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Gerichtsprozess:Raubzug im Drogenrausch

Zweiter Verhandlungstag um Überfall auf Lenggrieser Casino

Am Donnerstag ist in der JVA Stadelheim der Prozess um einen Raubüberfall auf ein Spielcasino in Lenggries fortgesetzt worden. Vier Männer zwischen 21 und 28 Jahren sind angeklagt, in den frühen Morgenstunden des 14. Juli 2019 das Casino überfallen zu haben. Anders als von den jungen Männern erhofft, verließen sie das Casino statt mit einer erwarteten Beute von 10 000 Euro nur mit rund 80 Euro für jeden. Am zweiten Prozesstag zeigten sich die Männer geständig.

Wegen der Drogen, die sie konsumiert hätten, seien sie "hochmotiviert" gewesen, sagte der 21 Jahre alte Angeklagte Nicola L. (alle Namen geändert). Die Männer hatten an jenem Abend vor der Tat gemeinsam Spice geraucht; der Angeklagte Giuseppe C. gab zudem an, heimlich im Badezimmer seiner Wohnung ein halbes Gramm Kokain genommen zu haben, weil er es nicht mit den anderen habe teilen wollen. Nicola L., Giuseppe C. und Firat C. saßen zusammen und unterhielten sich über den möglichen Überfalls, der ihnen laut Angaben von Giuseppe C. schon seit einiger Zeit durch den Kopf ging. Denn mehrmals habe Nicola L. geprahlt, bereits erfolgreich ein Casino in Bad Tölz ausgeraubt zu haben.

Es sei sehr einfach, habe er seinen Kumpels erzählt. "Dass ich mich sehr gut auskenne und das schon mal gemacht habe, das stimmt nicht", sagte Nicola L. nun vor Gericht. "Ich wollte ein bisschen angeben an diesem Abend."

Die Männer fassten den Plan, nach Lenggries zu fahren und riefen ihren Bekannten Khaled A.O. an, da dieser ein Auto hatte. Khaled A. O. gesellte sich zu ihnen, rauchte Haschisch, dann stiegen sie maskiert mit einer Machete und einer Gaspistole ausgerüstet ins Auto, wo sie während der Fahrt einen Plan schmiedeten. L. betrat das Casino, wo er zunächst ausspähte, ob noch Menschen dort waren. Der Casinomitarbeiter war bereits dabei aufzuräumen. Also bedrohten die vier Männer ihn und machten "ein bisschen Show" mit der Machete, wie L. es ausdrückte. Bloß konnte der Mitarbeiter den Münzwechsler nicht öffnen. Die Männer mussten sich mit den etwas mehr als 300 Euro aus der Kasse begnügen. In Panik verließen sie daraufhin die Spielhalle. Giuseppe C. und Nicola L. verbrachten den Rest der Nacht trinkend in einem Club, C. verspielte seinen Teil der Beute an einem Automaten. So zumindest erzählten es die beiden Männer am Donnerstag.

Die Freundschaft zwischen den beiden schien im Gerichtssaal jedoch vorbei zu sein. Dass L., der als erster von der Polizei gesucht wurde, sich nun als "braver Junge" hinstelle, "das finde ich schon ein bisschen schwach", sagte C.

© SZ vom 13.11.2020 / mhes

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