Draußen ist es einer der ersten warmen Tage im Jahr. Drinnen ziehen galoppierende Rentiere in rasendem Tempo einen Schlitten hinter sich her, immer näher an empor ragende, schneebedeckte Wolkenkratzer heran. Nun ist Geretsried zwar die größte Stadt im Landkreis, von einer an Manhattan erinnernden Skyline kann allerdings nicht die Rede sein. Die Stadtbibliothek erlaubt es ihren Besuchern jedoch, der Realität zu entfliehen und in solche Szenerien einzutauchen. Möglich wird dies durch die sogenannte Virtual Reality (VR) Brille, die die Geretsrieder Bücherei seit einigen Jahren schon Interessierten zur Verfügung stellt.
Jeden Donnerstag von 15 bis 16 Uhr können die Kunden so ihren Eskapismus ausleben. Zusätzlich gibt es Sondertermine unter einem bestimmten Motto. Dieses Mal dreht sich alles um das Thema „Hoch Hinaus“, spielbar eben auch im Weihnachtsmodus, inklusive Rentiere und Schlitten, auf dem man fährt. Sich der virtuellen Welt nähern, kann jeder Besucher, auch im fortgeschrittenen Alter; üblicherweise interessieren sich dafür aber vor allem jüngere Menschen.

Mit dem VR-Gaming haben sie keine Probleme, eine Gruppe von Kindern zeigt deutliches Talent im virtuellen Spiel und berichtet auch von ihren Erfahrungen. Einige von ihnen kommen regelmäßig in die Stadtbibliothek, um Bücher zu lesen und eben auch mit der VR-Brille in andere Welten abzutauchen. „Gaming mit der Brille macht viel mehr Spaß, man erlebt Spielen ganz anders“, erzählt einer der jungen Stammbesucher.
Über einen Fernseher, der das Spiel live überträgt, können auch die Besucher am Spielespaß teilhaben. Die Kinder sitzen vor dem TV-Gerät auf dem Boden beisammen und fiebern mindestens genauso lebhaft bei den Spielen der anderen mit, als wären sie selbst an der Reihe. Und die erzählen von den Spielen, die man neben dem heutigen noch ausprobieren kann.
Sogar bekannte Games wie „Angry Birds“ kann man in der VR-Version in der Geretsrieder Stadtbibliothek spielen. Andere erlauben es, in Naturwelten einzutauchen, oder ermöglichen sogar virtuelle Workouts. Durch Controller sind nämlich auch die Hände ins Spiel einbinden. Auf die Frage nach Lieblingsspielen erzählt ein kleiner Junge, er möge den Jobsimulator am liebsten, bei dem er zum Beispiel als Kellner arbeiten kann.
„Und dir wird schneller übel“, sagt ein vom Spielen leicht geröteter Junge
Das Spiel an diesem Tag scheint die Kinder allerdings auch vor Herausforderungen zu stellen, Höhenangst sollte man hier nicht haben. Neben dem Weihnachtsmodus, bei dem man von seinem Schlitten aus Geschenke in Schornsteine werfen muss, ist das gesamte Spiel ziemlich fall- und fluglastig.
„Du hast doch nicht mal Höhenangst“, ruft die ganze Gruppe, als eines der Kinder sich nicht traut, das höchste Level zu spielen. Auf die Frage, was denn die Unterscheide zwischen den Levels ausmache, erklären sie: „Man ist viel schneller.“ Und ein vom Spielen noch leicht geröteter Junge fügt hinzu: „Und dir wird schneller übel.“
Die VR-Brille ist in dieser Hinsicht tatsächlich nicht zu unterschätzen, schließlich nimmt man mit den Augen wahr, dass man fällt oder fliegt, steht aber mit beiden Beinen noch auf dem Boden. Da kann einem schon mal blümerant werden.

