Florian Sagner unterscheidet in seinem Beruf als Künstler zwischen den Engagements, die richtig Geld bringen, und solchen „fürs Herz“. Gut bezahlt sind vor allem die Auftritte bei Unternehmensevents – sei es beim FC Bayern, bei Dr. Oetker oder VW. Fürs Herz aber spielt er seine Trompete schon mal in einem Münchner Jazzclub für nur 100 Euro. Sagner ist der neue Kulturpreisträger der Stadt Geretsried.
Der Stadtrat habe ihn einstimmig aus sechs Vorschlägen ausgewählt, erklärten Bürgermeister Michael Müller (CSU) und Kulturamtsleiterin Anita Zwicknagl am Dienstag bei der Bekanntgabe im Rathaus. Sie stellten ihn als Lehrer der Geretsrieder Musikschule, als Trompeter in vielen verschiedenen Formationen wie etwa den Stimulators und als international auftretenden Künstler vor; außerdem sei er Komponist, Produzent und Studiobetreiber. Auf Zwicknagls Frage, ob man ihn „den Till Brönner von Geretsried“ nennen dürfe, erwiderte Sagner: „Ich bin lieber eigenständig.“
Und das ist er auf vielen Ebenen. Sagner, 56, schilderte seine Entwicklung vom Schüler der Geretsrieder Musikschule über diverse Stationen, darunter die Musikhochschule in Augsburg, das Gebirgsmusikkorps der Bundeswehr in Garmisch-Partenkirchen und das Mozarteum in Salzburg. Einen faszinierenden Einblick in die Finessen des Trompetenspiels bot der Künstler mit seiner Bemerkung über einen Spezialunterricht, den er bei dem renommierten schwedischen Trompetenpädagogen Bo Nilsson genommen habe. „Mir ist immer der Ansatz verrutscht“, erklärte er. Und dies zu korrigieren, wobei Reflexe der Muskulatur ausgetrickst werden müssten, erfordere ein Spezialwissen und -können.
Sagner, der es nach eigenem Bekunden „groovig und soulig“ mag, hat schon in der Vorband zu James Brown gespielt, hat in New York und Chicago, in Österreich, der Schweiz und Spanien gastiert. Er hat bei der Filmmusik zu allen Eberhofer-Krimis als Trompeter mitgewirkt, etliche CDs eingespielt und produziert und legt auch als DJ auf. In Geretsried ist Sagner von vielen Auftritten, sei es auf der Kulturbühne „Hinterhalt“ oder bei städtischen Events, bekannt – vor allem als Mitglied der 1998 von Lead-Gitarrist Peter Schneider gegründeten Stimulators.
Doch wenn der Trompeter die Formationen aufzählt, in denen er fest oder gelegentlich spielt, kommt man beim Mitschreiben kaum nach: Uppercut, Munich Select Band, Soul Society … Wenn man „zum Geldverdienen“ auftrete, sagt er, sei man „sehr schnell in luxuriösen Kreisen unterwegs“. So dieser Tage bei einer indischen Hochzeit auf Schloss Leopoldskron in Salzburg. Er sei fast jedes Wochenende engagiert, sagt der Musiker, versichert seinen Preisverleihern aber: „Hier in Geretsried ist natürlich mein sicherer Hafen.“
Bürgermeister Müller würdigte Sagner daher nicht nur als lokale Musikgröße, sondern auch als einen „Botschafter Geretsrieds“, der international auftrete. „Das ist doch ein echter Volltreffer“, sagte Müller über die Wahl des Trompeters als Preisträger. Kulturreferent Hans Ketelhut (CSU) setzte noch eins drauf. An „begnadeten Musikern“ wie Sagner habe die Stadt ein „unheimlich großes Potenzial: Wir könnten jedes halbe Jahr einen Kulturpreis vergeben.“
Feierliche Kulturpreisverleihung am Freitag, 26. September, 19 Uhr, Ratsstuben Geretsried, mit den Stimulators.


