Wegen hoher Verluste. HAP schließt Werk in Penzberg

Das Penzberger HAP-Werk soll zum 30. Juni 2020 geschlossen werden. Ein Großteil der Produktion wird bereits in diesem Jahr verlagert.

(Foto: Manfred Neubauer)

Die Hörmann Automotive hat Ihren Sitz in Kirchseeon. 630 Arbeitsplätze sind betroffen - die Mitarbeiter trifft dieser Schritt unerwartet.

Von Alexandra Vecchiato, Kirchseeon/Penzberg

Der Autozulieferer Hörmann Automotive (HAP) macht das Werk in Penzberg (Kreis Weilheim-Schongau) dicht. Betroffen sind rund 630 Arbeitsplätze. Geschlossen werden soll der Standort bis zum 30. Juni 2020, wobei ein Großteil der Verlagerung schon bis Ende 2019 erfolgen soll.

Diese Nachricht hat die Belegschaft am Donnerstag komplett überrascht. Via Pressemitteilung informierte die Unternehmensleitung am Vormittag die Öffentlichkeit, ehe den Mitarbeiter am Standort an der Seeshaupter Straße am frühen Nachmittag bei einer Belegschaftsversammlung die Entscheidung kundgetan wurde. "Das trifft uns völlig unerwartet", sagt Daniela Fischer von der IG Metall Weilheim. "Es ist ein großer Schock."

Die Hörmann Automotive ist der größte Geschäftsbereich der Hörmann Industries mit Sitz in Kirchseeon. "Wir bedauern die Schließung des Werkes in Penzberg sehr", erklärt Michael Radke, CEO der Hörmann Gruppe, in der Mitteilung. "Angesichts der seit Jahresbeginn schnell ansteigenden Verluste und des hohen Finanzbedarfs sehen wir leider keine Möglichkeit mehr für eine nachhaltige Fortführung der Gesellschaft."

Als Grund für die Komplettschließung des Penzberger Werks nennt das Unternehmen die starke Konkurrenz aus Osteuropa und den hohen Preisdruck in der Nutzfahrzeugindustrie. Nur durch regelmäßig erneuerte Ergänzungstarifverträge und weitreichende Entgeltverzichte der Mitarbeiter sei es seit der Finanzkrise 2009 gelungen, die Arbeitsplätze in Penzberg über viele Jahre hinweg zu halten.

40 Millionen investiert - ohne einen Euro Gewinn

Gesellschafter und Geschäftsführer hätten alles unternommen, um die technologische Erneuerung des Werks voranzutreiben. Seit der Übernahme im Jahr 2008 sind nach Angaben der Hörmann Industries GmbH mehr als 40 Millionen Euro in den Standort investiert worden - "ohne einen Euro Gewinn zu entnehmen", heißt es in der Pressemitteilung.

Die Produktion aus Penzberg soll nun in andere Werke des Geschäftsbereichs "Automotive" verlagert werden, der größte Anteil in das 2017 eröffnete Werk in Banovce in der Slowakei.

2018 sei HAP in die Verlustsituation geraten, heißt es in der Mitteilung des Konzerns. Das Defizit soll 4,6 Millionen Euro betragen "trotz einer hohen konjunkturbedingten Nachfrage und einer hohen Auslastung". In diesem Jahr rechnet die Gesellschaft mit einem erneuten Verlust in Höhe von mehr als acht Millionen Euro. "Die Produktion von relativ einfachen Komponenten für Nutzfahrzeuge im Hochlohnland Bayern stellt aber seit geraumer Zeit ein strukturelles Problem dar." Die Kosten seien im Branchenvergleich zu hoch.

"Die Hörmann Gruppe als mittelständisches Unternehmen ist sich seiner sozialen Verantwortung für die betroffenen Mitarbeiter sehr wohl bewusst und wird diese im Rahmen der begrenzten finanziellen Möglichkeiten auch bestmöglich wahrnehmen", so Radke. Man werde umgehend die Verhandlungen aufnehmen, wie der Abbau der rund 630 Arbeitsplätze vonstatten gehen soll, sagt Gewerkschafterin Fischer.

Sie erhielt die Nachricht von der Schließung bei einer Tagung in Nürnberg. Begleitet wurde sie vom Zweiten IG-Metall-Bevollmächtigten und HAP-Betriebsrat Bayram Yerli. Der Betriebsrat habe nichts gewusst. "Es ist unterirdischer Stil, die Öffentlichkeit vor den Mitarbeitern zu informieren", erklärt Fischer. Auch wolle man die Gründe hinterfragen, warum das Penzberger Werk ad hoc geschlossen werden solle. Fischer und Yerli machten sich sofort auf den Rückweg, um nachmittags bei der Mitarbeiterversammlung dabei sein zu können.

Dass es einen Stellenabbau bei HAP geben würde, war seit vergangenem Jahr bekannt. Lange haben Betriebsrat, Gewerkschaft und Gesellschafter über ein sogenanntes Zukunftskonzept verhandelt. Darin hatte die Geschäftsleitung Anfang Februar den Abbau von 400 Stellen innerhalb von drei Jahren angekündigt. Zum Tragen kam es nicht, da plötzlich auch der Verkauf von HAP im Raum stand.

Nun gelte es, den Betroffenen die ihnen zustehenden Sozialplanabfindungen zu sichern, so Fischer. "Das ist alles sehr bitter." Ihm fehlten die Worte, sagt Betriebsrat Yerli. So dürfe ein Unternehmen nicht mit seinen Mitarbeitern umgehen. "Das ist das dramatische Ergebnis eines langen Kampfes", erklärt die Penzberger Bürgermeisterin Elke Zehetner. Die Stadt werde den Mitarbeitern bei der Suche nach neuen Jobs helfen.

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