Der neue Bürgermeister Patrik Kohlert (GL) vereidigt, ein Zweiter und eine Dritte Bürgermeisterin gewählt, alle Referate und Ausschüsse besetzt: Auffallend einvernehmlich und in teilweise heiterer Stimmung hat sich am Dienstag der neue Geretsrieder Stadtrat konstituiert. Nur zwei Ereignisse ließen erkennen, dass dem Gremium erstmals eine AfD-Fraktion – mit vier von 30 Stadtratssitzen – angehört. Das erste spielte sich nichtöffentlich im Auditorium ab. Auf Intervention des AfD-Stadtrats Magnus Brunckhorst und darauffolgender Aufforderung des Bürgermeisters musste ein Zuschauer sein T-Shirt mit dem Aufdruck „Liberté. Egalité. Fck AfD“ mit seiner Jacke bedecken. Der Mann hatte für das Shirt reichlich Zuspruch aus dem Publikum erhalten.

Die zweite AfD-Äußerung war eine förmliche Wortmeldung. Brunckhorst fragte neckisch, was denn geschähe, wenn er zum Bürgermeister-Stellvertreter gewählt würde, obwohl er das Amt gar nicht wolle. Einfache Antwort der Verwaltung: Man kann ablehnen. Das war allerdings nicht nötig, denn Brunckhorst erhielt in der geheimen Wahl genau eine Stimme.
Die Fraktionen benannten vor dieser geheimen Wahl, für die eigens Wahlkabinen eingerichtet waren, keine Kandidatinnen und Kandidaten. So konnte auf den vorbereiteten Stimmzetteln theoretisch jedes Stadtratsmitglied angekreuzt werden.
Zweiter Bürgermeister wurde klar mit 27 von 30 Stimmen Josef Orthuber (CSU), Chefarzt der Wolfratshauser Kreisklinik im Ruhestand. Zur Dritten Bürgermeisterin wählten 20 Stadtratsmitglieder die Erzieherin und Studentin der Sozialen Arbeit Ann-Kathrin Güner (FW).

Bürgermeister Kohlert betonte nach seiner feierlichen Vereidigung mehrmals, wie wichtig ihm „ein fairer und konstruktiver Umgang“ im Stadtrat sei. Das Gremium lebe vom Austausch unterschiedlicher Meinungen, dabei müssten „Respekt und Sachlichkeit“ herrschen. Er verstehe sich als Leiter der Verwaltung und als Vertreter der Stadt nach außen. „Ich will transparent, fair und offen mit Ihnen umgehen“, versprach er.
Anders als vor sechs Jahren gibt es keinerlei Verstimmungen
Die Sitzung hatte Kohlert erkennbar gut vorbereitet. Anders als vor sechs Jahren in der konstituierenden Sitzung mit Bürgermeister Michael Müller (CSU) kam es zu keinerlei Verstimmungen, Konkurrenzen oder gar Kampfabstimmungen. Seinerzeit hatten sich Kandidatinnen und Kandidaten der SPD und der Grünen ausgebootet gesehen. Offenbar hatten sich CSU und Freie Wähler damals exklusiv miteinander abgestimmt.

Diesmal lief alles wie am Schnürchen. Noch war nichts zu spüren von den „stark fragmentierten Mehrheitsverhältnissen“, vor denen der abgewählte Bürgermeister Müller im Gespräch mit der SZ gewarnt hatte. Die CSU hat neun Stadtratsmitglieder, die Freien Wähler haben sechs, Geretsrieder Liste (GL), Grüne und AfD je vier, die SPD drei. Müller sagt wegen dieser „politischen Zersplitterung“ schwierige Zeiten voraus. Man wird sehen, ob sich das in der künftigen Sacharbeit bewahrheitet.
Bei der Vergabe der Referate geht es heiter zu
Zunächst aber fielen von der Besetzung der Ausschüsse über die Geschäftsordnung bis zum Verwaltungsrat der Stadtwerke alle Beschlüsse einstimmig; ebenso die Entscheidungen über die Referate. Peter Curtius (Grüne) erregte Heiterkeit, als er seinen Fraktionskollegen Marius Schlosser als „jungen, dynamischen Typ“ zum Jugendreferenten vorschlug. Hans Hopfner (SPD) parierte dies mit seiner Empfehlung für das Aufgabengebiet Familie, Schule und Bildung: Sein Kandidat Georg Bücheler, evangelischer Pfarrer im Ruhestand, sei „ein etwas älterer sympathischer Mann“. Und auch Christos Saridis (CSU) versuchte es mit einem Scherz: Seine Fraktionskollegin Sabine Gus-Mayer sei seit 18 Jahren Seniorenreferentin: „Ein Knochenjob. Ich würde ihr weitere sechs Jahre gönnen.“
Neuer Sportreferent ist Florian Roth (GL), für Soziales, Inklusion und Integration ist Andreas Wagner (SPD) zuständig, für Umwelt, Klimaschutz und Energie Josefine Hopfes (Grüne). Um Wirtschaft und Digitalisierung kümmert sich Edmund Häner, um Verkehr und Mobilität Heiko Hawla (FW).
Der bisherige Kulturreferent Hans Ketelhut (CSU) verzichtete ausdrücklich auf eine Wiederwahl: „Ich habe dieses Amt 24 Jahre innegehabt“, sagte er, „es ist der Zeitpunkt gekommen, wo man abgeben muss an Jüngere.“ Seine Nachfolgerin ist die neu in den Stadtrat gewählte Ingrid Hammerschmied (FW), aktiv in der „Gartenberger Bunkerblasmusik“ und der Egerländer Gemeinde.

