Das von einer Privatinitiative geplante Sportgymnasium in Geretsried hat den Stadtrat am Dienstag besonders wegen der erwarteten Verkehrsprobleme beschäftigt. Auch die Frage nach der Flächenversiegelung von Teilen des Stadtwalds wurde erörtert. Der Stadtrat hat beschlossen, alle bisher vorhandenen Planungsunterlagen auf der Geretsried-Website zu veröffentlichen.
Die München Süd Sportschule GmbH möchte auf einem 20 000 Quadratmeter großen Grundstück südlich des Hallenbads ein Gymnasium für 700 sportambitionierte Schülerinnen und Schüler errichten. Der Stadtrat rechnet zu den Stoßzeiten mit einem erheblichen Anstieg des Verkehrs, der am Schulzentrum Adalbert-Stifter-Straße ohnehin schon stark ist. Projektleiterin Ute Hennekes stellte dazu den Entwurf einer „Kiss-and-Ride-Zone“ vor. Dort sollen Eltern ihre Kinder mit dem Auto absetzen können. Patrik Kohlert (Geretsrieder Liste) äußerte deutliche Bedenken. Er sagte, die Erfahrung zeige: „Eine Kiss-and-Ride-Zone, wo ich ein- und ausfahre über denselben Weg, funktioniert nicht.“ Kohlert forderte, dass die Zone wie eine Busschleife gestaltet werden müsse, damit das Konzept funktioniere. Das bisherige Verkehrskonzept sei für ihn nicht ausreichend.

Stadtbaurat Rainer Goldstein entgegnete: „Das Konzept ist noch nicht final, und wir werden es gesondert vorstellen, sobald es vorliegt.“ Derzeit werde mit den Beteiligten daran gearbeitet, wie der Verkehr am Schulzentrum in den Griff zu bekommen sei. Dort liegen bisher Gymnasium, Realschule, Mittelschule und Musikschule.
Auch das Parken bleibt eine zentrale Herausforderung. Josefine Hopfes (Grüne) gab zu bedenken, dass offenbar keine eigene Tiefgarage vorgesehen sei, und auch sonst seien auf den Plänen keine Parkmöglichkeiten zu erkennen. Goldstein entgegnete, das angrenzende Parkhaus am Hallenbad habe mehr Kapazitäten, als für das Schwimmbad benötigt würden. Daher könnte das Schulpersonal das Parkhaus nutzen.
Altlasten aus der NS-Zeit
Eine weitere Herausforderung sind die Altlasten auf dem Baugrund, auf dem in der NS-Zeit ein Schießplatz der Rüstungsfabriken war. Laut Goldstein ergaben Untersuchungen in den 1990er-Jahren, dass der Boden teils sehr stark mit Munition belastet sei. Bisher hat die Stadt das Problem nur übergangsweise gelöst, indem sie den Schießplatz mit Erde abgedeckt hat. Volker Reeh (Geretsrieder Liste) sagte, man hätte das Gelände vor 30 oder 35 Jahren, als es bekannt wurde, sanieren müssen. „Sollte die Schule kommen, wird es hoffentlich so saniert, dass das zu Ende ist. Kommt die Schule nicht, müssen wir es trotzdem machen. Das müssen wir uns klar vor Augen halten. Ob dann der Wald so stehen bleibt – das glaube ich eher nicht.“
Trotz der angekündigten Bemühungen um ökologische Bauweise wird das Projekt nicht ohne Waldrodung auskommen. Dagegen war Protest laut geworden. Die Kritiker befürchteten, dass 20 000 Quadratmeter Wald gerodet würden. Die Interessengemeinschaft (IG) Wald hatte ein Bürgerbegehren initiiert, das von mehr als 4500 Geretsriederinnen und Geretsriedern unterschrieben wurde. Es liegt zur Prüfung im Rathaus vor. Die Frage, ob ein Bürgerentscheid zugelassen wird, ist noch offen.
Nach Aussage von Henneckes werden für das Sportgymnasium etwa 10 000 Quadratmeter Grund versiegelt, davon 7000 für das Gebäude. Stadtbaurat Golstein sagte mit Blick auf die Größe des Gebäudes: „Das ist auch das absolute Maximum. Aus hinreichender kommunaler Erfahrung: Man streicht immer was weg.“
Das Sportgymnasium positioniert sich als ökologisches Vorzeigeprojekt. Stararchitekt Daniel Libeskind hat das Gebäude in Holz geplant. Um den ökologischen Fußabdruck zu minimieren, soll Grauwasser genutzt werden. Eine Photovoltaikanlage ist zur Stromversorgung geplant. Ein besonderes Merkmal soll ein begrüntes und teils begehbares Dach sein. Hennekes erklärte: „Dort können zum Beispiel grüne Klassenzimmer entstehen.“
Alle derzeit vorliegenden Planungsunterlagen sollen von Donnerstag an auf der städtischen Website im Bereich „Bauen, Verkehr, Umwelt, Bauleitplanung“ sowie unter „Aktuelles“ abrufbar sein. Im Rathaus können die Unterlagen im städtischen Bauamt eingesehen werden.

