Das neue Heimatmuseum in Geretsried soll nicht nur ein Ort des Erinnerns für die Vertriebenen sein. Es soll ein Stück weit mehr Stadtmuseum werden und auch zeigen, was vor der Ankunft der Menschen aus dem Egerland, Sudetenland, der Donauschwaben und Schlesier in den Wäldern südlich von Wolfratshausen passierte. Der erste Raum, den man beim Besuch des Museums an der Graslitzer Straße betreten wird, ist Sonderausstellungen vorbehalten. Doch dann, nach dem Gang durch das ehemalige Umweltamt, beim Eintreten in das eigentliche Museum im alten Stadtwerkehaus wird es gleich um die Rüstungsbetriebe gehen.

Das Leid der Zwangs- und Fremdarbeiter soll Thema sein, die in den Bunkern und Baracken werkelten und lebten, bevor dort die Vertriebenen einzogen. Drei Büros haben Entwürfe vorgelegt, wie dieser Raum und das gesamte Museum, das überwiegend die "Alte Heimat" behandeln wird, konzipiert werden könnte. Eine Entscheidung darüber, wer den Auftrag erhält, steht noch aus.
Die drei Bewerber haben einen ganz unterschiedlichen Hintergrund. Das Münchner Büro "Die Werft" hat einst die Projektleitung für die Ausstellungsgestaltung im Jüdischen Museum in Berlin inne gehabt. Und wer einmal das moderne Museum Starnberger See besucht hat, weiß, wie das Münchner Atelier "Erich Hackel" arbeitet. Als Dritte sind die Geretsrieder Architekten Justine Bittner und Martin Bruckner im Rennen, die zwar keine einschlägige Erfahrung haben. Dafür betonte Bittner bei der Präsentation des Entwurfs im Stadtrat ihre Bindung an die Stadt und die persönliche Verbundenheit mit dem Thema Flucht und Vertreibung. Dies sei ihr "durch die Eltern nicht fremd".
Der Auftrag lautete, einen Raum zum Thema "Rüstungswerke" zu gestalten und einen zu "Egerland und Musik". Bittner/Bruckner wollen gleich an den Eingang des eigentlichen Museums eine schräg ansteigende massive Bunkerwand installieren, die drinnen in einen Bunker-Nachbau mit typischen Fenstern und Tarnbewuchs auf dem Dach übergeht.
Im Museum soll es an den Wänden nach einem Baukastenprinzip Module geben, die nach Belieben ausgetauscht werden können und mit Löchern versehen sind, um flexibel Schaukästen oder Bilder draufzustecken. Bruckner sagt, damit trage man dem Umstand Rechnung, dass das Museum relativ klein sei und groß der Fundus dessen, was die Vertriebenen zusammengetragen hätten.
Wechselnde Ausstellungen seien so leicht möglich. Eine Multimedia-Installation soll im Rüstungsraum auch die bedrückenden Arbeitsbedingungen zeigen, unter denen die Zwangsarbeiter litten.
Christian Raißle vom Büro "Die Werft" sagt, man arbeite gerne mit ausgefallenen Ideen, die Besucher überraschen und so zu neuen Einsichten brächten. Eine solche Idee: Im Rüstungsraum soll ein zwei Meter großer Tisch aus Beton stehen, gerade so breit wie eine Bunkerwand dick war. Über dem Tisch würde eine Bombe schweben. "Da wird ein Spannungsfeld aufgebaut", sagt Raißle.
An zwei gegenüberliegenden Wänden würde gemäß der Logik von "Ursache" und "Wirkung" in Bildern das Szenario eines Reichsparteitags aufgemacht und das der Rüstungsfabriken im Wolfratshauser Forst. Hackel möchte dem Besucher mit Betonimitat an den Wänden direkt die Illusion vermitteln, sich in einem Bunker zu befinden.
An den Wänden würde zudem grafisch mit Bild und Text in quer verlaufenden Informationsbändern, die Zeitstränge darstellen, die Entwicklung der Rüstungsbetriebe mit der politischen Geschichte im Dritten Reich verknüpft. Grau wäre die dominierende Farbe in dem Bereich, sagt Hackel, und streicht heraus, durch den Einsatz von Farbe und großen Bildern den Besucher nach einer klaren Dramaturgie durch das Museum leiten zu wollen.
Der Übergang in den zweiten Teil des Museums führt durchs Freie und ist nur überdacht. Die Planer wollen das unterschiedlich lösen. Bittner/Bruckner wollen dort eine Rampe installieren, die die Vertreibung versinnbildlicht. Raißle favorisiert eine Bretterwand als Verweis auf die Baracken, durch deren Ritzen Orte der Heimat zu sehen sind. Dadurch würde die schmerzliche Trennung von diesen deutlich, sagt er. Hackel sieht dagegen im zweiten Museumsteil eigene Räume für die Themen "Flucht und Vertreibung" und "Notzeit" vor.
Der Raum "Egerland und Musik" würde bei Hackel klar strukturiert gestaltet. Er würde mit einem großen Bild arbeiten, das etwa eine Egerländer Blaskapelle zeigt, einer Schrifttafel und ausgestellt dazu Musikinstrumente. Bruckner sieht dort eine Werkbank vor einem Bunkerfenster vor, wie einst in Geretsried typisch. An dieser würde, wie er sagt, ein "leibhaftiger Handwerker" arbeiten.
"Die Werft" setzt auch da auf Überraschung: Es gäbe eine simple Installation von zwei identisch aussehenden Stimmgabeln, von denen nur eine qualitätvoll ist und gut klingt. Raißle sagt, dies könnte illustrieren, wie anspruchsvoll das im Egerland und jetzt in Geretsried gepflegte Musikinstrumentenhandwerk sei. Im Anschluss würden Instrumente ausgestellt, die die Besucher per Knopfdruck zum Klingen bringen könnten.
Die Gestaltung des Museums durch "Die Werft" würde 275.000 bis 375.000 Euro kosten, durch das Atelier Hackel 94.000 bis 165.000 Euro und durch Bittner/Bruckner je nach Anteil der Eigenleistung ehrenamtlicher Helfer 165.000 bis 227.000 Euro.