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Neue Geretsrieder Mitte:"Noch lange nicht fertig"

Die Karl-Lederer-Platz Story !!

Keine Einfahrt: Die Großbaustelle Egerlandstraße beeinträchtigt seit Monaten das Leben im Geretsrieder Zentrum.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Ein neuer Plan soll die Westseite des Geretsrieder Karl-Lederer-Platz gestalten

Von WOLFGANG SCHÄL, Geretsried

Seit Jahren leben die Anlieger und Geschäftsinhaber im Geretsrieder Zentrum rund um Karl-Lederer-Platz und Egerlandstraße mit massiven Einschränkungen und Belästigungen. Der Baulärm insbesondere an der gewaltigen neuen Baugrube an der Egerlandstraße ist ohrenbetäubend und kaum erträglich. Drei Bagger wühlen sich dort gerade gleichzeitig durchs Erdreich, kreischende Bohrer und dröhnende Kettensägen komplettieren das Konzert der Baumaschinen höchst eindrucksvoll.

Im örtlichen Rathaus ist mittlerweile die Einsicht gereift, dass man bei den geplanten weiteren Umgestaltungsmaßnahmen, die das Bild des Karl-Lederer-Platzes schon jetzt total verändert haben, schonender voranschreiten sollte. Mit einer pointierten Formulierung brachte Stadtrat Franz Wirtensohn (CSU) am Dienstag im Entwicklungs- und Planungsausschuss (EPA) diese Erkenntnis auf den Punkt: "Die Leute haben die Schnauze voll, nur noch Baustelle geht nicht."

Man müsse genau überlegen, was man den Bürgern in naher Zukunft noch antun könne, sagte Wirtensohn, er rate beim weiteren Vorgehen deshalb "zu etwas mehr Contenance". Eine weitere Rahmenplanung sei bei alledem "grundsätzlich zwar nicht schlecht, man muss nur einfach mal bisschen langsamer tun".

Bei seinen Stadtratskollegen traf er mit dieser Einschätzung auf breites Verständnis. "Es muss erst mal Schicht im Schacht sein", betonte Patrik Kohlert (Geretsrieder Liste). Und Karin Schmid (CSU) riet, bei der weiteren Umgestaltung "abzuwarten, bis alle bisherigen Baustellen zu sind".

Anlass für die Debatte im Ausschuss war die Absicht, für den nördlichen Bereich des Karl-Lederer-Platzes vom BGZ-Gebäude bis zum Rathaus eine ganzheitliche Rahmenplanung zu entwickeln, nachdem die Zentrumsentwicklung dort bisher auf "vorhabenbezogenen Bebauungsplänen" mit diversen vertraglichen Regelungen hinsichtlich der Erschließung und Gestaltung basierte.

Das geplante alternative Rahmenkonzept erfasst die Hausnummern 1 bis 13. Damit soll auch das Gebäude der Baugenossenschaft (BGZ) eingeschlossen werden, in dem das Bekleidungshaus C&A residiert. Mit der Entwicklung wird das Münchner Planungsbüro Kehrbaum Architekten AG beauftragt, das schon bisher die Zentrumsgestaltung der Stadt und privater Bauherren verantwortet. Diese Strategie wurde im EPA mit 9:1 Stimmen gebilligt, ein endgültiger Beschluss soll allerdings erst im Stadtrat fallen.

Dass das Prozedere noch einige Zeit in Anspruch nehmen wird, wurde im Ausschuss jedenfalls deutlich: "Da sind wir noch lange nicht fertig", mutmaßte Karin Schmid, "da müssen wir noch viel, viel drüber reden, es wird ewig dauern, bis wir wissen, was wir genau wollen". Das bestätigte auch Stadtbaurat Rainer Goldstein: "Bauleitplanung ist immer was Langfristiges." Ein Rahmenplan biete aber zumindest die Möglichkeit, sich zu orientieren. Insgesamt gehe es darum, "die Nordseite des Platzes zu stärken".

© SZ vom 25.06.2020

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