"Geretsrieder Hefte":Schwierige Geschichtsforschung

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"Geretsrieder Hefte": Reste des Luftschutzes, mit denen sich das neue Geretsrieder Heft befasst, sind heute noch zu sehen, etwa die Bunker-Ruine am Eisstadion.

Reste des Luftschutzes, mit denen sich das neue Geretsrieder Heft befasst, sind heute noch zu sehen, etwa die Bunker-Ruine am Eisstadion.

(Foto: Manfred Neubauer)

Nach dem Tode dreier kompetenter Autoren gibt der Arbeitskreis Historisches Geretsried nun das "Heft 7.7"über den Werkschutz in den Rüstungswerken in Wolfratshausen Forst heraus.

Von Wolfgang Schäl, Geretsried

Geschichtsforscher, die sich mit den Ereignissen der Kriegs- und Nachkriegsjahre beschäftigen, arbeiten längst unter Zeitdruck, denn überlebende Zeugen, die authentische Aussagen machen und ihre Erfahrungen aus erster Hand schildern könnten, sind mittlerweile zu alt oder schon tot. So geht es auch dem Arbeitskreis Historisches Geretsried (AHG), der sich seit Jahren schwerpunktmäßig mit den beiden Rüstungswerken im Wolfratshauser Forst beschäftigt und seine Arbeitsergebnisse in der Reihe "Geretsrieder Hefte" publiziert.

Er muss mittlerweile auf drei rastlose und heimatkundlich kompetente Autoren verzichten, die in relativ kurzer Folge verstorben sind: Martin Walter, der 2018 einer schweren Krankheit erlag, Franz Rudolf, der 2016 mitten in seiner Recherchearbeit starb, und Arthur Zimprich, der im Jahr 2021 folgte. Dies traf den AHG umso schwerer, als es galt, die jüngste, noch in Arbeit befindliche Veröffentlichung fertigzustellen. In diesem "Heft 7.7" geht es um "Werkschutz, Werkluftschutz und Werkfeuerschutz" in den beiden Munitionsfabriken.

AHG-Mitglied Friedrich Schumacher fiel nun die Aufgabe zu, die bis dahin geleistete Arbeit, ein 16-seitiges Manuskript, von Zimprich zu übernehmen und es, so Schumacher, "auf ein gesichertes Fundament stellen", indem er jedem Kapitel Rechtsverordnungen und Rechtsvorschriften aus der NS-Zeit anfügte. Das nahezu 100 Seiten umfassende Heft 7.7, das so in Kooperation von vier Mitwirkenden entstanden ist, will Schumacher nun am Freitag, 16. Dezember, in den Geretsrieder Ratsstuben präsentieren.

In dem Heft geht es den Autoren insbesondere um eine Begriffsklärung. Denn der Werkschutz in den Rüstungsbetrieben sei mit den heutigen, privat von zivilen Unternehmen getroffenen Maßnahmen zum Schutz von Firmeneinrichtungen nicht zu vergleichen. Das Berufsbild des Werkschutzes habe sich nach dem Krieg grundlegend geändert. Bei "Feuerschutz" assoziiere man heutige kommunale Feuerwehren, und das Wort "Luftschutz" spiele in Friedenszeiten keine Rolle mehr. Die jeweiligen Leiter des Werkschutzes in den beiden Rüstungswerken waren Schumacher zufolge im weiteren Sinn aber "Abwehrbeauftragte". Sie waren mit mehreren Aufgaben gleichzeitig betraut, so beispielsweise der nur nebenamtlich amtierende Wolfratshauser Bürgermeister Heinrich Jost, der zusätzlich die Aufgabe des örtlichen Luftschutzleiters ausübte. Bei der DAG (Dynamit AG) war er außerdem noch Leiter des Werkschutzes und Abwehrbeauftragter. Der Auftrag des Werkschutzes bestand demnach, unter den Arbeitern für Ruhe und Ordnung zu sorgen.

Die Aufgaben und Arbeitsbedingungen der drei Funktionen Werkschutz, Werkluftschutz und Werkfeuerschutz sind in dem Heft im Detail aufgrund von Statistiken, Namenslisten, ebenso von Dokumenten, Grafiken und einschlägigem reichem Bildmaterial übersichtlich und plausibel dargestellt. Einen chronologischen Überblick ermöglicht eine vierseitige Zeittafel von 1933 bis 1945, ein ausführliches Quellenverzeichnis für die Abbildungen und ein Glossar, das es ermöglicht, schnell Fachbegriffe und Abkürzungen nachzuschlagen. Die Teilnahme an dem Vortrag von Friedrich Schumacher ist kostenlos, Spenden werden gern gesehen. Beginn ist um 18 Uhr.

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