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Geretsrieder Entwicklung:Bau-Riesen droht lange Verzögerung

Lorenz-Areal, Lorenz-Gelände

Aus der Industriebrache zwischen Elbe- und Banater Straße soll ein Vorzeige-Wohnprojekt werden.

(Foto: Manfred Neubauer)

In Geretsried sollen an der Banater Straße fast 800 Wohnungen entstehen. Doch ein benachbartes Unternehmen will womöglich klagen. Das könnte das Projekt für Jahre ausbremsen. Der Investor jedoch wiegelt ab

Eines der Vorzeigeprojekte der Stadt Geretsried könnte sich womöglich um Jahre verzögern. Noch liegt für die 768 teils öffentlich geförderten Wohnungen, welche die Krämmel-Gruppe in 25 Häusern an der Banater Straße in Geretsried errichten möchte, keine Baugenehmigung vor. Da gleichzeitig eine Klage gegen den Bebauungsplan angekündigt ist, halten Skeptiker es für möglich, dass die Genehmigung aus dem Landratsamt nicht so einfach erteilt wird. So war es am Mittwoch am Rande des Richtfests für Sozialwohnungen der Geretsrieder Baugenossenschaft zu hören.

Korbinian Krämmel sieht diese Gefahr nach eigenem Bekunden nicht. "Das Landratsamt kennt die Pläne genauso gut wie wir", sagt der Geschäftsführer der Krämmel-Gruppe. Er könne sich nicht vorstellen, dass die Experten in der Behörde sich von der Androhung einer Klage beeindrucken lassen. Genauso beantwortet die Sprecherin des Landratsamts dies: Nein, eine Klage hätte keinen Einfluss.

Für die Stadt Geretsried ist das 2015 erstmals erwogene Krämmel-Projekt zu einem Eckpfeiler der Stadtentwicklung und der Wohnungspolitik geworden. Bürgermeister Michael Müller (CSU) erwähnt es gern und oft als "Geretsrieder Modell": Der Investor hat sich verpflichtet, auf dem 4,7 Hektar großen Areal zu 30 Prozent Sozialwohnungen zu errichten, zu 30 Prozent "bezahlbare" Miet- und zu 40 Prozent Eigentumswohnungen. Das Vorhaben gilt wegen der Größe und der sozialen Ausrichtung derzeit über den Großraum München hinaus als einzigartig. Müller hat es anfangs auch gegen Widerstände aus der Industriegemeinschaft Geretsried und aus Teilen des Stadtrats vorangetrieben. Die Einwände, wonach eine Wohnanlage nicht in ein sonst weitestgehend von Gewerbe geprägtes Viertel passe, sind zwar in der Lokalpolitik verstummt. Ein benachbartes Unternehmen aber, Bauer Kompressoren, hat aus Sorge um seinen Standort eine Normenkontrollklage gegen den Bebauungsplan angekündigt.

Das Rathaus hat darauf zurückhaltend reagiert: "Natürlich steht es jedem frei, das durchgeführte Bauleitverfahren - auch in Form einer Klage - überprüfen zu lassen", hieß es. "Da sauber und ordnungsgemäß gearbeitet wurde, sehen Stadtrat und Verwaltung dem allerdings gelassen entgegen." Die Sprecher von Bauer Kompressoren haben mehrmals darauf verwiesen, dass eine Klage das Projekt um bis zu zehn Jahre verzögern könne. Allerdings hätte allein ein Normenkontrollverfahren noch keine aufschiebende Wirkung. Ute Raach, Geschäftsleiterin im Geretsrieder Rathaus, erklärt, falls das Gericht zu dem Ergebnis komme, dass der Bebauungsplan nichtig sei, dürfe die Kommune ihn nicht mehr anwenden. Aber: "Im Zeitraum bis zur erklärten Ungültigkeit des Bebauungsplanes ausgesprochene Baugenehmigungen sind dennoch wirksam."

Die Frage, ob sein Unternehmen für den Fall eines Scheiterns des Projekts einen Plan B habe, beantwortet Krämmel optimistisch: "Es wird nicht scheitern." Dafür sei es zu konsistent: "Die Tiefe und Professionalität der Bearbeitung ist enorm", das habe seines Erachtens auch die Zustimmung des Stadtrats bewiesen. Das Schlimmste was nun passieren könne, sei eine Verzögerung um einige Jahre. Sollte hingegen alles ungehindert ablaufen, so könnte es im Sommer oder Frühherbst 2020 "richtig losgehen", sagt Krämmel. So viel Zeit brauchten die Planungen, mit denen jetzt begonnen werde, aber noch. Schließlich handle es sich um ein äußerst komplexes und großes Vorhaben.

Wann das Landratsamt über den Bauantrag entscheidet, steht noch nicht fest. Bisher ist der Behörde die Planreife noch nicht bestätigt worden. Dazu muss die Stadt den Plan, den der Stadtrat am 26. März verabschiedet hat, erst veröffentlichen.