Hauskapelle Ein Schutzengel und viele Unterstützer

Georg Ruhdorfer errichtet aus Dankbarkeit für seine Genesung nach einem Schädelbasisbruch eine Kapelle. Freunde und Handwerker packen mit an. Josef Bierbichler stiftet Steintafel-Repliken. Iring de Brauw gestaltet Glasfenster

Von Benjamin Engel, Münsing

Umgangssprachlich ausgedrückt hatte Georg Ruhdorfer im Herbst 2017 einen echten Schutzengel. Als der Landwirt damals nur schnell ein umgefallenes Brett am Heuboden wieder korrekt platzieren wollte, stürzte er ab. Mit etlichen Knochenbrüchen und einem Schädelbasisbruch lag er im Krankenhaus und wurde wieder gesund. Aus Dankbarkeit entschloss sich der inzwischen 65-Jährige, bei seinem Weiler Luigenkam eine eigene, dem Schutzengel geweihte Hauskapelle zu errichten. "Mein Vater hatte schon lange die Idee", sagt der Münsinger. Das Vorhaben, das alte, stark verwitterte Wegekreuz durch einen solchen Bau zu ersetzen, habe die Familie nur immer wieder verschoben.

Anfang Mai hat der katholische Münsinger Pfarrer Martin Kirchbichler die Schutzengelkapelle beim Weiler Luigenkam auf der Anhöhe östlich von Ambach geweiht. Weit mehr als 200 Leute seien zu der Feier gekommen, erzählt Ruhdorfer. Sogar ein eigenes Zelt hatte er aufstellen lassen und die Gäste bewirtet. Seitdem sehe er an der Kapelle jeden Tag Besucher. Und das sei auch so gedacht. Die Tür zum Sakralbau sei immer geöffnet, so dass jeder einfach hineinschauen könne.

Bauer Georg Ruhdorfer hat die Schutzengelkapelle auf der Anhöhe nahe seinem Hof errichten lassen.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Die kleine Kapelle mit Blick über grüne Wiesen und den Starnberger See im Westen ist ein besonderes Bauwerk. Vor allem haben zahlreiche teils prominente Nachbarn aus Ambach der Familie Ruhdorfer geholfen, sie fertigzustellen. So schmücken beispielsweise zwei Steintafeln aus der sogenannten Nazarener Zeit des 19. Jahrhunderts den Eingang auf der linken und rechten Seite. Der Schauspieler Josef Bierbichler habe die beiden Repliken von Darstellungen aus dem Florentiner Dom gestiftet, erklärt Ruhdorfer. Der Schauspieler habe die beiden Steintafeln beim Aufräumen bei seinem Anwesen entdeckt, als er von den Arbeiten an der Kapelle erfuhr.

Vor Baubeginn war Ruhdorfer erst einmal mit dem Auto durch den Landkreis gefahren, um sich umzuschauen, wie eine solche Kapelle aussehen könnte. Beim Entwurf für das weiß verputzte Gebäude mit dem Spitzdach aus Fichtenholz unterstützte der Münsinger Architekt Florian Brandl den Landwirt. Und noch mehr haben sich beteiligt. Ruhdorfer halfen seine beiden Söhne. Der mit der Familie befreundete Stefan Mandic zog die Mauern hoch. Zimmerer Robert Lechner stellte den Dachstuhl mit Fichtenholz der Familie Ruhdorfer fertig. Malermeister Stefan Pixner aus Münsing verputzte das Mauerwerk. Michael Strobl und Hans Weber bauten Fenster- und Türstöcke ein. Peter Braun übernahm die Bänke. Um alles fertigzustellen, dauerte es seit Herbst 2018 etwa ein halbes Jahr.

Der Maler Iring de Brauw hat die farbigen Glasfenster mit christlichen Motiven gestaltet.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Bemerkenswert und für eine neu errichtete Kapelle ungewöhnlich sind die farbigen Glasfenster mit christlichen Motiven. Der in direkter Nachbarschaft lebende Maler Iring de Brauw hat die Kunstwerke angefertigt. Die symbolischen Darstellungen erschließen sich erst, wenn jemand genauer hinschaut. Am zentralen Glasfenster gegen Westen ist zusätzlich zum auferstandenen Christus, Schutzengeln, der Muttergottes oder der Friedenstaube der Holzhauser Kirchturm zu erkennen. Sogar eine Glocke samt Türmchen gibt es in der Kapelle.

Die meisten Handwerker haben unentgeltlich gearbeitet. Weil zusätzlich zahlreiche Spenden eingegangen seien, blieben die Kosten laut Ruhdorfer überschaubar.

Auf dem Hof ist die Familie, seit Vater Johann Ruhdorfer 1953 Therese Frech geheiratet hat. Der Weiler Luigenkam an der Straße zwischen Holzhausen und Sankt Heinrich hat aber schon eine mehr als tausendjährige Geschichte. Um das Jahr 950 wurde das Haus als "Liupincheima" erstmals im Freisinger Güterverzeichnis erwähnt. Der Name hängt womöglich mit dem altdeutschen Wort "Lueg" zusammen, was so viel wie "ein Versteck im Wald" bedeutet.

Schauspieler Josef Bierbichler hat die beiden Steintafeln gestiftet.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Heute liegen Hof und Kapelle gut sichtbar inmitten grüner Wiesen. Wer mag, kann anhalten, den Sakralbau betreten und womöglich eine Kerze anzünden, um kurz innezuhalten.