Konzert in Geretsried:Gefühle, Mundart und ein Stamperl Milch

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Auf dem schmalen Grat zwischen Ernsthaftigkeit und Bayern-Slapstick: Der Liedermacher Jan Wannemacher ist im Geltinger Hinterhalt aufgetreten. (Foto: Hartmut Pöstges)

Der Münsinger Liedermacher Jan Wannemacher präsentiert im Hinterhalt seine neue EP "Oa Quartl" - und zeigt Potenzial für Hits.

Von Arnold Zimprich, Geretsried

"Sucht euch einen Platz aus", hat Assunta Tammelleo am Einlass noch gesagt. Doch schon zehn Minuten später ist der Hinterhalt voll besetzt, rund 60 Gäste haben sich in ihrer Geltinger Kulturbühne eingefunden, um Jan Wannemacher zu erleben, ihren Wannemacher. Denn der kommt aus dem Münsinger Gemeindegebiet, so wie viele der Besucher an diesem Abend.

Mit wallendem Haar betritt der 32-Jährige die Bühne und stimmt auf ein Vier-Gänge-Menü ein: "Ich selbst bin die Vorspeise", sagt er. In Hessen geboren, kam Wannemacher im Kleinkindalter nach Wasserburg, der Liebe wegen zog es ihn später in den Isar-Loisach-Landkreis, in Münsing ist er bestens vernetzt. Sogar Bürgermeister Michael Grasl sitzt im Hinterhalt, seine Tochter Leni wird mit Wannemacher später noch auf der Bühne stehen.

"Mach ich das Richtige falsch oder das Falsche richtig?" Es sind die Herausforderungen und Unwägbarkeiten des Älter- und Erwachsenwerdens, des Coming-of-Age, um die es in Wannemachers ersten, auf Hochdeutsch gesungenen Stücken geht. "Gibt es nur eine Wahrheit - oder wer belügt mich?" Als Wannemacher die "Unendlichkeit der Nacht" besingt, denken manche Zuhörer an die durchgemachten Nächte ihrer Teenagerjahre zurück: "Wo bleibt die Liebe, wo bleibt das Glück?" Seine angenehme Stimme schmeichelt sich ein, es schlägt die Stunde der Romantiker, seine Hymne an den Bruder ist etwas kitschig aber Geschwisterliebe pur. Zwischendurch legt der Klangkünstler aus Münsing an der Loop-Station Gitarrenschleife über Gitarrenschleife, sein "Loopkasterl", wie er den technischen Helfer liebevoll nennt, wird zum kongenial integrierten fünften Bandmitglied.

Beim Stück "Obandln" wechselt Jan Wannemacher schließlich ins Bairische - und Lena Grasl begleitet den Liedermacher erstmals mit weicher, vom Dialekt eingefärbter Stimme. "Lass uns a bissl obandln, wenn du mi magst." Das Duett ist herzerwärmend, getragen von erdigen Basstönen des Tubisten Ilya Khenkin und den Rhythmen des Cajon-Spielers Lukas Schöberl. Der Applaus fällt intensiver aus als bei den hochdeutsch gesungenen Stücken. Auf der hinuntergelassenen Leinwand erleben die Gäste dann noch eine Video-Premiere: Die Bilder zum Stück "Soiz in meiner Suppn" wurden in einer Münsinger Scheune gedreht. "Oa Quartl" ist ein Song, den Wannemacher seinem Freund Kurbi widmet, der prompt auf die Bühne kommt. Es geht ums Verkonsumieren von Bier in Viertelliter-Rationen: "Da Sparfuchs und da Geizhals wollen an Rausch mit Verstand."

Auf dem schmalen Grat zwischen Ernsthaftigkeit und Bayern-Slapstick gelingt Wannemacher immer wieder die Balance. Seine Lieder lassen Potenzial erkennen. Im Gassenhauer "Heischnupfa", der schon von diversen Regionalradios gespielt wurde, macht der junge Familienvater aus etwas Lästigem eine Posse. Aus der Geburtstagseinladung für die Großmutter formt er eine Ode an Kaffee und Kuchen und besingt den "Kloanan roudn Deifi", der einen endlich in Ruhe lassen soll. Geprostet wird am Ende auch noch: Leni Grasl, die noch ein weiteres Duett mit ihm singt, reicht zum Abschluss eines kunterbunten Musikabends zu einem Lied über die "Milchwagengenossenschaft" Stamperl mit Münsinger Kuhmilch herum, frisch aus der Kühlbox.

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