Freizeit:Einigung im Schwimmbad-Streit

Freizeit: Das interkommunale Hallenbad in Geretsried soll im September zum neuen Schuljahr in Betrieb genommen werden. Bürgermeister Michael Müller (vorne) hat zur Probe schon einmal seine Füße ins Wasser gehängt.

Das interkommunale Hallenbad in Geretsried soll im September zum neuen Schuljahr in Betrieb genommen werden. Bürgermeister Michael Müller (vorne) hat zur Probe schon einmal seine Füße ins Wasser gehängt.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Die ortsansässigen Vereine können auch das neue Hallenbad in Geretsried kostenlos nutzen - im Rahmen ihrer bisherigen Nutzungszeiten. Mehrstunden kosten künftig etwas. Und auch für den einfachen Badegast ist der Eintritt nicht gerade günstig.

Von Susanne Hauck

Der Streit zwischen der Stadt Geretsried und den ortsansässigen Vereinen um die zukünftige Nutzung des interkommunalen Hallenbads ist vorläufig beigelegt. Damit den Vereinen keine finanziellen Nachteile entstehen, sollen sie eine Art "Bestandsschutz" in Form eines Freikontingents bei den Belegungszeiten erhalten. Die Vereine können das neue Schwimmbad also in dem Rahmen günstig weiternutzen, wie sie auch das alte genutzt haben. Für alles, was darüber hinaus geht, müssen sie gestaffelte Zuzahlungen leisten. Auswärtige Vereine dürfen zwar auch ins Bad, müssen aber voll zahlen.

Die Nutzungsgebühren waren über Monate hinweg die große Streitfrage. Denn bislang durften die Geretsrieder Vereine das alte Schwimmbad kostenlos belegen. Beim interkommunalen Hallenbad stand diese Regelung auf der Kippe. Bei den ehrenamtlichen Rettungsdiensten und Wassersportvereinen ging deshalb die Sorge um, sich das Training im neuen Bad künftig nicht mehr leisten zu können - entsprechend lautstark war der Protest. In der Stadtverwaltung haben sich die Vereine mit ihren Drohgebärden allerdings wenig beliebt gemacht. "Es ist nicht zu glauben, in welchem Ton manche auftreten", beschwerte sich Geretsrieds Bürgermeister Michael Müller (CSU) am Dienstag im Haupt- und Finanzausschuss des Stadtrats. "Jeder winselt uns was vor, um Druck zu machen."

Die Stadt hat sich nun bemüht, den Spagat zu schaffen zwischen einem Ausgleich für ihre Vereine und einer effizienten Auslastung der Sportstätte. "Wenn ihnen das reicht, was sie vorher hatten, können sie kostenlos rein", erklärte Müller das Modell. Die Stadt ist dabei so vorgegangen, dass sie die bisherigen jährlichen Nutzungszeiten sozusagen auf die einzelne Schwimmbahn mit einer Nutzungsgebühr von 36 Euro umgerechnet hat. Für den Ortsverband der DLRG ergeben sich auf diese Weise beispielsweise 880 Gratisstunden, da die Stadt den Verein mit einem Zuschuss in Höhe von knapp 32 000 Euro im Jahr unterstützt. Für die anderen drei Hauptnutzer wie etwa dem Wasserball- und Schwimmverein (WSV) errechnet sich ein Kontingent von 715 Stunden, für den Tauchclub Oberland sind 275 Stunden vorgesehen und für die Reha-Sportfreunde 220 Stunden.

Für Mehrstunden fallen Preise zwischen neun und maximal 36 Euro an. Müller verspricht sich von den Vereinen dadurch eine effiziente Planung. "Sie müssen eben genau überlegen, was sie wirklich brauchen", sagt er. Ein bedenkenlosen Drauflosbuchen von Belegungszeiten sei jedenfalls nicht mehr möglich. Dass ein Verein ein ganzes Bad bekomme so wie früher, das könne sich die Stadt nicht mehr leisten, machte Müller klar - alleine schon, weil das Bad jetzt nicht mehr von den Stadtwerken betrieben werde. "Wir können nicht sagen: Bucht, was ihr lustig seid, und wir zahlen es."

Auswärtige Vereine haben gleiche Belegungsrechte, sie müssen allerdings nach einer Schonfrist die volle Nutzungsgebühr zahlen, spätestens von Januar nächsten Jahres an. Zum Kostenausgleich müsste dann die jeweilige Heimatgemeinde eine Förderung an die Vereine zahlen. Eine Schwimmbahn kostet dabei 36 Euro in der Stunde, das Sprung- und Lehrschwimmbecken jeweils 90 Euro und das ganze Hallenbad 360 Euro. Etwaigen Erwartungen, dass die externen Vereine gratis trainieren dürften, weil sich ihre Kommunen schon an den laufenden Betriebskosten für das Bad beteiligen würden, trat Müller entgegen. Denn mit diesem Geld würde lediglich das durch die öffentlichen Eintrittsgebühren entstehende Defizit ausgeglichen. Theoretisch wären für einen kostendeckenden Eintritt 17 Euro pro Besucher fällig, erklärte Müller.

Mit dem Vorschlag, das neue Modell ein Jahr auszuprobieren, um es danach erneut auf den Prüfstand zu stellen, zeigten sich die Ausschussmitglieder bis auf Patrik Kohlert (Geretsrieder Liste) sehr zufrieden. Auch Sportreferent Wolfgang Werner (SPD) stimmte dem vorgestellten Konzept trotz einiger Bedenken zu. In der nächsten Stadtratssitzung sollen die Förderrichtlinien verabschiedet werden.

Im Rahmen der Ausschusssitzung wurden auch die Eintrittsgebühren für die Öffentlichkeit bekannt gegeben. Eine Stunde Schwimmen kostet 3,50 für Erwachsene, für drei Stunden sind sechs Euro fällig. Kinder zwischen fünf und zwölf Jahren zahlen zwischen 1,50 Euro und vier Euro. Abgesehen von leicht ermäßigten Zehnerkarten soll es mit Verweis auf die nötige Defizitsenkung keine weiteren Preisnachlässe geben.

© SZ vom 08.07.2021
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