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Haustiere als Geschenk:Vom Gabentisch direkt hinter Gitter

Immer wieder landen zu Weihnachten verschenkte Tiere im Tierheim, wie hier in Geretsried.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Für viele wird das neue Haustier bereits wenige Tage nach Weihnachten eine Belastung. Das Tierheim in Geretsried appelliert, keine Lebewesen an Weihnachten zu verschenken.

Ein kleines Laufrad dreht sich mit gleichmäßigem Geratter in einem großen Käfig. Darin huschen vier braune Tierchen umher, mal versteckt sich eins im Sand und schlüpft dann durch den Tunnel ins andere Käfigabteil, mal pest eins mit Feuereifer in dem roten Rad. Die Degu-Weibchen Biene, Floh, Mücke und Wespe bewohnen seit bald einem Jahr eine Ecke im Vorraum des Josefa-Burger-Tierheims in Gelting. Eltern hatten ihrem Kind die aus Chile stammenden Tierchen der Gattung Strauchratten zu Weihnachten geschenkt. Nur 14 Tage später war es aus mit der Freude an den putzigen Nagern - sie stanken, sie ließen sich nicht sehen, sie schienen als Spielzeug absolut ungeeignet - und landeten deswegen gleich nach Heiligdreikönig im Tierheim.

So etwas erleben die Leute vom Tierschutzverein Wolfratshausen-Geretsried und Umgebung häufig: Lebende Geschenke werden nach Weihnachten weggegeben. Deshalb vermittelt das Tierheim selbst vor dem Fest keinen seiner Schützlinge und appelliert dringend an alle, grundsätzlich keine Tiere zu schenken.

Bernhard Wahler, zuständig für die Geschäftsstelle des Heims an der Leitenstraße, ist da strikt: "Lebewesen verschenkt man grundsätzlich nicht", sagt er. Die im Bau- und Heimtiermarkt gekauften Degus zum Beispiel seien nun mal keine Schmusetiere. Sie sitzen auf der Hand kaum still und mögen es überhaupt nicht, gestreichelt zu werden. Sie wehren sich dagegen mit Zähnen und Krallen. Sie benötigen viel Platz, und ihre Ernährung erfordert Fingerspitzengefühl. Starker Geruch, lautes Quieken - die Nagetiere sind keine einfachen Mitbewohner. Außerdem sind sie bei Dunkelheit aktiv und stören häufig die Nachtruhe ihrer Zweibeiner. Degus sind nicht absolut ungeeignet für Kinder, Eltern sollten sich jedoch vorab gründlich über die Bedürfnisse der Tiere informieren.

Das gilt grundsätzlich. "Bevor man sich ein Tier anschafft, sollte man sich Gedanken machen, ob man genügend Motivation und Zeit dafür hat", rät Wahler. Auch die Frage, wie viel Geld man vom Futter bis zum Tierarzt aufbringen muss, sollte man sich stellen. Das Anschaffen eines Tieres sei eben eine verantwortungsvolle und nicht rein emotionale Geschichte.

Aktuell zählt das Tierheim in Gelting 53 Tiere: "Für unsere Verhältnisse relativ wenig", sagt Wahler. In den Zwingern und Gehegen auf dem Gelände, das zwischen einem Waldstück und dem neuen Geltinger Gewerbegebiet liegt, leben neben Katzen und Hunden sechs Nagetiere, ein Schwan und ein Ziegenbock. Eine der Hündinnen ist die gerade einmal neun Monate alte Luna. Sie stammt aus einem Zwinger, in dem sie von den anderen Hunden drangsaliert wurde. Und sie hat einen Hüftschaden. Ehrenamtliche Gassigeher hatten die gekrümmte Haltung der Hündin bemerkt. Noch hat Luna offenbar keine Schmerzen. Die würden aber bald kommen, sagt Tierheimleiterin Manuela Ravara, wenn nicht rechtzeitig operiert werde. Die Kosten dafür gehen in die Tausende.

Für Fälle wie diesen ist das Tierheim auf Spenden angewiesen. So war die Freude groß, als die Loisachtaler Bauernbühne den Tierschützern eine Weihnachtsüberraschungs-Spende in Höhe von 2000 Euro überreicht. Erika Klemenz, Mitglied der Wolfratshauser Laienschauspielertruppe, hatte sich anstelle von Geschenken Geld fürs Tierheim gewünscht; Vorsitzender Wiggerl Gollwitzer hatte bei Aufführungen weiteres Geld dazugesammelt, schließlich wurde alles aus der Vereinskasse noch aufgerundet, und Vorstandsmitglied Melanie Tobian fügte Futter, Leinen und Spielzeuge im Wert von 200 Euro hinzu. Am Ende packten die Mitarbeiter des Filialisten, bei dem sie dies gekauft hatte, vor Begeisterung noch Weiteres dazu.

Ohne spendierfreudige Unterstützer könnte das Tierheim nicht arbeiten. Denn der Verein hat, wie Wahler erklärt, jährlich Ausgaben zwischen 120 000 und 150 000 Euro. Unter den Einnahmen ist die geringste jene aus der Fundtierpauschale, welche die Kommunen zahlen: 28 000 Euro im Jahr von allen Nord-Gemeinden zusammen. Den Rest müssen die Tierschützer aus Mitgliedsbeiträgen, Spenden und Patenschaften erlösen. Um die Rechnung heuer auszuglichen, fehlt allerdings noch ein Betrag von rund 30 000 Euro.