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Geretsried:Richtfest für Sozialwohnungen

Ein Fest für die Bauleute und für die Stadt: Seit Mittwoch ist die Richtkrone auf dem Neubau. BG-Geschäftsführer Wolfgang Selig (l.) und Bürgermeister Michael Müller luden zum anschließenden Umtrunk in die Ratsstuben ein.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Die Baugenossenschaft Geretsried schafft an der Siebenbürger Straße 49 Einheiten für Menschen mit geringem Einkommen. Geschäftsführer Wolfgang Selig spricht von dringendem Bedarf

Steigende Mietpreise und zunehmende Wohnungsnot: Vor diesem Hintergrund sind die Lokalpolitiker der Stadt Geretsried froh, dass die örtliche Baugenossenschaft (BG) wieder Sozialwohnungen errichtet. Bürgermeister Michael Müller (CSU) sagte am Mittwoch beim Richtfest der BG an der Siebenbürger Straße, die Genossenschaft sei von jeher "das Rückgrat der Wohnungspolitik" in Geretsried gewesen. Er dankte für das Engagement.

Die BG baut an der Siebenbürger Straße 29, 29 a und 31, inmitten des sogenannten "Blumenviertels" im Norden Geretsrieds, in drei Gebäuden 49 Sozialwohnungen. Das Wort sei nicht mehr üblich, erklärte Geschäftsführer Wolfgang Selig; man spreche von "geförderten Wohnungen". Diese seien in Geretsried "dringend notwendig", und die BG sei zufrieden, dass es nach vielen Jahren wieder staatliche Förderprogramme gebe, die sinnvoll seien. Sein Unternehmen könne zwar die Probleme auf dem Wohnungsmarkt nicht insgesamt lösen, aber "einen schönen Beitrag dazu leisten". Während auf dem freien Markt auch in Geretsried schon Quadratmeterpreise von zwölf Euro fällig seien, so Selig, lägen die Mieten in dem Neubau zwischen 5,50 und 7,50 Euro. Dafür gibt es je nach Einkommen verschiedene Berechtigungsstufen: In der untersten Kategorie 1 seien bereits alle Wohnungen vergeben, sagte der Geschäftsführer. Die Anlage soll bis Ende April bezugsfertig sein.

Die neuen Wohnungen dienen der Baugenossenschaft auch dazu, Mietern, welche die BG-Blocks an der Egerlandstraße 58 bis 74 verlassen müssen, eine Alternative anzubieten. Die dortigen Gebäude sollen im Herbst abgerissen und bis Ende 2022 durch eine moderne Wohn- und Geschäftsanlage ersetzt werden. Das Vorhaben ist Teil der Neugestaltung des Geretsrieder Stadtzentrums rund um den Karl-Lederer-Platz. "Derzeit wohnen in der Egerlandstraße noch 17 Parteien, also Familien, Paare und Einzelpersonen, von denen 14 in die Siebenbürger Straße ziehen werden", sagte Selig auf Nachfrage der SZ. "Mieter, die keinesfalls weichen wollen, sind uns nicht bekannt." Alle Parteien hätten entweder bei der BG oder bei Dritten Verträge unterzeichnet: "Neben klassischen Wohnungsmietverträgen zum Beispiel auch Verträge für Betreutes Wohnen, Senioren- oder Pflegeheime, Einigungen mit den eigenen Kindern zum Mitwohnen in deren Eigenheim, Erwerb von Wohneigentum und anderes", erklärte Selig.

Er gehe davon aus, dass die verbliebenen Mieter der Egerlandstraße planmäßig im September/Oktober in den Neubau an der Siebenbürger Straße einziehen können. Am 2. November solle mit den Abbrucharbeiten in der Egerlandstraße begonnen werden. "Der schneereiche Winter hat glücklicherweise den von uns im Bauzeitenplan angenommenen Umfang nicht überschritten", sagte Selig, "weswegen es auf der Baustelle Siebenbürger Straße bisher nicht zu ungeplanten Verzögerungen in der Fertigstellung kommt." Die Wohnungen an der Siebenbürger Straße sind zu hundert Prozent barrierefrei, drei davon auch rollstuhlgeeignet. Wegen der extrem schlechten Parkplatzsituation im Viertel baut die BG nicht nur eine Tiefgarage mit 62 Stellplätzen plus drei Außenstellplätze, sondern in Sichtweite der Anlage zusätzlich ein Parkdeck, "um dauerhaft für Entspannung zu sorgen", so Selig.

Der BG-Geschäftsführer ging auch darauf ein, dass sich sein Unternehmen ursprünglich am Wohnbauvorhaben der Krämmelgruppe an der Banater Straße - auf dem früheren Lorenz-Areal - beteiligen wollte. "Wir haben aber schon vor zwei Jahren festgestellt, dass der Baufortschritt länger dauern könnte", sagte Selig. Tatsächlich hat die Krämmel-Planung nicht nur mehr Zeit in Anspruch genommen, das Projekt könnte auch noch weiter verzögert, im äußersten Fall sogar verhindert werden.

Der Bürgermeister ging beim Richtfest nicht auf dieses Thema ein, hob aber hervor, die Wohnungspolitik sei "der zentrale Eckstein der Stadtentwicklung". Müller sagte, Geretsried sei in einer kritischen Wohnungssituation. Der Stadtrat müsse die Weichen stellen, dass Wohnraum für alle geschaffen werde, besonders aber für jene, die sich die steigenden Preise nicht leisten könnten: "Wohnen ist ein originäres Menschenrecht." Und die Bayerische Verfassung verpflichte in Artikel 106 Kommunen dazu, angemessene Wohnungen zu schaffen und "billige Volkswohnungen" zu fördern.