Gerichtsverhandlung Angeklagter im Fall Höfen gibt Tat zu

Jakub G. will unter Drogeneinfluss, aber nicht federführend agiert haben. Die Anweisungen habe Robert P. gegeben.

In dem Prozess um den Raubmord in Höfen hat einer der vier mutmaßlichen Täter am Dienstag die Vorwürfe aus der Anklage der Staatsanwaltschaft eingeräumt. Dabei hob der 34-jährige Jakub G. bei seiner Vernehmung vor der Schwurgerichtskammer am Landgericht München II jedoch hervor, dass er bei der Tat im Februar vergangenen Jahres eine eher untergeordnete Rolle gespielt habe. Die Anweisungen habe der mitangeklagte 44 Jahre alte Robert P. gegeben. Dieser habe in allen Phasen gesagt, was zu tun sei. Er, so Jakub G., sowie R.s Neffe, Michal N., der mit auf der Anklagebank sitzt, hätten diese lediglich ausgeführt. Die drei Männer sind unter anderem wegen Mordes an dem 81-jährigen Johannes S. und der 76-jährigen Inge B. angeklagt. Sie waren bei der damals 76 Jahre alten Witwe zu Besuch, als die Täter am 22. Februar nachts in deren Haus eindrangen. Die Witwe überlebte schwer verletzt und war drei Tage später im Heizungskeller des Hauses gefunden worden.

Während seiner Vernehmung durch den Vorsitzenden, Richter Thomas Bott, betonte Jakub G., dass er und die beiden Mitangeklagten schon Tage vor der Tat Marihuana und Ecstasy konsumiert hätten. Die Drogen habe Robert P. spendiert. Im Gegenzug habe dieser erwartet, dass er sich "erkenntlich" zeige und bei der Tat in Höfen mitmache, sagte Jakub G. Er habe gewusst habe, dass der 44-Jährige andernfalls "sauer" auf ihn werden könne.

Zwei Tage vor dem Einbruch in Höfen hatten die Täter das Anwesen der Witwe ausgespäht. Auf der Rückfahrt, so G., habe ihm Robert P. befohlen, auch das Geschäft eines Juweliers in Geretsried auszuspionieren. Darüber sei es zu einem Streit mit dem 44-Jährigen gekommen. Er habe erklärt, sagte G. bei seiner Vernehmung, dass er "mit solchen Sachen nichts zu tun haben" wolle. Später soll Robert P. gesagt haben, dass er den Juwelier überfallen wolle.

Bei der Tat in Höfen habe er nur die Rolle des Fahrers übernehmen sollen, betonte Jakub G. Dies habe er mit Robert P. so ausgemacht. Dieser und Michal N. hätten sich Sturmhauben und Handschuhe besorgt, er dagegen nicht, versicherte der 34-Jährige. Bevor sie in das Anwesen eingedrungen seien, habe Robert P. vorgeschlagen "Speed zu nehmen" - Amphetamine, also. "Das wird uns Kraft geben und wir werden mehr aufgeputscht sein", soll der 44-Jährige zu G. und seinem Neffen, dem 25 Jahre alten Michal N., gesagt haben. Er habe nicht mit in das Haus gehen wollen, beteuerte Jakub G. Erst als ich herausgestellt habe, dass die Witwe zwei Gäste zu Besuch hatte, habe Robert P. zu ihm gesagt, "dass ich auch mit rein muss." Der 44-Jährige soll keinerlei Hehl daraus gemacht haben, dass er jederzeit dazu bereit sei, Gewalt gegen die drei Senioren anzuwenden, um an die Beute zu gelangen.

P. wusste, dass sich im Keller ein Safe mit Geld befand. Davon hatte ihm seine Schwester, die mitangeklagte Malgorzata G. erzählt. Sie hatte den Tresor während ihrer Tätigkeit als Pflegerin in dem Haus der Witwe entdeckt. Nachdem Robert P. diesen gefunden hatte, soll er zu Jakub G. gesagt haben, dass er sich damit nicht zufrieden gebe. Er wolle auch das Gold, das sich in einem Depot im Schlafzimmer im Obergeschoss befinde. Dort schliefen die Witwe und der 81-Jährige Johannes S. Wenn es nötig sei, werde er die Senioren "gerne schlagen", habe Robert P. zu gesagt und hinzugefügt, denn er möge Deutsche nicht. Er werde sich das Geld und das Gold holen, "das die Deutschen den Polen während des Zweiten Weltkrieges gestohlen haben". Die Gewalt, die vor allem von Robert P. ausgegangen sei, habe ihn schockiert, sagte G. Die Kleidung des 44-Jährigen und seines Neffen seien nach der Tat von oben bis unten voller Blutspritzer gewesen.