Süddeutsche Zeitung

Mehr Kita-Plätze nötig:Kraftakt für die Kinderbetreuung

Geretsried hat erheblichen Mangel auszugleichen. Der Stadtrat verabschiedet ein Paket für fünf Standorte. Die Gesamtkosten liegen bei rund fünf Millionen Euro. Bürgermeister Müller (CSU) schimpft auf die Staatsregierung.

Der Geretsrieder Stadtrat hat am Dienstag einstimmig ein umfangreiches Programm zur Deckung des Bedarfs an Kinderbetreuung verabschiedet. Betroffen sind die Standorte "Bärenbande" am Robert-Schumann-Weg, "Blechkiste" an der Tattenkofener Straße, Kita Gelting, sowie die Karl-Lederer-Grundschule und die Schule am Isardamm. Zum Beginn des neuen Kindergartenjahrs sollen in Geretsried ausreichend Plätze vorhanden sein. Derzeit fehlen laut Stadtverwaltung 30 Plätze in Krippen, 50 in Kindergärten, 25 in Hort und Mittagsbetreuung. Damit rechtzeitig gehandelt werden kann, hat der Stadtrat Bürgermeister Michael Müller (CSU) zur konkreten Umsetzung aller Maßnahmen während der nunmehr begonnenen Sommerpause ermächtigt. Grundsätzlich hat der Stadtrat zusätzlich zu bereits anerkannten 1347 Betreuungsplätzen in Geretsried weitere 150 beschlossen.

Der Bürgermeister betonte, die Stadt sei durch die "Korridor-Regelung" der Staatsregierung in diese Bredouille gekommen. Müller sprach nachdrücklich und empört von falsch gesetzten Rahmenbedingungen und sagte: "Ich weiß nicht, was sich die Ministerialbürokratie dabei gedacht hat - vermutlich gar nichts."

Wegen der vom Kultusministerium vorgegebenen Frist zur Entscheidung der Eltern war die Stadtverwaltung unter massivem Zeitdruck, um Lösungen zu finden. Dafür, dass sich diese nun abzeichnen, bedankten sich einzelne Stadträte ausdrücklich und unter Applaus des Plenums bei den Rathaus-Mitarbeitern.

Am Robert-Schumann-Weg ist die Umnutzung eines Individualraums als Gruppenraum geplant. Dadurch entstehen zum September 18 neue Kita-Plätze. Eine weitere Gruppe für 18 Kinder soll zum Frühjahr 2020 fertig sein, indem ein ursprünglich für die Hausmeisterwohnung vorgesehener Raum umgestaltet wird.

Für die Container-Kita "Blechkiste" mit zwei Gruppen läuft zum Mai 2020 der Mietvertrag aus, so dass ohnedies Ersatz notwendig wird. Die Stadt will nun auf den Hartplatz zwischen Verkehrsübungsplatz und Fußballplatz des FF Geretsried, zwischen Johann-Sebastian-Bach-Straße und Robert-Schumann-Weg, ausweichen und dort entweder mit einem Container oder einem Modulbau drei Gruppen schaffen - "möglichst bis Oktober 2019".

In Gelting soll auf den Platz vor der Kita Sankt Benedikt an der Leitenstraße ein Container für zwei Kita-Gruppen gestellt werden. Auch dort sei "sofortiges Handeln" angezeigt, stellte die Verwaltung fest, der Bedarf müsse "unverzüglich" gedeckt werden.

Die Kosten einzelner Maßnahmen werden durch Mehrerträge aus der Gewerbesteuer gedeckt; andere erfordern neue Haushaltsmittel, die im Beschluss mit rund einer halben Million Euro beziffert wurden.

Jeweils rund zwei Millionen Euro sind für die Schaffung neuer Mittagsbetreuungen veranschlagt. Beide Architekten, die hier mit Entwürfen beauftragt wurden, betonten, dass bei der aktuell völlig überdrehten Baukonjunktur aber keine exakten Kalkulationen möglich seien; einer empfahl, gleich 20 Prozent Reserve einzustellen. An der Karl-Lederer-Schule und an der Schule am Isardamm sollen holzverkleidete Modulbauten mit Flachdächern errichtet werden, die jeweils vier Gruppenräume plus Sanitär-, Küchen- und Mehrzweckräume umfassen. Am Isardamm muss dafür "nicht unerheblicher Baumbestand" gefällt werden, wie Architekt Udo Brückner erklärte; es gehe nicht anders. Der Umweltreferent des Stadtrats Volker Witte (Grüne) äußerte sein Bedauern; Müller sagte, dies sei eine Güterabwägung. An der Karl-Lederer-Schule plant das Wolfratshauser Architekturbüro Klaus-Peter Scharf.

Müller sagte, die Stadt fasse grundsätzlich auch bereits den Bau einer dritten Grundschule ins Auge. Das Bauamt prüfe dazu den Standort des Schulzentrums Adalbert-Stifter-Straße und im selben Bereich einen weiteren Kita-Standort.

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SZ vom 25.07.2019/aip
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