti sehen wollten.
Dass Menschen dank der Sammlung Campendonk in die ehemalige Bergarbeiterstadt kommen, die sonst nicht wüssten, wo Penzberg liegt, vermag den Stadträten die Sorgenfalten nicht zu vertreiben. Da nützt es auch nichts, wenn Thomas Kapfer-Arrington, im Rathaus zuständiger Sachgebietsleiter, darauf verweist, dass ein Besucher im Schnitt 40 Euro in der Stadt ausgibt. Noch Anfang dieses Jahres war die Rede davon, das Museum könnte sogar geschlossen werden.
Das wiederum verunsicherte einige Leihgeber. Wenn sie ihre Kunstwerke aus Penzberg abziehen würden, wäre das Campendonk-Museum ohnehin Geschichte. Der städtische Bestand an Bildern des expressionistischen Künstlers ist überschaubar.
Das Minus konnte reduziert werden
Immerhin konnte das jährliche Defizit, das vor Jahren bei mehr als 800 000 Euro lag, deutlich reduziert werden. Im städtischen Haushalt 2026 rechnet die Kämmerei mit 78 000 Euro Einnahmen und 650 500 Euro Ausgaben. Bleiben noch gut 570 000 Euro, die irgendwo herkommen müssen. Noch ist der Etat nicht beschlossen. Die SPD-Stadtratsfraktion hat den Antrag gestellt, Kämmerei und Museumsleitung mögen eine „nachhaltige Reduzierung“ des Defizits erarbeiten. „Ziel des Antrags ist ausdrücklich nicht, den kulturellen Wert des Museums oder seine Bedeutung für Penzberg infrage zu stellen“, schreibt Stadträtin Elke Zehetner im Namen ihrer Fraktion.
Solche Forderungen sind nicht neu. Seit Jahren kocht immer wieder die Idee hoch, eine Stiftung zu gründen, die am besten das Museum komplett übernehmen soll. Im März 2024 wurde die Museumsleitung aufgefordert, die Überführung in eine Stiftung zu prüfen, wie auch die Neuausrichtung als Regional- oder Heimatmuseum. Das Fazit aus nicht öffentlicher Sitzung lautete, dass selbst eine Abwicklung der Sammlung mit Kosten verbunden wäre. Bei etwa 600 Dauerleihgaben müssten Zustandsprotokolle erstellt werden: geschätzte Kosten 120 000 Euro. Transportkosten, Kosten für Anwälte, sollten Leihgeber klagen, und mehr müsste die Stadt bezahlen. Ganz abgesehen vom Personal mit Kündigungsfristen und anderem.

Noch eine Crux: Der Museumsanbau, der die Sammlung Campendonk beherbergt, wurde unter anderem mit Fördermitteln des Kulturfonds Bayern realisiert. Eine Million Euro flossen nach Penzberg. Die Rückzahlung der Zuschüsse müsste verzinst erfolgen, hieß es. Bei solchen Aussichten verstummten die kritischen Stimmen, es herrschte eine Zeitlang Ruhe.
Im Wahlkampf 2026 ploppte das Thema erneut auf. Dabei ließ das Rathaus schon 2017 ein Gutachten der auf Stiftungsgründung und Kunstrecht spezialisierten Anwaltskanzlei Feddersen Heuer & Partner in Frankfurt erstellen. Carl-Heinz Heuer war unter anderem Kuratoriumsvorsitzender der Franz-Marc-Museumsgesellschaft in Kochel am See.
Das Gutachten favorisiert eine sogenannte Teilverbrauchsstiftung. Ihr Vorteil: Ein Teil des Kapitals bleibt als unantastbares Grundstockvermögen erhalten. Die Erträge daraus werden zur kontinuierlichen Zweckerfüllung genutzt. Der andere Teil wird zu bestimmten Zeitpunkten zusätzlich für die Stiftungsarbeit ausgeschüttet. Zur Gründung ist ein niedriges Grundstockvermögen von 500 000 Euro nötig. Weitere Zustiftungen sind möglich.

Warum dieses Gutachten seinen Weg nicht in den Stadtrat geschafft hat, liegt im Dunkeln. Ein Grund könnte sein, dass die aufgezeigten Vorschläge keine sofortige Entlastung für den Penzberger Haushalt gebracht hätten. Denn eines ist klar: Eine Stiftung ist nicht die heilbringende Lösung. So manch ein Stadtrat liebäugelt zwar mit der Vorstellung, dass eine Stiftung das gesamte Museum tragen könnte. Um mehrere Hunderttausend Euro pro Jahr zu erwirtschaften, müsste das Grundstockvermögen allerdings in die Millionen gehen. Der Betrieb des Campendonk-Museums müsste nämlich aus den Zinserlösen dieses Vermögens heraus geschultert werden. Hinzu kämen noch Verwaltungskosten und ähnliches. Auch dürfen Stiftungen nicht maximal gewinnorientiert arbeiten. Jährliche Erlöse von zwei bis zweieinhalb Prozent sind nach Expertenangaben die Regel. Ein utopisches Unterfangen.
Eine Stiftung könnte allerdings projektbezogen Finanzierungen übernehmen, etwa für Ausstellungen. Das Personal und der Unterhalt des Gebäudes verbleiben bei der Stadt.
Thomas Kopf, der seit diesem Jahr Bürgermeister in Penzberg ist, blickt positiv in die Zukunft. Die Ausstellungen seien gut gelaufen, die Feier zum zehnjährigen Bestehen ein Riesenerfolg gewesen. „Ich bin froh, dass das Museum dort die Aufmerksamkeit bekommen hat, die es verdient“, betont er. Es gebe keine akute Gefahr einer Schließung. Natürlich versuche man, die Finanzierung langfristig neu aufzustellen – vielleicht gemeinsam mit dem Verein Freundeskreis Heinrich Campendonk. In der kommenden Woche trifft sich der Fachbeirat des Freundeskreises, in dem unter anderem die Leiter von Buchheim-Museum, Schlossmuseum und Franz-Marc-Museum vertreten sind, um über die Gründung einer Stiftung und vor allem die Zukunft des Campendonk-Museums zu sprechen. Für Kopf steht jedenfalls fest: „Das Museum ist das Aushängeschild der Stadt.“

