VHS-Programm:Aus Geretsried in die Welt der Wissenschaft

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VHS-Programm: Die Führungen zu den Bunkern der NS-Rüstungsbetriebe unter Leitung von Bernd Walter finden jetzt auch unter dem Dach der VHS statt.

Die Führungen zu den Bunkern der NS-Rüstungsbetriebe unter Leitung von Bernd Walter finden jetzt auch unter dem Dach der VHS statt.

(Foto: Felicitas Amler/OH)

Die Volkshochschule bietet mit Livestreams ein deutlich breiteres Programm als bisher.

Von Felicitas Amler, Geretsried

Die digitale Entwicklung hat für die Volkshochschule (VHS) Geretsried den Horizont weit geöffnet. Im Programm finden sich heute neben den üblichen Sprach- und den beliebten Yogakursen Angebote von internationaler Dimension. Die Geretsrieder Einrichtung ist angeschlossen an ein Netzwerk "vhs wissen", das es Nutzerinnen und Nutzern ermöglicht, sich per Livestreams von Wissenschaftlern über Fragen der Migration informieren zu lassen (Thomas Faist, Professor für Transnationale Beziehungen, Entwicklungs- und Migrationssoziologie an der Universität Bielefeld: "Warum Menschen aufbrechen") oder über die Romantik als "zweiten Impuls der europäischen Moderne" (Stefan Matuschek, Professor für Neuere deutsche Literaturwissenschaft an der Friedrich-Schiller-Universität Jena).

Die Geretsrieder VHS-Leiterin Beate Ruda hat am Dienstag dem Kulturausschuss des Stadtrats ihren Jahresbericht samt Ausblick vorgelegt. Der Rückblick fällt freilich wegen der Corona-Krise weniger erfreulich aus. Die Einrichtung habe eine Einbuße von rund 70 Prozent erfahren, so Ruda. "Damit gehören wir mit Blick auf die bayerischen Volkshochschulen insgesamt zum Durchschnitt. Leider müssen wir auch auf 15 Dozent*innen verzichten." Gute Kurse, die zum Standard-Repertoire gehörten, könnten daher nicht mehr angeboten werden. Einige Kurse seien vollständig auf Online-Unterricht umgestellt. Und auch einige Veranstaltungsorte stünden nicht mehr zur Verfügung. Das alles zusammen habe die Anzahl der Kurse und Teilnehmenden deutlich verringert. Und obwohl der Betrieb seit Beginn des Herbstsemesters 2022 wieder normal laufe, schienen viele Menschen doch noch verunsichert zu sein, erklärt Ruda, und hielten sich mit Anmeldungen zurück. Vorrangiges Ziel sei es daher, möglichst bald den Vor-Corona-Stand von 2019 wieder zu erreichen.

Thema Nachhaltigkeit

Ein neuer Schlüsselbegriff für die Volkshochschulen ist "Bildung für nachhaltige Entwicklung" (BNE). Diese ist nach einer Vereinbarung des Deutschen Volkshochschulverbands und seiner angeschlossenen Landesverbände mit dem Bundesumweltministerium verpflichtend, berichtet Ruda. Deshalb fänden sich auch im Geretsrieder VHS-Programm immer Lehrangebote zum Thema Nachhaltigkeit. Beispiele sind die Angebote "Kapitalanlage mit gutem Gewissen?! Nachhaltig Geld anlegen" oder "Gutes tun im Internet" - hier erfahren die Teilnehmenden, wie sie beim Online-Einkauf Hilfsprojekte unterstützen, ohne einen Cent mehr auszugeben; was "grüne" Suchmaschinen" sind und "wieso Googeln, WhatsAppen und Netflix-Schauen dem Klima schadet".

Die VHS Geretsried hatte im vergangenen Jahr knapp 2000 Teilnehmende (2019 waren es mehr als 3000) in 228 Veranstaltungen (2019: 320). Gut gebucht seien nach wie vor Kurse aus dem Gesundheitsbereich, so Ruda, rückläufig dagegen Sprachkurse. Ein wachsender Anteil an Buchungen sei bei den Online-Vorträgen in Zusammenarbeit mit der Bayerischen Verbraucherzentrale zu sehen. Immer größerer Beliebtheit erfreuten sich Stadtführungen in München und die Biberführungen in den Isarauen. "Dieser Trend setzt sich in 2023 fort."

Neuerdings sind auch die vom inzwischen verstorbenen Martin Walter eingeführten "Bunkerführungen" unter Verwaltung der VHS Geretsried. Die Touren in den Stadtwald zu den Relikten der NS-Rüstungsbetriebe und damit in die Zeitgeschichte werden von Walters Sohn Bernd geleitet. Zu zwei Terminen hat die VHS bereits 50 Anmeldungen registriert.

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