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Geretsried/Wolfratshausen:Irritation im Kulturbetrieb

Auf einer von Assunta Tammelleo initiierten Demo forderten Kulturschaffende der Region einen Kultur-Rettungsschirm.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Assunta Tammelleos Demo-Rede verprellt politische Partner

Sonja Frank (Freie Wähler) sagt, sie sei schon sehr überrascht, eigentlich irritiert: Die Zweite Bürgermeisterin der Stadt Geretsried kann die Beschwerde nicht verstehen, die Assunta Tammelleo als Sprecherin des Kulturvereins Isar-Loisach (KIL) auf der Kultur-Demo am Sonntag in Gelting geäußert hat. Tammelleo hatte erklärt, sie fühle sich in der Corona-Krise von den Kulturämtern der Städte Wolfratshausen und Geretsried im Stich gelassen. Es sei entmutigend, so Tammelleo, dass sich "niemand aus den Rathäusern" nach den Kulturschaffenden erkundigt oder diese zu einem Treffen eingeladen habe. Sonja Frank aber war, ebenso wie Bürgermeister Michael Müller (CSU) und die Jungstadträte Peter Curtius (Grüne) und Felix Leipold (FW) nicht nur in Kontakt mit Tammelleo, sie alle haben auch an Streaming-Aufzeichnungen in deren Kulturkneipe "Hinterhalt" teilgenommen und teils sogar einige Worte zur Eröffnung gesagt. Bei all dem habe sie nicht das Gefühl gehabt, man könne nicht miteinander sprechen, sagt Frank. "Man hat sich schon gekümmert. Und dann erschrickt man halt über so eine Diskrepanz."

Grundsätzlich, so Frank, sei die Stadt bemüht, die Probleme Kulturschaffender in Geretsried "mit abzufedern". Bürgermeister Müller habe mit mehreren gesprochen und schon Ideen zur Unterstützung entwickelt. Auch Müller - der in Urlaub ist, weswegen Frank ihn im Rathaus vertritt - habe von Tammelleos Äußerungen erfahren und sei "sehr überrascht". Die Zweite Bürgermeisterin rät Kulturschaffenden, die in der Corona-Krise Probleme haben, sich an das Kulturamt zu wenden.

"Nachweisliche Gespräche"

Irritiert ist man auch im Wolfratshauser Rathaus. Er könne Tammelleos Kritik nicht nachvollziehen, sagt Bürgermeister Klaus Heilinglechner (BVW). Das Kulturamt stehe in engem Kontakt mit ihr, auch kürzlich habe es "nachweislich Gespräche" mit Kulturmanagerin Marlene Schretzenmaier gegeben. Und Tammelleo habe als Stadträtin der Grünen nun einen "noch engeren Draht zur Verwaltung". Er habe sie für Donnerstag zum Gespräch geladen, "um das Ganze durchzusprechen". Tammelleo erklärt, sie habe die Kritik in ihrer Funktion als KIL-Vorsitzende geübt. Die Grünen würden das Thema auch in der ersten Sitzung des Kulturausschusses, dem sie nicht angehört, am kommenden Dienstag aufs Tapet bringen. Auf welche Weise, wolle man bei der Fraktionssitzung am Donnerstag klären.

© SZ vom 04.06.2020 / fam, aip

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