Hitze und TrockenheitGeretsried muss Wasser sparen

Lesezeit: 2 Min.

Der Wasserlauf auf dem Karl-Lederer-Platz bringt an heißen Tagen etwas Frische in die Stadt.
Der Wasserlauf auf dem Karl-Lederer-Platz bringt an heißen Tagen etwas Frische in die Stadt.
Hartmut Pöstges
  • Geretsried ruft seit 1. Juli alle Bürger zum Wassersparen auf, da Hitze und Trockenheit zu einer angespannten Versorgungslage geführt haben.
  • Der Wasserverbrauch ist in den vergangenen heißen Tagen deutlich gestiegen, vermutlich durch Gartenbewässerung und Rasensprengung.
  • Die Stadtwerke suchen seit 2025 nach neuen Einzugsgebieten für Trinkwasser, doch die Ausweisung neuer Wasserschutzgebiete dauert bis zu zehn Jahre.
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Die Pegelstände sind niedrig, der Verbrauch ist hoch.  Die Stadtwerke mahnen zum sorgsamen Umgang mit Trinkwasser – zumal die Suche nach einem neuen Schutzgebiet noch Jahre dauern wird.

Von Stephanie Schwaderer, Geretsried

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Wer am Bibisee baden geht, braucht nicht Hydrologie studiert zu haben, um zu erkennen: Der Pegel sinkt. Der beliebte Grundwassersee südlich von Geretsried zieht sich bei Trockenheit immer weiter zurück. Das Ufer wächst. Geht Geretsried das Wasser aus? Diese Frage hat den Kommunalwahlkampf in der größten Stadt des Landkreises Bad Tölz-Wolfratshausen geprägt und beschäftigt weiterhin den Stadtrat. Fest steht, dass Wasser auch in Geretsried eine begrenzte Ressource ist und immer wertvoller wird.

Seit 1. Juli ruft die Stadt alle Einwohner zum Wassersparen auf. Die jüngste Hitzewelle und die anhaltend trockene Witterung hätten zu einer „angespannten Versorgungslage“ geführt, heißt es auf der Homepage der Stadt. „Um die Trinkwasserversorgung weiterhin zuverlässig sicherzustellen, sollten unnötige Wasserverbräuche möglichst vermieden werden.“

Am Bibisee wird das Ufer bei Trockenheit immer größer. Der Wasserstand sinkt. 
Am Bibisee wird das Ufer bei Trockenheit immer größer. Der Wasserstand sinkt. 
Manfred Naubauer

In den vergangenen Tagen, als die Temperaturen immer wieder weit über 30 Grad lagen, konnte davon nicht die Rede sein. „Der Wasserverbrauch ist deutlich gestiegen“, sagt Jan Dühring, der Leiter der Geretsrieder Stadtwerke. Er vermutet, dass es vor allem in trockene Gärten und dürre Rasenflächen geflossen ist. „So viel kann man gar nicht trinken.“

Den rund 26 000 Einwohnern der Stadt stehen im Jahr maximal 1,85 Millionen Kubikmeter Trinkwasser zu. Das ist behördlich festgelegt. Bislang werde diese Menge nicht ausgeschöpft, sagt Dühring, die Reserve liege zwischen 100 000 und 150 000 Kubikmetern. Theoretisch könnte die Stadt somit einige tausend weitere Einwohner versorgen. Das Bayerische Landesamt für Statistik geht davon aus, dass im Jahr 2029 etwa 28 200 Menschen in der Stadt leben werden. Das wäre nach Stand der Dinge mit der genehmigten Trinkwassermenge zu vereinbaren.

Stadtwerkeleiter Jan Dühring mahnt zur Sparsamkeit.
Stadtwerkeleiter Jan Dühring mahnt zur Sparsamkeit.
Manfred Neubauer

Anders sieht es bei der Ansiedlung von neuem Gewerbe aus. Da müsse man schon genauer auf den Wasserverbrauch achten, so Dühring. „Eine Brauerei wäre ein Problem.“ Eine historisch begründete Besonderheit in Geretsried sind acht in den Isarauen gelegene Brunnen, die aus der Zeit der Nazi-Rüstungswerke stammen. Sie beliefern einen Großabnehmer mit 351 000 Kubikmetern Brauchwasser im Jahr. „Das entlastet uns beim Trinkwasser“, sagt der Stadtwerkechef.

Das Geretsrieder Trinkwasser stammt aus zwei oberflächennahen Brunnen, die schnell auf die Witterung reagierten, wie Dühring erläutert. „Derzeit haben wir niedrige Pegel.“ Seit 2015 wird das Wasser aus den beiden Flachbrunnen in einer Ultrafiltrations- und UV-Anlage aufbereitet, die Geretsried gemeinsam mit Königsdorf betreibt. Die kleine Nachbargemeinde verfügt über einen eigenen Brunnen. Dieser Kooperation war eine jahrelange Auseinandersetzung vorausgegangen. „Seit dem Trinkwasserstreit sitzen wir im selben Boot“, sagt Dühring.

In der Ultrafiltrations- und UV-Anlage bei Königsdorf-Wiesen bereiten die Nachbarkommunen gemeinsam ihr Trinkwasser auf.
In der Ultrafiltrations- und UV-Anlage bei Königsdorf-Wiesen bereiten die Nachbarkommunen gemeinsam ihr Trinkwasser auf.
Harry Wolfsbauer

Die vorrangige Aufgabe der Stadtwerke sieht er darin, die Verluste im Trinkwassernetz einzudämmen. Bei einem Rohrsystem von 177 Kilometern Länge gebe es immer etwas zu flicken. Das Potenzial dieser „Verlustbekämpfung“ beziffert er auf 100 000 Kubikmeter im Jahr. Zugleich habe man sich 2025 auf die Suche nach neuen Einzugsgebieten begeben. Von elf Flächen seien drei mittlerweile in die engere Auswahl gekommen. Mehr könne er dazu nicht verraten. „Das ist noch ein ganz langer Weg.“

Die Ausweisung von Wasserschutzgebieten zieht häufig Streitigkeiten nach sich, da sie für die betroffenen Kommunen, Unternehmen, Privatleute und Landwirte mit vielen Einschränkungen verbunden sind. Das Ablagern von Müll etwa ist in der engeren Schutzzone ebenso verboten wie das Versickern von Abwasser oder das Düngen mit Gülle. Derzeit liegt das Schutzgebiet der Geretsrieder Stadtwerke überwiegend auf Königsdorfer Flur. Die Nachbargemeinde darf 280 000 Kubikmeter Wasser entnehmen, die Stadt mehr als sechsmal so viel. Ein neues Schutzgebiet auszuweisen, sei langwierig und aufwendig, weiß Dühring. Dafür müsse man bis zu zehn Jahre einplanen.

Für Krisenzeiten hat die Stadt einen Notverbund mit München geschlossen. Allerdings ruft auch die Landeshauptstadt seit Tagen zum Wassersparen auf. So gab Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne) am Dienstag bekannt: „Wir haben eine seit den frühen 1970er-Jahren nicht dagewesene Ausnahmesituation.“

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