Gleichberechtigung:"Häufig ein ziemlicher Old Boys Club"

30 Jahre Grüne im Bundestag

Ein komplett weiblicher Vorstand? Bei den Grünen gab es das schon 1984. Mitglieder waren (hintere Reihe v. links) Waltraud Schoppe, Annemarie Borgmann und Erika Hickel, dazu (vorne von links) Christa Nickels, Antje Vollmer und Heidemarie Dann.

(Foto: dpa)

Annette Heinloth über den Kinofilm "Die Unbeugsamen" und die Frage, warum es Frauen immer noch schwer haben, in der Lokalpolitik Fuß zu fassen

Von Veronica Bezold, Wolfratshausen

Vergangenen Sonntag spielte "Die Unbeugsamen" im Wolfratshauser Kino. Der Film von Regisseur Torsten Körner erzählt die Geschichten politischer Frauen der Bonner Republik. Ständig mussten sich diese gegen machthungrige Männer und konservative Rollenbilder durchsetzten. Annette Heinloth (), Dritte Bürgermeisterin der Stadt Wolfratshausen, weiß, wie schwierig das gewesen sein muss.

SZ: Was gefällt Ihnen am Film "Die Unbeugsamen"?

Heinloth: Der Film war einfach gut gemacht. Es gab sehr schöne, chronologisch sortierte Originalbeiträge, sodass man die ganze Historie gut nachvollziehen kann. Einiges davon war auch mir noch nicht bewusst.

Warum ist eine angemessene politische Repräsentation von Frauen so wichtig?

Männer und Frauen leben oft in verschiedenen Lebenswelten und sammeln ganz unterschiedliche Erfahrungen. Eine Demokratie funktioniert nur, wenn diese durch die demokratischen Entscheidungstragenden auch abgebildet werden. Das passiert nicht, solange nur ein geringer Teil davon Frauen sind. Deshalb ist Parität in Parlamenten so wichtig.

Gleichberechtigung: Annette Heinloth ist Dritte Bürgermeisterin in Wolfratshausen.

Annette Heinloth ist Dritte Bürgermeisterin in Wolfratshausen.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Auf welche Probleme stoßen Frauen in der Kommunalpolitik?

Damit man in die Kommunalpolitik kommt, muss man erst einmal auf einer Liste erscheinen. Das ist das Zugangstor. In manchen Parteien wird quotiert, wodurch sichergestellt wird, dass diese Listen paritätisch besetzt werden. Wo das nicht der Fall ist, müssen Frauen um die oberen Plätze kämpfen, und das passiert häufig einfach nicht. Oft gilt das Senioritätsprinzip: Wer lang dabei ist, steht oben- und das ist in entsprechenden Verbänden häufig ein ziemlicher "Old Boys Club". Ist man dann einmal auf der Liste, muss man ja auch gewählt werden und in unserer Gesellschaft gelten immer noch bestimmte Rollenbilder. Nach wie vor wird deshalb meist Männern die Zuständigkeit für Politik zugeschrieben und das beeinflusst auch das Wahlverhalten. Man traut ihnen häufig mehr Leadership-Fähigkeiten und Kompetenzen zu. Frauen stellen ihr Licht häufiger unter den Scheffel. Das sind einfach unsere Sozialisationserfahrungen und hat nichts mit Genetik zu tun.

Bekommen auch Sie diese Probleme in Ihrem Alltag zu spüren?

Als Frau in der Kommunalpolitik muss man sich schon stärker beweisen. Man hat keinen automatischen Vertrauensvorschuss, sondern muss ihn sich erarbeiten. Deshalb ist man oft in der Beweisschuld zu belegen, dass man auch tatsächlich Ahnung von etwas hat. Manchmal ist das anstrengend.

Haben Sie Hoffnung, dass sich die politische Situation und Repräsentation von Frauen verbessern wird?

Ich hoffe ganz stark, dass es bei der Wählerschaft jetzt ein größeres Bewusstsein für die Wichtigkeit von paritätisch besetzten Gremien gibt. Wir hatten jetzt 16 Jahre lang eine Bundeskanzlerin. Ich glaube schon, dass das gezeigt hat, dass Frauen einen machtvollen Job in der Politik auch über eine längere Zeit machen können.

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