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Geretsrieder Politik:Weg vom Altherren-Image

Der Polizist Martin Huber ist neuer Vorsitzender der Geretsrieder CSU und will sie zukunftsfähig machen.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Huber löst Kailberth an der Spitze der Geretsrieder CSU ab

Von Susanne Hauck, Geretsried

Der Generationenwechsel ist eingeläutet: Martin Huber ist am Mittwoch zum neuen Vorsitzenden der Geretsrieder CSU gewählt worden. Groß vorstellen musste sich Huber den Anwesenden in der Corona-konform verlaufenden Präsenz-Versammlung nicht, schließlich ist er ihnen als Orts-Geschäftsführer und Stadtrat bekannt. Der Geltinger ist verheiratet und hat zwei Kinder. Er hat sich die Aufgabe gestellt, den Ortsverband zu verjüngen und zukunftsträchtig umzubauen, ohne dabei Altmitglieder zu verprellen. Dabei könnte seine berufliche Tätigkeit helfen: Als Polizeibeamter im gehobenen Dienst gestaltet er die Öffentlichkeitsarbeit für den Münchner Polizeipräsidenten. Mit mehr Präsenz in sozialen Medien und anderen Mitmachforen als die traditionellen Stammtische will er um junge Leute werben. "Es gibt neben Grün und Gelb auch die CSU", erklärte er. "Das wollen wir beweisen, und wir wollen von dem Ruf weg, dass alte Herren im Hinterzimmer Politik ausbaldowern."

"Martin, wir brauchen mehr Jugend", legte ihm auch sein Vorgänger Ewald Kailberth angesichts eines Altersdurchschnitts von 58 Jahren in der Geretsrieder CSU ans Herz. Kailberth tritt nach zehn Jahren als Ortsvorsitzender und 18 Jahren als Geschäftsführer in die zweite Reihe zurück. Seine Ämter als Fraktionssprecher und Personalreferent im Stadtrat will der 61-jährige pensionierte Postbeamte jedoch behalten. Er habe sich geschworen, auf dem Höhepunkt aufzuhören, sagte Kailberth auf die Frage nach dem Grund für den Verzicht auf eine weitere Kandidatur. 2011 sei er angetreten, um für den CSU-Kandidaten das Bürgermeisteramt zurückzuholen, nach diesem Erfolg habe er sich zum Weitermachen überreden lassen. "Und dann gab's den zweiten Höhepunkt bei der Wiederwahl von Michael Müller mit einem super Wahlergebnis." Nun sei der richtige Zeitpunkt zum Aufhören da. "Sonst kommt zu viel Routine rein." Stolz ist Kailberth, dass unter seiner Ägide die Mitgliederzahl konstant geblieben ist. Als Tiefpunkt bezeichnete er die Differenzen der CSU im Stadtrat, die in der Abspaltung der Geretsrieder Liste im Streit um den Karl-Lederer-Platz gipfelten. "Das tut im Herzen weh, aber die Partei geht vor." Kailberth wurde für seinen ausgleichenden Einfluss von Parteifreunden gewürdigt. "Egal wie spinnert einer war, Du hast jeden in seiner Art angenommen", sagte Gerhard Meinl.

© SZ vom 26.02.2021
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