Grüne Pracht Es wächst was zusammen

Zusammen für die Gemeinschaft gärtnern die Münsinger Gartenbauvereinsvorsitzende Regina Reitenhardt (re.) und ihre Stellvertreterin Anke Mai.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Im neuen Münsinger Gemeinschaftsgarten pflanzen 17 Aktive auf ihren Parzellen ihre eigenen Tomaten, Salat oder Kräuter an. Der Gartenbauverein will mit dem Projekt auch Wissen austauschen und weitergeben

Von Benjamin Engel, Münsing

An die gemeinsame Gemüseernte mit ihrer Großmutter im Garten erinnert sich Regina Reitenhardt gerne. Und die Hochzeit steht jetzt erst bevor. Noch hängen grüne Tomaten dicht an den Stauden im Gemeinschaftsgarten des Münsinger Gartenbauvereins am Hang direkt hinter dem Stadl im Osten des Dorfes. Salate warten darauf, geerntet zu werden. Boretsch und Ringelblumen wachsen neben Basilikum. Gemeinsam mit ihrer Stellvertreterin Anke Mai geht die 55-jährige Vereinsvorsitzende Reitenhardt von Beet zu Beet. Als sie ein paar Blätter einer Pflanze pflücken und zwischen den Fingern zerreiben, steigt Pfefferminzgeruch auf. 18 Beete zu je neun Quadratmetern sind es bisher. Die sind alle belegt, doch für kommendes Jahr ist eine Erweiterung geplant.

Das Münsinger Projekt ist beispielhaft für die Renaissance des Gärtnerns auch im Landkreis. Von Kochel am See, Bad Tölz bis Wolfratshausen gibt es bereits Gemeinschaftsgärten. Für die Verwaltungswirtin Reitenhardt ist der Ertrag eher zweitrangig. "Der Garten ist Mittel zum Zweck, Wissen auszutauschen", erklärt sie. In Münsing seien 17 Personen beteiligt, der Älteste 76 Jahre alt. Darunter seien auch viele, die keinen eigenen Garten hätten oder neu zugezogen seien. Alle Parzellen seien derzeit belegt, vier davon nutze der Gartenbauverein für eigene Projekte. Ein Interessent stehe schon auf der Warteliste. "Wenn sich der Garten dieses Jahr bewährt, werden wir aber erweitern", sagt Reitenhardt.

Mit dem Stichwort "Gemüse ohne Kilometer" beschreibt Anke Mai die Grundidee hinter dem Gemeinschaftsgarten. Wer selbst anbaue, gehe bewusster mit dem Gepflanzten um. Er wisse, wie viel Arbeit er hineingesteckt habe, müsse lernen, das Gemüse zu verwerten und haltbar zu machen. Schnell entwickelten sich im Gemeinschaftsgarten Gespräche über das Saatgut und die besten Anbaumethoden.

Nur biologisches Saatgut darf in Münsing verwendet werden. Der Einsatz chemischer Pflanzenschutz- und Düngemittel ist verboten. Das Wasser zum Gießen wird über die Regenrinne des Stadls in zwei großen Blechkanistern gesammelt. Auf die Beete wurden Muttererde und zum Düngen abgelagerter Pferdemist aufgetragen.

Unter den Gartenbauvereinen im Landkreis sieht Reitenhardt das Münsinger Projekt in einer Vorreiterrolle. Ziel sei es, verloren gegangenes Wissen wiederzuerlangen und sich generationenübergreifend auszutauschen. Außerdem habe sie das Angebot des Vereins erweitern wollen.

Der Weg zum Gemeinschaftsgarten war im wahrsten Wortsinne steinig. Ein Jahr suchte der Gartenbauverein nach einem geeigneten Platz. Schließlich überließ ein Landwirt das mit Gestrüpp überwucherten Hanggrundstück. Aus dem Boden mussten die Helfer unzählige Kieselsteine ausbuddeln. Soweit es ging schnitten sie das Areal selbst aus. Die mit Holzbrettern abgegrenzten Parzellen sind terrassenförmig am Hang angeordnet. Um den Boden so zu modellieren, wurde eine Firma beauftragt. Weitere Unternehmen aus dem Ort haben den Gartenbauverein unterstützt. Jede Parzelle hat neun Quadratmeter. Die Hobbygärtner zahlen dafür 13,50 Euro im Jahr. Und wenn Mai und Reitenhardt von der Bank an der Stadlwand auf den Hang schauen, genießen sie die Ruhe und den Blick auf die blühenden Beete. "Wir sind stolz, dass es sich so gut entwickelt hat." Nun würden sie sich nur noch wünschen, dass mehr Familien mitmachen.