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Halbzeit im Erinnerungsort Badehaus:Im Dienste des Gedenkens

Der 18-jährige Wolfratshauser André Mitschke leistet im Waldramer Badehaus als Bundesfreiwilliger wichtige Arbeit.

(Foto: Hartmut Pöstges)

André Mitschke ist nach sechs Monaten als Bundesfreiwilliger zu einem wertgeschätzten Teil des Teams geworden

Von Henri Hoschar, Wolfratshausen

In der Corona-Pandemie schlägt die Stunde von André Mitschke. Der 18-Jährige sei zu "einem der wichtigsten Mitarbeiter geworden", der junge Waldramer sei nicht nur eine große Hilfe, "sondern auch ein Mutmacher für das ganze Team": Nicht das einzige überschwängliche Lob, das die Vorsitzende des Badehaus-Vereins Sybille Krafft über Mitschke äußert, der derzeit seinen Bundesfreiwilligendienst in dem überregional bekannten Waldramer Museum leistet. Am Montag war die Hälfte der Dienstzeit geschafft, was die Badehaus-Verantwortlichen und der 18-Jährige zum Anlass nahmen, Rückschau und Ausblick zu halten.

Mitschke war bereits vor seinem Einstand als Bundesfreiwilliger im Badehaus kein Unbekannter: Mehr als ein Jahr lang hatte sich der gebürtige Wolfratshauser da schon ehrenamtlich im Museum engagiert. Da er in der Schule bei Theaterveranstaltungen für die Beleuchtung verantwortlich gewesen ist, konnte er dem Team des Badehauses bei deren zahlreichen Veranstaltungen sofort helfen. Dabei lernte er auch die damalige Bundesfreiwillige Kristina Tschamler kennen, die ihn auf die Idee brachte, sich als Nachfolger zu bewerben. Unmittelbar nach dem Abitur, das Mitschke in Icking abgelegt hat, begann er seinen Dienst in Waldram. Seine Halbzeit-Bilanz fällt durchweg positiv aus: Er habe schnell

Verantwortung übernehmen und auch eigene Ideen einbringen können. Das liege auch daran, dass er sich neben Beleuchtung auch mit Kameraarbeit sowie Schnitt- und Tontechnik auskenne. Diese Kenntnisse machen ihn während der Pandemie unersetzlich, da momentan nur Online-Ausstellungen möglich sind. Trotzdem ist der 18-Jährige nicht nur an der digitalen Präsenz des Badehauses beteiligt: Zu einem Höhepunkt seiner bisherigen Arbeit zähle er schon jetzt eine Dienstreise nach Frankfurt, auf der er für das Projekt "Lebensbilder" Zeitzeugen aus dem DP-Lager Föhrenwald interviewt hat.

Weil Mitschke in kurzer Zeit zu einem solch wichtigen Mitglied des Teams geworden ist, würde ihn Krafft am liebsten "gar nicht mehr gehen lassen". Für die Zukunft strebt der junge Mann jedoch ein Chemie-Studium an. Dieses Jahr steht noch Mitschkes Verabschiedungsabend an, den die Bufdis traditionell selbst gestalten. Mitschke, der sich fünf Jahre in der Flüchtlingsnachhilfe engagiert hat, möchte den Abend ganz zum Thema Migration gestalten. Auch nach seiner zeit als Bundesfreiwilliger will er dem Badehaus erhalten bleiben und weiter ehrenamtlich an dem Projekt mitwirken.

© SZ vom 19.01.2021
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