Geschichte in Bad Tölz:Denkmalschutz und verwirrende Hausnummern

Historischer Verein Bad Tölz

Von links: Stadtarchivar Sebastian Lindmeyr, Zweiter Bürgermeister Christof Botzenhart und Vereinsvorsitzender Claus Janßen stellten die Agenda vor.

(Foto: Manfred Neubauer)

Nach der coronabedingten Pause will sich der Historische Verein in Bad Tölz neuen Projekten widmen

Von Klaus Schieder, Bad Tölz

Der Historische Verein für das Bayerische Oberland aus Bad Tölz hat sein Zuhause verloren. Vor der Corona-Pandemie trafen sich die Mitglieder stets im Nebenzimmer das Gasthauses Zantl, wo die alten Porträtgemälde an den Wänden und die niedrige Decke ein passendes Ambiente für ihre Beschäftigung mit der Stadtgeschichte boten. Aber das Gasthaus unterhalb der Mühlfeldkirche ist nach dem zweiten Lockdown nicht mehr geöffnet, und noch steht in den Sternen, ob sich das je wieder ändert. Der Historische Verein, der zurzeit 101 Mitglieder zählt, kam zu seiner Jahresversammlung am Montag deshalb im Gasthof Metzgerbräu an der Stadtpfarrkirche zusammen. "Wir haben hier eine neue Heimat gefunden", sagte Vorsitzender Claus Janßen. Nach dem Abschluss des Straßennamen-Projektes kündigte er an, die oft verwirrende Hausnummerierung in Tölz in den Blick zu nehmen.

Zwei Jahre lang hatte eine Arbeitsgruppe mit dem Historischen Verein und dem Stadtarchiv recherchiert, um auf 191 Tafeln mit jeweils 200 Zeichen die Herkunft oftmals rätselhafter Straßennamen zu erläutern. Eine mühsame Detektivarbeit, die sich die Stadt rund 27 000 Euro kosten ließ. "Das war ein Kraftakt", sagte Christof Botzenhart, zweiter Vorsitzender des Vereins und Dritter Bürgermeister (CSU). Man überlege nun noch, eine Broschüre mit einer Zusammenfassung der kurzen Texte herauszubringen. Schließlich laufe ja kaum jemand durch Bad Tölz, um all die neuen Zusatzschilder zu studieren, so Botzenhart. Auf ähnliche Weise will sich der Historische Verein nun mit den Hausnummern befassen. Im Badeteil sei zum Beispiel von 1850 an immer weiter hinzugebaut worden, sagte Janßen und fügte scherzhaft an, dass ein Haus schon mal die Nummer 302 2a 3/4 trage. Um nachzuforschen, benötige man zunächst Pläne des Vermessungsamtes und auch alte Fotos. "Wir werden ab Januar schauen, wie wir diese Sache angehen und wer mitmachen möchte."

Ebenfalls am Herzen liegt dem Vereinsvorsitzenden der Erhalt alter Baudenkmäler in Bad Tölz. Janßen sieht den Historischen Verein dabei als Erbe des Münchner Architekten Gabriel von Seidl, der einst die Eigentümer in der Marktstraße dazu gebracht hat, die Giebel ihrer prächtigen Häuser zu erhalten. Das Thema Denkmalschutz sei sehr komplex und emotional, so Janßen. Aber man sehe, dass es viele Veränderungen an den Häusern in Tölz gebe. "Wir brauchen Informationen und Ziele." Dem Verein gehe es darum, den Hausbesitzern zu helfen. Viele von ihnen seien grundsätzlich offen für den Denkmalschutz, fügte Botzenhart an. Zuweilen fehle es nur an den nötigen Informationen. "Viele sind ja stolz, dass sie so ein Haus haben."

Ehe Corona kam, war das Vereinsleben vielfältig. Dies zeigte Stadtarchivar Sebastian Lindmeyr, der in einem Rückblick auf die vergangenen zwei Jahre nochmals alle Themen der Monatsversammlungen Revue passieren ließ - vom Bayerntag, der 1929 in Tölz stattfand, bis zu prominenten Kurgästen wie die Fürstin Bismarck. Überdies organisierte der Verein die Vortragsreihe mit renommierten Referenten im Stadtmuseum, darunter Schriftsteller Albert von Schirnding und Hermann Rumschöttel, einst Generaldirektor der Staatlichen Archive Bayerns. Ein großer Erfolg waren die alten Filme aus Bad Tölz, die im Oktober 2019 im Capitol-Kino vorgeführt wurden. Das sei die "bestbestückteste Veranstaltung" des Historischen Vereins gewesen, rekapitulierte Stadtarchivar Lindmeyr, der auf die alten Filmrollen aus den 1920er und 1930er Jahren gestoßen war. Damals habe man sogar Leute wieder nach Hause schicken müssen.

Bei der Neuwahl setzten die Mitglieder auf Kontinuität. Vorsitzender Janßen wurde ebenso einstimmig wiedergewählt wie sein Stellvertreter Botzenhart und Schriftführer Lindmeyr. Neuer Kassier ist Stefan Kirschneck.

© SZ vom 15.09.2021
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