bedeckt München 22°

Gesunde Mitarbeiter:Weniger Lärm, Body Art, Rückenschule

Im März gab es die Auszeichnung: Tyczka Totalgaz gehört zu den besten 100 Arbeitgebern Deutschlands.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Mit einem Umbau der Arbeitsplätze schaffte es Tyczka unter die beliebtesten Betriebe. Zunächst ging es aber abwärts.

Von Klaus Schieder

An den Krankheitstagen lag es nicht. Die Fehl-Quote liege bei Tyczka Totalgaz nur bei 2,7 Prozent, "das ist phänomenal niedrig", sagte Hannes Schwarz, verantwortlich für Recht und Personal beim Flüssiggas-Hersteller aus Geretsried. Aufgeschreckt hat die Verantwortlichen etwas anderes. Seit Jahren nimmt das Unternehmen am bundesweiten Wettbewerb "Great Place to Work" teil, mit dem die 100 beliebtesten Arbeitgeber ermittelt werden. Viel Gewicht hat dabei eine anonyme Befragung der Mitarbeiter. "Die Antworten, die wir erhielten, haben uns nicht so gefallen", sagte Schwarz in einem der Foren beim Tölzer Gesundheitskongress. Grund genug für Tyczka, ein betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) einzuführen.

Die Firma mit 365 Angestellten, davon 45 in der Produktion, an den Standorten Geretsried und Leipzig, interviewte ihre Angestellten selbst, analysierte die Arbeitsplätze, bildete einen Gesundheitszirkel mit Botschaftern aus den einzelnen Sparten, schuf eine neue Stelle in der überlasteten IT-Abteilung, löste das Lärmproblem in den Großraumbüros, kaufte eine neue Beleuchtung. Der Erfolg? Null. Schlimmer noch. Die Mitarbeiter bewerteten die Situation bei der nächsten "Great Place to Work"-Umfrage, die 2012 stattfand, sogar kritischer als zwei Jahre zuvor. "Am Arbeitsplatz bleibt man psychisch und emotional gesund" - minus acht Prozent. "Hilfreiche Maßnahmen in der Gesundheitsförderung" - minus acht Prozent. "Die Mitarbeiter werden ermutigt, einen guten Ausgleich zwischen Beruf und Privatleben zu finden" - minus zehn Prozent.

In der Chefetage von Tyczka stand man vor einem Rätsel. Ein Grund für die Unzufriedenheit, mutmaßt Schwarz, könnte ein Projekt zur Prozessoptimierung gewesen sein, das der Belegschaft seinerzeit viel Arbeit abverlangte. Dann wurde nachgebessert. Seither gibt es Body-Art-Kurse, eintägige Rückenschulungen, die Teilnahme an der Internet-Plattform "machtfit" mit Angeboten zur Gesundheitsprävention, Netzwerktreffen der Führungskräfte. Und nicht zuletzt eine Sensibilisierung der Vorgesetzten, unter anderem durch Workshops. Sie sollen hinschauen, wenn sie merken, dass mit einem Angestellten etwas nicht stimmt. Das sei nicht immer einfach, sagte Schwarz. "Wo endet die Fürsorgepflicht, wo beginnt die Privatsphäre, etwa bei einem Mitarbeiter, der raucht?" Eine gute Führung spiele jedoch "die wichtigste Rolle". Wenn sie nicht funktioniere, sei das ganze BGM für die Katz', meinte Schwarz.

Jedes Jahr steckt Tyczka bis zu 80 000 Euro ins Gesundheitsmanagement. Das hat sich bei "Great Place to Work" schon ausgezahlt. Die Geretsrieder Firma landete heuer unter den 100 beliebtesten Arbeitgebern. Nicht zuletzt deshalb, weil die Mitarbeiter die Fragen nach Arbeitsplatz, Gesundheitsförderung, Beruf und Privatleben ganz anders beantworteten. Plus 14 Prozent, plus 14 Prozent, plus sieben Prozent.

© SZ vom 05.10.2016

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite