Pandemie und Gesundheit"Es ist schlimm, zu sehen, dass Patienten Corona leugnen und Tage später beatmet werden müssen"

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Laura Varaljai (li.) und Stephanie Müller sind mit dem Staatspreis der Regierung von Oberbayern ausgezeichnet worden. Beide versuchen, Beruf und Freizeit zu trennen, um mit den Belastungen umgehen zu können.
Laura Varaljai (li.) und Stephanie Müller sind mit dem Staatspreis der Regierung von Oberbayern ausgezeichnet worden. Beide versuchen, Beruf und Freizeit zu trennen, um mit den Belastungen umgehen zu können. (Foto: Christopher Horn/oh)

Laura Varaljai und Stephanie Müller haben ihre Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin in Bad Tölz mit Bestnote abgeschlossen. Ein Gespräch über Belastungen, Motivation und die Erfolgsformel in der Ausbildung

Interview von Julia Graber , Bad Tölz

2100 Stunden Theorieunterricht sowie um die 2500 Stunden fachpraktische Ausbildung - so umfangreich war das Pensum für die 20 Absolventinnen und Absolventen der dreijährigen Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger an der Pflege-Berufsfachschule der Asklepios Krankenpflegeschule. Kürzlich wurden sie verabschiedet. Besonders die beiden Jahrgangsbesten Laura Varaljai (20) und Stephanie Müller (23) können sich freuen: Die Regierung von Oberbayern zeichnete beide aufgrund ihrer Bestnoten mit dem Stadtklinik, Felix Rauschek, sowie der Tölzer Bürgermeister Ingo Mehner (CSU) überreichten die Auszeichnung. Varaljai und Müller starten nun ihr Berufsleben auf der Intensivstation in Bad Tölz.

SZ: Frau Varaljai, Frau Müller, was bedeutet es, den Bayerischen Staatspreis der Regierung von Oberbayern zu erhalten?

Stephanie Müller: Ich bin stolz auf mich. Ich habe viel Arbeit in die Ausbildung gesteckt, um gute Noten zu erhalten. Als Preis haben wir jeweils 75 Euro von der bayerischen Regierung erhalten. Vom Café Schuler bekamen wir die Pralinen "Tölzer Prügel".

Laura Varaljai: Ich finde, da sieht man den Erfolg, was man in den letzten Jahren geschafft hat. Es ist ein Riesenlob der Regierung, der Schule und der Geschäftsführung. Man kann stolz auf sich sein. Dieser gute Abschluss kommt nicht jeden Tag vor.

Warum haben Sie sich für eine Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin entschieden?

Müller: Ich habe erst ein FSJ (Freiwilliges Soziales Jahr, Anm. d. Red.) in der Pflege gemacht. Da habe ich gemerkt, dass die Arbeit sehr vielfältig ist. Hier sieht man die medizinische und soziale Komponente, hat aber auch den Kontakt mit den Menschen und was hinter ihnen steht. Man sieht nicht nur die Diagnose, sondern auch, wie sie privat sind. Ich finde die Arbeitszeiten gut, auch den Schichtdienst.

Varaljai: Viele aus meiner Familie arbeiten im medizinischen Bereich. Ich habe mit 13 Jahren ein Praktikum im Krankenhaus in Bad Tölz gemacht. Das war ausschlaggebend um zu wissen, es ist das Richtige für mich.

Welche Fähigkeiten bringen Sie für diesen Beruf mit ?

Müller: Ich denke, dass ich belastbar bin; das ist wichtig in dem Beruf. Auch mit Blick auf den Schichtdienst und die psychischen Belastungen. Zudem verfüge ich über Empathie. Ich kann gut mit Menschen umgehen, weil ich eine ruhige Art habe. Das hilft den Patienten, denke ich.

Varaljai: Ich finde, man braucht sehr, sehr viel Geduld, da wir die verschiedensten Patienten haben. Aber man muss auch verständnisvoll sein. Der Humor ist wichtig, sonst kommt man an manchen Tagen nicht durch.

