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AfD bei CSU-Debatte:Widerspruch und Zustimmung

Der Bundestagsabgeordnete Alexander Radwan (Mitte) referierte über den Islam. Eingeladen hatte Andreas Orendi (re.) von der Union der Vertriebenen.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Der CSU-Bundestagsabgeordnete Alexander Radwan spricht in Geretsried über den Islam. Die AfD nutzt die Diskussion für Stimmungsmache.

Der Islam könnte zu Deutschland passen, doch zunächst sollte er sich von ausländischem Einfluss befreien: Dies ist das Resümee eines Vortrags, den der CSU-Bundestagsabgeordnete Alexander Radwan am Dienstagabend in den Geretsrieder Ratsstuben gehalten hat. Derzeit sei es gang und gäbe, dass islamische Gemeinden vom türkischen oder arabischen Ausland finanziert würden. Er hingegen wünsche sich freie islamische Gemeinden, die sich selbst organisierten, wie das in Österreich der Fall sei. Die anschließende Diskussion drehte sich kaum um diesen ausländischen Einfluss, sondern bekam rasch eine islamfeindliche Färbung. Mario Buchner, Vorsitzender der AfD Oberbayern-Süd, und andere Mitglieder der rechtspopulistischen Partei hatten sich unerkannt unter die 40 Zuhörern gemischt. Vereinzelt gab es zwar Widerspruch, gelegentlich aber zustimmenden Applaus für die AfD.

Radwan dankte vorab den Bürgermeistern und Helfern im Landkreis für die Unterbringung und Versorgung Asylsuchender. Kein anderes Bundesland sei dem so gut nachgekommen wie Bayern, über dessen Grenzen die Flüchtlinge hauptsächlich gekommen seien. Mit der Verunsicherung in der Bevölkerung müsse man "sensibel umgehen", sagte Radwan: "Das Wort Angst zieht sich durch alle Veranstaltungen." Die Flüchtlinge würden zum Teil zurück nach Hause gehen, sobald sich die Situation dort beruhigt hätte, vermutet Radwan. Einige jedoch würden bleiben, und die müsse man dazu auffordern, "in unserem Wertesystem mitzumachen". Zum Thema Islam habe er einen besonderen Bezug: Sein Vater stamme aus Ägypten, sagte Radwan. Die Frage, ob der Islam zu Deutschland gehöre, sei so nicht ganz richtig, schließlich gebe es nicht den Islam: Der pakistanische unterscheide sich vom ägyptischen und dieser vom türkischen Islam. Problematisch sei daher nicht der Islam an sich, sondern die Tatsache, dass er vom Ausland finanziert werde. Moslems in Deutschland hätten keine Chance, sich selbst zu organisieren. Rund 1000 Imame stünden auf der "Payroll" des türkischen Ministeriums, etwa der in Miesbach. Das Ministerium diktiere die Inhalte von Predigten und ob die Frauen Kopftücher tragen müssen. Der Imam in Miesbach spreche nur schlecht Englisch und kein Deutsch, was Radwan kritisierte: Ein religiöser Dialog sei so nicht möglich. In drei oder vier Jahren werde er nach Ankara zurückkehren; Radwan sagte, er hoffe, dass danach ein Imam komme, der besser Deutsch sprechen könne.

Als Vorbild nannte Radwan Österreich: Das islamische Leben, etwa die Seelsorge und die Kindergärten, müssten dort von den Angehörigen einer Gemeinde selbst finanziert werden. Auch der Unterricht solle in die Öffentlichkeit kommen, heraus aus den Hinterhöfen, weil man nicht wisse, was dort gelehrt werde. Einen lebendigen Islam gebe es in den USA, doch dort definierten sich die Muslime als Amerikaner, sagte Radwan. In Deutschland indes definiere sich etwa ein Türke durch seine türkische Herkunft. Und das, sagte Radwan, sei "keine Integration". Der Bundestagsabgeordnete kritisierte, dass viele Muslime in Deutschland die Scharia über das Grundgesetzt stellten. Auch forderte er eine Schließung der nationalen Grenzen, da die europäischen Außengrenzen nicht ausreichend geschützt werden könnten.

Die Geretsrieder CSU-Stadt- und Kreisrätin Sabine Lorenz sagte, die Einführung der doppelten Staatsbürgerschaft sei ein Fehler gewesen. Sie lobte, dass bei der Eröffnung des Neuen Platzes ein Vertreter der griechischen Gemeinde seine Rede auf Deutsch gehalten habe, verurteilte dafür aber einen anderen Redner, dessen Arabisch sie 20 Minuten habe folgen müssen: "Ich habe nichts verstanden", sagte Lorenz scharf. Früher habe sie ein Kreuz getragen, heute sehe sie dies als ihre "private Sache" an. Die zunehmende Anzahl kopftuchtragender Frauen empfinde sie als Provokation. Andreas Orendi, Vorsitzender der Union der Vertriebenen, sagte, wer in Deutschland Asyl suche, "der soll die deutsche Leitkultur annehmen".

Ein Mann aus der Gruppe anwesender AfD-Mitglieder sagte, den Moslems gehe es vor allem darum, alle Christen "abzuschlachten", wogegen aus der Versammlung widersprochen wurde. Er kenne außer dem Islam keine Religion, deren Angehörige Bombenattentate verübten. Buchner forderte "Eigenrettung vor Fremdrettung" - man müsse erst Deutschland ordnen und dann dem Rest der Welt helfen. Dieser Haltung widersprach Radwan, indem er betonte, dass auch die Bundesrepublik Verantwortung in der Welt habe und die Augen nicht verschließen dürfe.