Geschichte und Gegenwart im Oberland:Mit Weibsbildern durchs Jahr

Geschichte und Gegenwart im Oberland: Frauen ein Gesicht geben: Dieses Ziel verfolgt der Historische Verein mit seinem Projekt "Weibsbilder".

Frauen ein Gesicht geben: Dieses Ziel verfolgt der Historische Verein mit seinem Projekt "Weibsbilder".

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Arbeitsgruppe des Historischen Vereins porträtiert geschichtlich interessante Wolfratshauser Frauen.

Von Felicitas Amler

Es gibt sie natürlich, auch wenn man sie im Straßenbild nicht findet: Frauen, die in Wolfratshausen Geschichte gemacht haben. Unspektakulär zumeist. Und doch: Von der Bäuerin bis zur Widerstandskämpferin, von der Königstochter bis zur Mutter einer kinderreichen Vertriebenen-Familie reicht das Spektrum an Frauen-Schicksalen, die eine Arbeitsgruppe des Historischen Vereins Wolfratshausen gerade erforscht. Unter dem Titel "Weibsbilder" wollen die mehr als vierzig Rechercheurinnen und Rechercheure 50 Frauenleben schildern und am Ende in einer Ausstellung im öffentlichen Raum dokumentieren.

Die Initiative wurde im Frühjahr ausgelöst durch einen Vorstoß Wolfratshauser Stadträtinnen. Am Internationalen Frauentag hatten Gerlinde Berchtold, Annette Heinloth, Ulrike Krischke, Jennifer Layton, Assunta Tammelleo und Susanne Thomas am Kathi-Kobus-Weg demonstriert, dass dies die einzige unter 185 Straßen in der Stadt ist, die nach einer Frau - einer Gastronomin - benannt wurde. Kurz darauf gründete sich die Arbeitsgruppe "Weibsbilder".

"Wir begeben uns auf Spurensuche nach interessanten Frauen in der 1000-jährigen Geschichte Wolfratshausens", erklärte die Vorsitzende Sybille Krafft dazu. Es gehe nicht um Straßennamen. "Wir wollen das Ganze breiter fassen und alle zu einer Entdeckungsreise einladen. Wir forschen nach interessanten Frauen, die etwas Bemerkenswertes geleistet oder ein außergewöhnliches Schicksal erfahren haben - egal in welchem Jahrhundert."

Nun hat die Gruppe bei einem Fototermin schon einmal gezeigt, was sie in Arbeit hat. Krafft erklärte, 50 Frauen "quer durch die Jahrhunderte" würden beschrieben. Als Beispiel nannte sie die niederländische Widerstandskämpferin Willemijn Petroff-van Gurp (1918 - 2021). Sie war die älteste Überlebende des KZ Dachau, genauer des Außenlagers AGFA-Werke. Von dort wurde sie auf einem der berüchtigten Todesmärsche Richtung Süden bei Wolfratshausen befreit und mit als eine der ersten Displaced Persons in das ehemalige Rüstungsarbeiterlager Föhrenwald gebracht, wo sie erstmals wieder Freiheit erlebte.

Unter den "entdeckten" Frauen seien Bäuerinnen und Mütter genauso wie Intellektuelle und Geschäftsfrauen, sagt Krafft. Es gehe um "die Geschichte des weiblichen Teils der Wolfratshauser Bevölkerung", so die Historikerin. "Frauen haben durch alle Jahrhunderte genauso die Geschicke dieser Stadt mitgeprägt." Dazu zählt sie auch Mathilde von Habsburg (1253-1304), älteste Tochter von Graf Rudolf IV. von Habsburg, später römisch-deutscher König, und Ehefrau von Ludwig dem Strengen, Herzog von Oberbayern und Pfalzgraf bei Rhein. Sie habe zeitweise, so Krafft, auf der Wolfratshauser Burg gelebt.

Die Biografien der 50 Frauen sollen zu einem "immerwährenden Geburtstagskalender" zusammengefügt werden, erklärt Krafft, "für jede Woche ein Kalenderblatt". Und da das Jahr 52 Wochen hat, noch ein Blatt zum Internationalen Frauentag und eines über den Historischen Verein Wolfratshausen.

Die Hälfte der Frauen soll in Gestalt lebensgroßer Silhouetten im öffentlichen Raum - quer durch alle Wolfratshauser Stadtteile - sichtbar gemacht werden. Und zum Abschluss des Projekts entsteht in Zusammenarbeit mit der Kunstlehrerin Eva Maria Wawatschek und deren elfter Klasse am Gymnasium Sankt Matthias in Waldram eine Ausstellung zum Internationalen Frauentag.

© SZ vom 02.08.2021
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB