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Kindermusical mit 120 Beteiligten:Es lebe das Gespenst!

Die Kinder leben ihre Rollen ganz aus: Mia Meister als Burgfräulein Bö (links), Max Hellweg als Ritter Rost (rechts).

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Die Musikschule Wolfratshausen bringt mit spürbarer Spielfreude "Ritter Rost" auf die Bühne der Loisachhalle.

Von Franziska Ulrich

Der Mitternachtsgong ertönt, und ein in weiße Tücher gehülltes Gespenst schwebt auf die Bühne. Die großen schwarz umrundeten Augen scheinen aus dem runden, weiß bemalten Gesicht zu springen und streifen über das Publikum. Das Gespenst öffnet den roten Mund, und eine klare, hohe Stimme dringt in jeden Winkel des Raums. "Wenn die Turmuhr zwölfe schlägt und der Sarg sich bewegt", singt das Gespenst und lockt Kinder in leuchtenden Skelettanzügen aus ihren Gräbern. Schatten von Untoten werden auf die Bühnenleinwand geworfen.

Tosender Beifall dringt nach dem Auftritt des Gespensts aus dem bis dahin totenstillen Publikum am Mittwochabend in der Loisachhalle. Die Wolfratshauser Musikschule unter der Gesamtleitung von Yoshihisa Matthias Kinoshita hat das Kindermusical "Ritter Rost und das Gespenst" aufgeführt. 120 Kinder und Jugendliche haben sich an dem Projekt beteiligt. Die zehn doppelt besetzten Hauptrollen wurden von Dritt-und Viertklässlern aus dem Chor der Musikschule gespielt. Begleitet wurden sie vom Musikschulorchester und einer kleinen Band.

Die Kinder erzählen dem Publikum die Geschichte eines obdachlosen Gespensts, das auf der Burg des feigen, aber eingebildeten Ritters Rost auftaucht. Mit dem Hausdrachen Koks veranstaltet das Gespenst in Abwesenheit von Ritter Rost eine Gespenstershow, die zahlreiche Ritter und den König Bleifuß zur Burg lockt. Währenddessen reitet Ritter Rost mit dem Burgfräulein Bö zu den Burgen der Ritter, um diese zu Wettkämpfen einzuladen. Als sie zurückkehren, findet ein großes Ritterturnier auf der Burg von Ritter Rost statt.

Die Kinder begeben sich ganz in ihre Rollen, dabei helfen ihnen die Kostüme, die Sigrid von Kracht liebevoll und aufwendig gestaltet hat. Jedes Kind beeindruckt das Publikum auf seine eigene Art und Weise. Maxi Widera rappt in seiner Rolle als Ratzefummel, dem Schreiber von König Bleifuß. Er ist bis auf den Kopf mit grauem Schaumstoff bedeckt und ähnelt tatsächlich einem Radiergummi. Mutig tanzt und singt auch Alexander Fehlhaber in der Rolle des Drachen Koks; von dem überdimensional großen Drachenkopf aus Pappmasché, den er aufhat, lässt er sich nicht beirren. Und auch Mia Meister als Burgfräulein Bö, Max Hellweg als Ritter Rost, Johanna Seemann in der Rolle des Königs Bleifuß, Julius Lehmann als Postbote und die Schauspieler der drei Ritter gehen in ihren Rollen auf. Herausragend gut und mit erkennbarem Spaß am Spiel: die zehnjährige Maren Rüttinger als Gespenst. "Es war toll, ich musste viel tanzen und singen, und das hat mir gefallen", sagt sie.

Die Hauptdarsteller haben schon Monate vorher mit den Proben für das Musical begonnen, gegen Ende kamen sie dazu sogar fünfmal pro Woche zusammen. Heinrich Zapf hat Regie geführt. Ihn habe die Geschichte mit dem Gespenst und dessen Wandlung in den schwarzen Ritter in Gestalt von Darth Rader fasziniert, sagt er. Und: "Das Solo des Gespensts hat mich berührt." Er findet es eindrucksvoll, "wenn man sieht, was aus den Kindern rauskommt, wie sie in eine Rolle wachsen und Formen annehmen, die man nicht erwartet hat". Allein deswegen habe sich der Aufwand schon gelohnt, sagt der Regisseur.

© SZ vom 21.07.2017
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