GeretsriedRelikte der Nazi-Zeit

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Das neue Hallenbad wird neben Blei- und Quecksilber-belastetem Boden gebaut.

Von Thekla Krausseneck

Das neue Geretsrieder Hallenbad wird in der Nachbarschaft stark mit Blei, Sprengstoff und Quecksilber belasteter Böden entstehen. Der Standort an der Adalbert-Stifter-Straße nahe dem Schulzentrum liegt nördlich eines ehemaligen Bunkers aus der Zeit der NS-Rüstungsbetriebe. Jochen Sternkopf, Bauamtsleiter im Rathaus, versichert, dass der belastete Bereich vor zehn Jahren versiegelt worden sei, so dass Schadstoffe weder ins Grundwasser noch in die Luft geraten könnten. Auf Anordnung des Landratsamts muss ein Ingenieurbüro den Aushub begleiten.

Die Stadt Geretsried hatte die Bauleitpläne ausgelegt, um den Trägern öffentlicher Belange die Gelegenheit zu geben, sich dazu zu äußern. Im Schreiben des Landratsamts hieß es, dass das zu bebauende Grundstück an der Adalbert-Stifter-Straße einen Eintrag im Altlastenkataster habe, der Verdacht jedoch inzwischen ausgeräumt sei. Allerdings liege das Grundstück "großteils" in den zwei angrenzenden Rüstungsverdachtsflächen mit der Bezeichnung B 4.4 und D 4.3.

Die Flächen, die sich im direkten Umfeld eines ehemaligen Bunkers befinden, in dem zur Zeit des Zweiten Weltkriegs Sprengstoffe gelagert wurden, weisen immer noch eine hohe Belastung mit Blei, Sprengstoff und Quecksilber auf. Obwohl das Grundstück in diese Flächen hineinreiche, sei es selbst sauber, sagt Sternkopf. Die belasteten Flächen im unmittelbaren Umfeld seien dagegen versiegelt worden, nachdem 50 Zentimeter abgetragen worden seien. Eine Gefährdung bestehe nicht. Dennoch werde der Aufforderung des Landratsamts nachgekommen. Ein nach dem Bundesbodenschutzgesetz qualifiziertes Fachbüro werde den Aushub überwachen.

Die sogenannten Rüstungsverdachtsflächen wurden nach Auskunft des Landratsamts erkundet. Fachleute bohrten einen halben Meter tief und stellten eine Bleibelastung von 3400 Milligramm je Kilogramm fest. Das ist fast siebenmal mehr als die vom Bayerischen Landesamt für Wasserwirtschaft für zulässig befundene Obergrenze von 500 Milligramm je Kilogramm. Südwestlich des Grundstücks lag während des Zweiten Weltkriegs ein Schießplatz. Dort ist der Boden noch heute nicht nur mit Blei, sondern auch mit Quecksilber und Sprengstoff "zum Teil stark" belastet. Das Hallenbad werde aber auf unbelasteten Flächen stehen.

Gegen das Vorhaben, die Pläne nach einer textlichen Anpassung nun öffentlich auszulegen, stimmten im Stadtrat nur die Grünen und Arthur Wolfseher (SPD). Für den Neubau müssen 1,09 Hektar Wald gerodet werden, wie der Grünen-Fraktionssprecher Volker Witte die Ablehnung seiner Partei zum wiederholten Mal begründete.

Zudem kritisierte Witte, dass die Ausgleichsfläche nicht im Stadtgebiet von Geretsried liegt - dort gebe es derzeit keine geeigneten Flächen, sagte Sternkopf -, sondern in Manhartshofen in der Gemeinde Dietramszell. Witte wies darauf hin, dass das Verkehrsaufkommen zudem stark ansteigen werde. Schon jetzt fahren innerhalb von 24 Stunden im Schnitt 13 000 Fahrzeuge durch die Adalbert-Stifter-Straße.

© SZ vom 26.09.2013 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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