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In Geretsried:Testlauf fürs neue Becken

Hallenbad-Leiterin Madeline Schön, Geretsrieds Bürgermeister Michael Müller, sowie Christoph Otawa und Rainer Goldstein vom Bauamt (v.li.) testen das Becken.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Die Bauarbeiten des Interkommunalen Hallenbads in Geretsried schreiten voran. Probehalber wurde nun das erste Wasser eingelassen. Die Schwimmer müssen sich jedoch noch gedulden. Sie können frühestens im Sommer ihre Bahnen ziehen.

Von Susanne Hauck

"Ein Warmbadetag ist das heute nicht", macht Michael Müller Späßchen angesichts des rund 20 Grad kalten Wassers, das im Beckenboden wenige Zentimeter hoch seine nackten Füße umspült. "Das hier hat eher was vom Kneipp-Baden." Doch ungeachtet der frischen Temperaturen wird dem Geretsrieder Bürgermeister an diesem Dienstag warm ums Herz: Trotz aller möglichen Verzögerungen beim Bau des Interkommunalen Hallenbads, zuletzt durch einen rund 100 000 Euro teuren Brandschaden, konnte er endlich mit der Anweisung "Wasser marsch" die Pumpen sprudeln lassen, um das 730 Kubikmeter fassende Sportlerbecken zu befüllen.

Das dient zwar in erster Linie der Prüfung, ob das neue Edelstahlbassin auch dicht ist. Der Badespaß dort kann frühestens in ein paar Monaten beginnen. Die Presse darf aber schon einen ersten Blick ins fast fertige Hallenbad tun, und der fällt sehr vielversprechend aus.

Platzangst muss dort keiner haben, der ganze Bau kommt großzügig, luftig hoch und dank einer komplett verglasten Seitenwand auch sehr hell daher. Auf die Besucher wartet in der großen Schwimmhalle ein mit einem Hubboden ausgestattetes 25-Meter-Becken mit fünf Bahnen. Hier kann unter Wettkampfbedingungen geschwommen werden, versichert Betriebsleiterin Madeline Schön. Das Sprungbecken mit einem Dreimeter- und einem Einmeterturm ist bereits mit Wasser gefüllt. Die kleine Schwimmhalle nebenan beherbergt das Lehrschwimmbecken. Die Optik wirkt mit ihrer Farbgebung in weiß und anthrazit angenehm reduziert.

Der Rundgang führt weiter durch die Duschen - gelb für die Damen, blau für die Herren - zu den Gruppen- und Einzelumkleiden, den 200 Garderobeschränken, die münzlos per Chip verschlossen werden können und der "Föhnstation" kurz vorm Ausgang. Sämtliche Wege seien dafür ausgelegt, einen Leerlauf beim Wechsel in der Belegung zu vermeiden, erklärt Müller. "Denn jede Minute, in der das Bad leer steht, kostet."

"Es ist ein Schulungs- und Sportlerbad", sagt Bürgermeister Michael Müller. Freizeit-Schnickschnack gibt es wenig.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Bis auf ein paar Massagedüsen und ein Kleinkinder-Planschbecken gibt es keinen Freizeitbad-Schnickschnack. "Es ist ein Schulungs- und Sportlerbad", unterstreicht der Bürgermeister noch einmal den Sinn und Zweck der rund 18 Millionen Euro teuren Einrichtung, in der vier buchbare Schwimmeinheiten den Schul- und Vereinssport abdecken sollen. Der öffentliche Betrieb soll zudem schätzungsweise in einem Drittel der Badezeit stattfinden. Müller will nicht ausschließen, dass das Bad später einmal mit einem Außenbecken und einer Sauna erweitert wird. Ob es allerdings die Stadt sein wird, die sich in ein Investitionsabenteuer von geschätzten weiteren 20 Millionen Euro stürzt, steht in den Sternen. Die Sauna mit dem notwendigen "Wow-Angebot" sieht der Bürgermeister wegen der Kostenfrage eher bei einem privaten Betreiber angesiedelt.

Die Eintrittspreise für das neue Bad sind noch offen. Sicher ist jedoch, dass die bislang von den Kosten befreiten ortsansässigen Vereine für die Belegung zahlen müssen, auch wenn sie Zuschüsse von der Stadt erhalten. All dies ist Gegenstand der kommenden Haushaltsberatungen. "Wir wollen die Vereine nicht über Gebühr belasten", tritt Müller den immer wieder kursierenden Gerüchten entgegen. "Aber wir brauchen ein Steuerungsmodell." Angesichts der Betriebskosten von 360 Euro pro Stunde sei eine effiziente Auslastung unabdingbar. "Wenn das Bad überbucht ist, weil's nichts kostet, kommen die anderen Vereine nicht zum Zuge."

Die Bauarbeiten sollen bis Ende Mai, Anfang Juni abgeschlossen sein. "Es braucht noch Fliesenleger, Fassade, Spengler, Außenanlage, Elektroarbeiten und Photovoltaikanlage", zählt Müller auf. Parallel dazu wird der Probebetrieb anlaufen, der die gesamte Anlage auf Herz und Nieren prüft, ehe das Bad offiziell eröffnen kann. Müller rechnet damit, dass die ersten Schwimmer im Sommer ins Becken dürfen, spätestens aber zum kommenden Schuljahresbeginn. Er will auch nicht ausschließen, dass das alte Hallenbad zwischendurch reaktiviert wird, macht dies aber vom Pandemieverlauf abhängig.

© SZ vom 19.02.2021
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