Süddeutsche Zeitung

Stadtpolitik:Kunst gleich nebenan

Warum die Stadt Geretsried die Galerie an der Elbestraße übernommen hat.

Von Felicitas Amler, Geretsried

Rathausfoyer, Stadtbücherei, Museumsfoyer und Aussegnungshalle - das waren bis vor Kurzem die Möglichkeiten der Stadt Geretsried, Kunstausstellungen zu präsentieren. "Nicht gerade ideal", räumt Rathaussprecher Thomas Loibl rückblickend ein. Daher sei das Angebot der beiden Betreiber der Galerie an der Elbestraße, Albrecht Widmann und Kenneth Barlow, diese zu übernehmen, für die Stadt "sehr verlockend" gewesen. Die Anmietung der Räume zum 1. Juni sei auf ein Jahr befristet, mit Option auf Verlängerung. Dies sei nicht-öffentlich im Haupt- und Finanzausschuss des Stadtrats beschlossen worden. Die Galerie umfasse mit den Nutzflächen, Küche und Toilette 160 Quadratmeter.

Leiterin der Galerie - und damit auch Programmgestalterin - ist die städtische Kulturamtsleiterin Anita Zwicknagl. Albrecht Widmann, der auch dem städtischen Kunstbeirat angehört, werde ihr beratend zur Seite stehen. Antworten zum Thema gibt es, wie in Geretsried üblich, dennoch vom offiziellen Rathaussprecher.

Loibl sagt, die Lage der Galerie sei in jeder Hinsicht günstig: direkt neben dem städtischen Kulturamt und dem Stadtarchiv; unweit vom gerade im Bau befindlichen großen Quartier an der Banater Straße mit mehr als 700 Wohnungen, aber auch von der Neuen Mitte rund um den Karl-Lederer-Platz aus "für viele Bürger gut erreichbar".

Die jetzt noch bis 22. September laufende Eröffnungsausstellung in der Galerie unter städtischer Ägide hat der Bildhauer Josef Alexander Henselmann gestaltet. Er war zu einem früheren Zeitpunkt schon einmal als Mitglied des städtischen Kunstbeirats angekündigt, dann aber durch den Münsinger Künstler Ernst Grünwald ersetzt worden. Unter dem Titel "Skulpturen der Kulturen" zeigt Henselmann in der Galerie an der Elbestraße bildhauerische Werke zusammen mit zeichnerischen und malerischen Studien.

Henselmann, 60, hat in seiner Arbeit als freischaffender Bildhauer unter anderem ein Bronzerelief von Papst Benedikt XVI. für die Münchner Frauenkirche geschaffen. Er ist "Bundesbruder" des Dritten Bürgermeisters von Geretsried, Gerhard Meinl (CSU), in der Katholischen Deutschen Studentenverbindung Trifels München.

An diesem Sonntag können Interessenten mit Henselmann ins Gespräch kommen

Die Kulturamtsleiterin habe die zweite Ausstellung bereits vereinbart, sagt Loibl. Die Geretsrieder Architekturhistorikerin Kaija Voss und der Berliner Fotograf Jean Molitor werden eine Fotoausstellung zeigen mit dem Arbeitstitel "Geretsried - ein Teil der bayerischen Moderne". Die beiden arbeiten seit langem speziell zur Bauhaus-Architektur zusammen. Im Erinnerungsort Badehaus in Wolfratshausen-Waldram war vor vier Jahren ihre gemeinsame Ausstellung "Jüdische Architekten der Moderne und ihr Wirken in der Welt" zu sehen.

Die städtische Galerie ist überwiegend werktags zu besichtigen. Besucher müssen sich, so Loibl, nebenan im Kulturamt an der Elbestraße 25b "bemerkbar machen", dann wird ihnen der Ausstellungsraum geöffnet. Ausnahmen sind bei Künstlergesprächen, die auch an Wochenenden stattfinden. So lädt die Galerie Interessentinnen und Interessenten an diesem Sonntag, 9. Juli, 15 Uhr, zum Gespräch mit Henselmann - eine Gelegenheit, seine Ausstellung vertieft zu betrachten. Weitere Termine hierfür sind Sonntag, 20. August, und Freitag, 22. September, ebenfalls von 15 Uhr an.

Galerie an der Elbestraße, Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 8 bis 12 Uhr, Dienstag und Donnerstag 14 bis 16 Uhr. Die Ausstellung läuft bis 22. September.

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