Gab es Momente, in denen Sie alles hinschmeißen wollten?

Müller: Ich muss sagen, dass ich meistens relativ zufrieden bin. Aber es gab Tage, da war alles stressig und da dachte ich mir, warum mache ich das eigentlich? Aber es hilft, wenn man mit den Kollegen drüber reden kann.

Varaljai: Es gab wirklich brutale Tage, an denen ich noch nicht mal auf die Toilette gehen konnte. Da rannte ich acht Stunden durch. Aber auch an diesen Tagen wollte ich nicht hinschmeißen.

Wie gelang Ihnen dieser sehr gute Abschluss?

Müller: Ich habe von Anfang an mitgelernt, das war wichtig. Die Pflege interessiert mich, das war einfacher zu lernen, als beispielsweise Physik in der Schule.

Varaljai: Das Interesse ist die halbe Miete. Ich habe gar nicht so viel gelernt. Ich habe mich dafür interessiert und viel auf der Station mitgenommen. Aber auch der Unterricht war super.

Wie ist Ihre Meinung zur Generalisierung des Pflegeberufs?

Müller: Ich finde es gut, wenn man sich Gedanken macht, wie die Berufsausbildung entwickelt werden kann. Aber es war eine Belastung für die Schulen, alles umzustellen, denke ich. Wenn man zuvor im Krankenhaus ist und dann in die Altenpflege geht, dann entscheiden sie viele für das Krankenhaus.

Varaljai: Ich finde es einerseits gut. Man lernt viele Bereiche kennen: Krankenhäuser, Altenheime oder Kinderkliniken. Kinderkliniken haben wir auch gemacht, aber nicht so detailliert. Da kann man dann besser entscheiden. Aber ich glaube, die Altenpflege wird so benachteiligt. Dort wird es zu einem Personalmangel kommen, denke ich.

Wie empfinden Sie die Corona-Proteste?

Müller: Ich finde es gut, wenn sich Menschen kritische Gedanken über die Impfung machen. Aber man hat ja gesehen, wie viele Menschen in den letzten zwei Jahren im Krankenhaus sind oder dort sterben. Es gab viele Ängste zur Corona-Impfung. Impfschäden treten aber auch bei anderen Impfungen auf. Bei vielen ist es ein generelles Dagegensein. Denn wenn Menschen Urlaub machen und etwa nach Südafrika fliegen, lassen sie sich auch Reiseimpfungen, beispielsweise gegen Tollwut, geben.

Varaljai: Ich finde es wirklich krass, das zu sehen. Ich arbeite im Krankenhaus und sehe jeden Tag, was da abgeht. Wir erleben es auf der Intensivstation. Es ist schlimm, zu sehen, dass Patienten Corona leugnen und Tage später beatmet werden müssen. Alle Impfungen bringen Risiken mit sich. Das Risiko der Spätfolgen besteht immer.

Was machen Sie denn gerne in Ihrer Freizeit?

Müller: Ich gehe total gerne in die Berge. Wandern oder Skifahren, das ist mein Ausgleich.

Varaljai: Ich fahre auch total gerne Ski und bin viel in der Natur unterwegs und gehe spazieren. Das ist ein sehr guter Ausgleich.

Wie gehen Sie mit den psychischen Belastungen um?

Müller: Für mich ist es wichtig, Freunde zu treffen, ins Café oder Kino zu gehen. Und mal nicht an die Arbeit zu denken. In den Bergen kann ich aber auch gut abschalten.

Varaljai: Ich finde, man muss sich nach der Arbeit ablenken. Ich versuche Arbeit und Privatleben zu trennen. Nach dem Dienst spazieren zu gehen, bringt viel, um herunter zu kommen. Aber auch mit Kollegen darüber zu sprechen, wenn einen was belastet, hilft super.

© SZ vom 01.02.2022 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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