Luxuriös, teuer, überaltert, elitär und vor allem: „Golf frisst Natur“. Das sind die überwiegend herrschenden Vorurteile über Golfplätze. Ob die ersten vier Klischees stimmen, sei dahingestellt. Sicher aber ist, dass der Golfsport seit Jahren große Anstrengungen unternimmt, um ökologischer zu werden. Eines der Projekte dafür ist der „Blühende Golfplatz“ – eine Auszeichnung, die das bayerische Umweltministerium zusammen mit dem Landesbund für Vogelschutz (LBV) und dem Bayerischen Golfverband (BGV) vergibt. Gerade wurden die Urkunden und Plaketten für dieses Jahr an sieben Clubs ausgehändigt, darunter der Riedhof bei Egling im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen sowie die Golfklubs Feldafing und Wörthsee (Landkreis Starnberg).
Eine Graugans watschelt vom Rasen zum Teich, eine Schar von Jungen wackelt ihr hinterher. In den blühenden Kirschbäumen zwitschern Amseln, Blaumeisen und ein Rotkehlchen. Das Ufer des Teichs ist schilfbewachsen, dahinter öffnet sich das Panorama einer vor Grün nur so strotzenden Parklandschaft. Der Riedhof bewirtschaftet nach Auskunft seines Klubmanagers Kariem Baraka nur 30 Prozent der 60 Hektar großen 18-Loch-Anlage intensiv, der Rest werde extensiv gepflegt. Barakas Stellvertreter Tim Graf leitet hier das Projekt „Nachhaltigkeit“. Mit Stolz führt er zu einigen ökologisch besonders bedeutenden Standorten. Der Magerrasen etwa wird nur zweimal im Jahr gemäht, und das noch dazu in sogenannter Streifenmahd, damit Rückzugsräume für Insekten, Jungvögel und Kleinsäuger erhalten bleiben. Externe Landwirte übernehmen das und räumen auch das Mähgut ab. Das ist Bedingung, damit der Boden extrem nährstoffarm bleibt und sich die typische Artenvielfalt entwickelt, etwa mit Wildkräutern wie Salbei oder Thymian und Wiesenblumen wie Kartäusernelke, Margarite und Glockenblume.

Eine „richtig schöne Orchideenwiese“ habe sich auf diese Weise auch beim Golfclub Isarwinkel in Bad Tölz entwickelt, schwärmt Sabine Tappertzhofen, Leiterin der LBV-Kreisgeschäftsstelle Bad Tölz-Wolfratshausen. Die diplomierte Biologin weiß um die Anstrengungen vieler Golfklubs, ihre Plätze biodiversitätsreich zu gestalten. „Golfplätze sind halboffene Landschaften“, sagt sie, „und haben viel Potenzial.“ Wenn nur ein kleiner Teil intensiv bewirtschaftet werde, könnten Altgrasstreifen entstehen, „die man in freier Natur fast gar nicht mehr hat“. Kleinräumige und vielgestaltige Plätze schafften Habitate für Insekten, Heuschrecken, Tagfalter und damit Lebensraum für Vögel und all jene Arten, die in der intensiv genutzten Kulturlandschaft kaum noch Rückzugsräume finden.
Auf dem Riedhof wird dies in einem eigenen Vorhaben untersucht. Der Klub nimmt seit 2024 an dem sechsjährigen bundesweiten Forschungsprojekt „GolfBiodivers“ teil, das von der Technischen Universität München (TUM) und den Universitäten Freiburg, Münster und Kiel wissenschaftlich begleitet wird. Ziel ist die ökologische Aufwertung, das Monitoring und die Kommunikation von Biodiversität auf Golfanlagen. Auf der Homepage heißt es dazu: „Das Projektteam GolfBiodivers attestierte uns bei einer ersten Bestandsaufnahme im Juni, dass der Standort die artenreichste Fläche in ganz Deutschland gewesen ist, welche das Team über die letzten zwei Jahre ausgewertet hat.“

Sehen kann man dies am Riedhof zum Beispiel an einem Insektenhotel mit dem Hinweisschild „Leben. Natur. Vielfalt“. Hier wird untersucht, wie Wildbienen die Nisthilfe annehmen. Eine kurze Entfernung zu geeigneten Futterpflanzen sei besonders wichtig, heißt es da. Und dass Wildbienen bis zu 1000 Blütenbesuche benötigen, um Pollenvorrat für einen einzigen Nachkommen zu sammeln. Gezeigt wird auf der Tafel als Beispiel die Gehörnte Mauerbiene, die ihre Brutzellen in acht bis neun Millimeter breiten Röhren anlegt. Sie nutzt laut Wikipedia ein breites Spektrum frühblühender Pflanzen – von Blaustern und Lerchensporn über Weiden und Obstbäume bis hin zu Primeln und Hyazinthen.

Das Bewusstsein von Golferinnen und Golfern für Ökologie hat nach dem Eindruck von Dorothee Güring deutlich zugenommen. Düring ist Anlagenleiterin des Golfclubs Bergkramerhof. Der malerisch über Wolfratshausen liegende Platz werde nach wie vor ohne chemische Pestizide und Fungizide bewirtschaftet, erklärt sie. Vor wenigen Jahren hatte der damalige Leiter Josef Hingerl unter dem Druck des Gesundheitsamts damit geworben, dass der Bergkramerhof „der erste Bio-Golfplatz“ sei. Er liegt nämlich zu Teilen im Wasserschutzgebiet. Es werde heute noch regelmäßig von den Aufsichtsbehörden überprüft, dass keine Chemie ins Grundwasser gerät, sagt Dorothee Düring. „Die Pflege ist zu hundert Prozent ökologisch.“ Die Greens und Fairways – die sehr kurz gemähten Zielflächen rund um das Loch und die kurz gehaltenen Spielbahnen – würden ausschließlich mit pflanzlichen, abbaubaren Substanzen behandelt. Der Bergkramerhof wurde im vergangenen Jahr als „Blühender Golfplatz“ ausgezeichnet und hat Bronze-Status im Programm „Golf und Natur“, an dem man aber erst seit 2023 beteiligt sei.
Der Golfclub Isarwinkel hat im Jahr 2009 ebenfalls mit Bronze begonnen, aber inzwischen bewiesen, dass die These der Biologin Tappertzhofen, Golfplätze hätten Potenzial, zutrifft. Die Isarwinkler können stolz verkünden: „Seit 2013 erhielten wir als erste 9-Loch-Anlage die Rezertifizierung in Gold.“
Mit dem Zertifikat „Golf und Natur“ wurden deutschlandweit bereits 164 Golfanlagen ausgezeichnet, die meisten davon in Bayern. Zumindest für all diese lässt sich wohl sagen: Golf schafft Natur und frisst sie nicht.

