Konzerte der Stiftung Zukunft Mensch"Ein Dankeschön an Geretsried"

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Das "Khachaturian Trio" aus Armenien bei einem Auftritt in den Ratsstuben.
Das "Khachaturian Trio" aus Armenien bei einem Auftritt in den Ratsstuben. (Foto: Hartmut Pöstges)

Seit fast 20 Jahren bekommt die Stadt allvierteljährlich ein diskretes Geschenk. Die Stiftung Zukunft Mensch macht kein Aufhebens davon, wenn sie zu Klassik-Konzerten in die Ratsstuben einlädt. Warum, erklärt Hannelore Bretz.

Interview von Stephanie Schwaderer, Geretsried

Zwanzig Jahre ist es her, dass Monika Ransberger die Stiftung Zukunft Mensch gründete. Ihr Mann Karl Ransberger hatte das Pharmaunternehmen Mucos geprägt, das von 1959 bis 2010 seinen Sitz in Geretsried hatte. Er starb 2001. Seine Witwe übertrug einen Teil ihres Vermögens der von ihr gegründeten Stiftung, damit diese sich langfristig für gemeinnützige und mildtätige Zwecke engagiere. 2015 starb auch sie. Die Konzerte indes gehen weiter, an diesem Sonntag mit Fany Kammerlander und dem Trio Sfera. Verantwortlich für die Auswahl der Künstlerinnen und Künstler ist Hannelore Bretz.

SZ: Frau Bretz, Sie stehen viermal im Jahr auf der Bühne der Geretsrieder Ratsstuben und moderieren die Konzerte der Stiftung Zukunft Mensch. Wie kamen Sie zu diesem Job?

Hannelore Bretz: Wie die Jungfrau zum Kind, könnte man sagen. Ich kannte Monika Ransberger als große Musikliebhaberin, wir waren ab und zu zusammen im Konzert. Sie wusste, dass ich durch meinen Beruf als Korrepetitorin viele Berufsmusiker kenne - in München, aber auch von außerhalb. Deshalb hat sie mich gefragt, ob ich ihr behilflich sein könne.

Hannelore Bretz ist ausgebildete Korrepetitorin und arbeitete unter anderem an der Staatsoper München, der Deutschen Oper Berlin, der Sächsischen Staatsoper Dresden und am Theater Dortmund. Sie lebt in München.
Hannelore Bretz ist ausgebildete Korrepetitorin und arbeitete unter anderem an der Staatsoper München, der Deutschen Oper Berlin, der Sächsischen Staatsoper Dresden und am Theater Dortmund. Sie lebt in München. (Foto: privat/oh)

Lebten Sie damals in Geretsried?

Ich nicht, aber meine Eltern sind dort zu Hause. Monika Ransberger verstand die Konzerte als ein Dankeschön an die Geretsrieder. Die Stiftung hat ihren Sitz in München und engagiert sich in vier unterschiedlichen Bereichen. Diese Konzerte gibt es nur in Geretsried. Viele Leute nennen sie heute noch Mucos-Konzerte.

Es gibt das Sprichwort: Was nichts kostet, ist nichts wert. Haben Sie in Geretsried entsprechende Erfahrungen gemacht?

Nein, gar nicht. Es kommen immer 150 bis 300 Besucher, und die schätzen das Angebot sehr wohl. Viele beteiligen und bedanken sich mit einer Spende. So konnten wir vor einiger Zeit einen Flügel kaufen, der nun in den Ratsstuben steht und bei unseren Konzerten, aber auch als Leihgabe bei anderen Veranstaltungen gespielt wird.

Woher kommen die Gäste?

Die meisten Gäste kommen aus Geretsried und Wolfratshausen, manche aus Bad Tölz. Mittlerweile reisen auch einige Leute aus meinem Münchner Bekanntenkreis an, weil sie wissen, dass wir ein interessantes Programm bieten.

Warum machen Sie fast keine Werbung?

Monika Ransberger war eine sehr dezente Person, sie wollte kein Aufsehen, es ging ihr um die Sache. Die Stiftung und ich freuen uns, wenn sich der Besucherkreis durch Wertschätzung der Konzerte und Weiterempfehlungen in den verschiedenen Altersgruppen vergrößert. Wir wollen auch Menschen den Zugang zu klassischer Musik ermöglichen, die aus den verschiedensten Gründen in kein großes Konzerthaus oder die Oper gehen würden.

Sie laden in der Regel sonntags um elf in die Ratsstuben ein. Warum diese ungewöhnliche Zeit?

Ganz einfach: Weil wir in den Ratsstuben ganz schwer andere Termine bekommen. Gern würden wir mehr frühe Abendtermine anbieten, um den Gästen mit ihren unterschiedlichen Bedürfnissen entgegenzukommen. Der Saal ist so begehrt und meistens ausgebucht, da bin ich froh, wenn ich am Sonntagvormittag Termine bekomme.

Nun lassen die Ratsstuben als Konzertsaal ja nicht unbedingt die Herzen höher schlagen...

Oh doch! Wir haben dort unseren Flügel, wir haben eine Bühne, zwar ohne Vorhang, aber den brauchen wir nicht, und wir haben Garderoben im Untergeschoss. Die Kollegen sind immer zufrieden, auch mit der Akustik. Für einen Gemeindesaal ist das völlig in Ordnung.

Nach welchen Kriterien suchen Sie die Künstlerinnen und Künstler aus?

Ich kenne viele Leute, gehe in viele Konzerte und kann aus dem Vollen schöpfen. Wichtig ist natürlich, dass die Musik beim Publikum ankommt. Die Kollegen von der Münchner Staatsoper sind jedes Jahr dabei, mal die Bläser, mal die Streicher. Oder die Geigerin Ilona Cudek von den Münchner Philharmonikern, sie ist sicher schon fünf, sechs Mal in den Ratsstuben aufgetreten, in ganz verschiedenen Konstellationen - und jedes Mal waren die Leute ganz begeistert. Zugleich versuchen wir, immer wieder etwas Neues dazuzunehmen.

So wie nun das Trio Sfera?

Genau. Fanny Kammerlander kenne ich seit 20 Jahren. Sie ist eine unglaublich vielseitige Cellistin, spielt in ganz unterschiedlichen Formationen und ist derzeit vor allem mit Konstantin Wecker auf Tournee. Das Konzert am Sonntag hat glücklicherweise in ihren Terminplan gepasst.

Zum Trio gehören zudem der Pianist Jo Barnikel, der ebenfalls als musikalischer Begleiter Konstantin Weckers bekannt ist, und der Saxofonist Norbert Nagel. Alle drei sind in der Klassik verwurzelt, schätzen aber auch Ausflüge in den Jazz und in die Improvisation. Betritt die Stiftung damit Neuland?

Nicht wirklich. Wir pflegen zwar das klassische Beethoven-, Brahms- und Schubert-Trio, aber es gibt bei uns schon immer wieder auch Ausflüge in den Jazz oder die Volksmusik. Wichtig ist uns, dass die Künstler - ob aus der Region oder von weiter her - ihre Musik und ihr Talent mit Leidenschaft darbieten, dass sie bewegen und Musik nahbar machen. Ganz im Sinne von Monika Ransberger.

Trio Sfera, Sonntag, 4. Juli, 11 Uhr, Ratsstuben Geretsried; weitere Informationen unter www.zukunft-mensch.org

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